Fremde Welten

Politik und Musik - wie man damit umgehen kann

10.08.2005, 15:56, Text: Heiko Behr, Heiko Behr
[5 Kommentare]

Der Schulterschluss zwischen Staatsmännern und Musikern hat Tradition. Besonders Rockstars wie Herbert Grönemeyer, Marius Müller-Westernhagen oder Bono sind bekannt/berüchtigt dafür, sich im Schatten von politischen Größen wie Nelson Mandela oder Bill Clinton zu bewegen. Zuletzt sah man Bono mit Bundeskanzler Schröder gedankenverloren einen Gang entlanglaufen und anschließend publikumswirksam über die Probleme dieser Welt sprechen.

Auch das Live Aid-Festival, sowohl 1985 als auch dieses Jahr, setzte sich mit Bob Geldorf an der Spitze dafür ein, mit Musik auf Probleme hinzuweisen und so Aufmerksamkeit für die Unterdrückten zu gewinnen.

Meist eben mit Hilfe von Politikgrößen, die sich gerne vor den Karren spannen lassen. Denn es ist ein Unternehmen, das ihnen nicht schaden kann: sie bekommen ein bisschen Anerkennung von jungen Leuten, den älteren ist es egal, sie nehmen es nicht wahr. Wer hier Böses unterstellt...

Nun nimmt Smudo von den Fantastischen Vier öffentlich Position ein und stellt mit Schröder am 19. August in Berlin die CD 'Gemeinsam gegen Rechts' vor. Das Album solle kostenlos in NPD-Hochburgen verteilt werden und enthält Beiträge von 2Raumwohnung, Clueso, Max Herre und Sportfreunde Stiller. Am Veröffentlichungsdatum soll auch eine Informationsseite freigeschaltet werden. All das propagiert die SPD. Für den guten Zweck also begibt sich Smudo ins Promobeiboot mit dem Bundeskanzler.

Genau das hat Chris Martin von Coldplay nicht gemacht. Er lehnte eine offizielle Einladung des britischen Premierministers Tony Blair ab, ihn in London in der Downing Street zu treffen. Martin sagte dazu: \\\\\\\\"I'm not going to go. I really like Tony Blair. He's interested in the same things as I am - he plays the guitar and he always gives the impression of doing what he can to help. But I don't particularly want to be photographed with him at the moment.\\\\\\\\" Eine etwas irritierende Aussage. Sie sind sich ja ach so einig: beide spielen Gitarre.



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
 
 
  • User: andreas schnell
  • andreas schnell 11.08.2005 | 10:08:18

    "Meist eben mit Hilfe von
    Politikgrößen, die sich gerne vor den
    Karren spannen lassen." -
    interessant, wer hier angeblich wen
    vor seinen karren spannt. man hätte
    glatt meinen können, dass die politik
    nur zu gern das moralgetue von
    musikern für die eigenen zwecke
    benutzt, siehe aktuelles beispiel...

  • User: Der Jeff_Dieter
  • Der Jeff_Dieter 11.08.2005 | 10:14:36
    proper tea is theft
    Bei der Besetzung sollte "Gemeinsam gegen Rechts" vielleicht eher "Feuer mit Feuer bekämpfen" oder "Guter Nationalismus - Böser Nationalismus heißen".

    Außerdem zeigt der Verweis auf Chris Martin nur, wie uncool man Blairs Einladung ablehnen kann, wenn man sich daran erinnert, dass Damon Albarn vor einigen Jahren eine entsprechende Einladung zum Tee ablehnte, weil er Kommunist sei.

  • User: Der Jeff_Dieter
  • Der Jeff_Dieter 11.08.2005 | 10:16:46
    proper tea is theft
    'When I was invited to No 10,' Albarn recalls, 'I put a statement out, which got on the front page of The Telegraph, saying that I'd become a Communist. Quite funny, really.' Albarn had met Tony 'Blur' before the election, and had no wish to renew the acquaintance.

    'I got approached by his youth team, and at the beginning it was like, "Wow! The next prime minister!" Then I went to meet him. I'm quite a good judge of character, and I'll tell you what, he's a slippery bastard! But I'm not Conservative! No way! But it's a big thing, when you're still a kid, really, to meet the next prime minister, and come out feeling, "Yuck!" Tony Blair is just as much caught up in celebrity as anyone else.'

    » Link

  • fleur de lys 11.08.2005 | 23:03:36

    bin mir nicht sicher, ob chris martin nicht auf sehr nobel formulierte art spott auskippte und das dann wäre sogar geschickter als im falle albarn.

    generell sehe ich in diesen anwandlungen der bonos dieser welt lediglich die trennlinie zwischen "pop"-gestus und was mit tatsächlichem sinn. es ist beiderseitig ein armutsbekennen und trösten und naiv dümmliches, traditionell verlogenes und überholtes christenhoffen und -beormunden. also: bremsklotz in der eigentlichen sache.

    apropos, smudo und all die anderen 99%-deutschen und somit richtig-bürgermusiker... auf diese art geht die ganze geschichte schritt für schritt immer tiefer nach hinten los, die kernigen und straighten harten gewinnen durch die feindschaft der doofen nur an sympathie und präsenz. war ein paar tage in leipzig und konnte mir diese vor monaten mal angedachte befürchtung bestätigen lassen. armes heimatliches populärkultürchen.

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
Anzeige
 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]