
Conspiracy Of Beards
Why? & Minor Mountaineer live in Köln
18.07.2005, 17:00, Text:
Vanessa Romotzky,
Vanessa Romotzky
13.07.05, Köln, Kulturbunker Mülheim
Köln-Mülheim, 30 Grad, die Sonne brennt. Perfekte Haltung. Wie, Werbung? Na, ok - es war toll, es hat Spaß gemacht. Es begann nur recht spät. Zumal dieser Tage manche Vorband ungerechterweise der Hitze zum Opfer fällt. Das heißt, bei diesen Temperaturen ist die Location zu klein für uns zwei, Schatz. Zu heiß für manch blassen, kreislaufschwachen Nordeuropäer, um 2 Bands lang durchzuhalten. So ging es mir also auch hier mit der viel gelobten Band Minor Mountaineer. Was ich an Songs mitbekam, war geschmackvoll und sorgfältigt arrangiert wie instrumentiert, erinnerte in manchem Moment z.B.
Endlich beginnen Why. In heutiger Formation vier Jungs, die jeweils über kreuz wie geclont aussehen. Und sich in ihrer Frisur absolut einig sind. Das anerkennend bezeichnen sie sich auch scherzend selbt als \\\\\\\\\\"Conspiracy of Beards\\\\\\\\\\". 'Conspiracy of Weirds' würde es auch treffen. Gut, mit 'weird' kann man es sich allzu einfach machen, also ein paar Details... Mindestens zwei der vier sollten für die Zeit des Auftritts permanent um ihr Leben spielen:
Yoni Wolf, der 2003 unter dem namen Why? sein Full Length-Debut \\\\\\\\\\"Oaklandazulasylum\\\\\\\\\\" als Solokünstler veröffentlichte, ist seit den Anfängen mit dem (im weiteren Sinne HipHop-)Label Anticon verbändelt. Mit seinen Kollegen Dose One und Odd Nosdam sorgte er mit dem \\\\\\\\\\"avant-hop art project\\\\\\\\\\" cLOUDDEAD für aufwühlende Furore. (Dose One & Jel = Themselves / + The Notwist = 13&God) Auch an diesem warmen Abend steht er aufsehenerregend unter Strom, als wäre er für nichts anderes geboren, wie eine einmal angestoßene Klickerbahn. So als würde er sich einfach IMMER bewegen und wenn ihm als ausgesprochener Haptiker Musikinstrumente in die Finger fallen, umso besser. Er bedient alles mögliche: Piano, Keyboard, Gitarre, Bass, Harmonica, Sampling.
Yoni, der als Kind u.a. an einer ausgeprägten Wachsmalstift-Phobie litt, blinzelt im Gegensatz zu seiner sonstigen Aktivität faszinierend selten mit seinen Augen, noch außergewöhnlicher ist nur sein quirliger, erzählfreudiger Rap- und Gesangsstil. Kindlich und nahe am Abgrund. Sein Bruder Josiah, genetisch wie augenscheinlich offensichtlich Yoni's Bruder, trommelt die Songs zusätzlich in eine eigene Welt. Es ist ein bißchen so, als würde man parallel noch zu dem Genuss eines außerordentlichen Solo-Jazz-Drum-Sets kommen. An anderer Stelle hieß es so schön: \\\\\\\\\\"Josiah eats drums for breakfast and sleeps drums at night.\\\\\\\\\\" Kein Zweifel.
Daneben kann man die weiteren zwei, durchaus agilen Mitspieler beinahe schon als \\\\\\\\\\"Ruhepole\\\\\\\\\\" bezeichnen: Matt Meldon studierte mit dem älteren Wolf-Bruder Jazz und widmet sich im Projekt den Gitarren. Doug Mc Diarmid (eine zeitlang gemeinsam mit Yoni auf der Art-School) kümmert sich ebenso vielseitig um Piano, Gitarren, Sampler und Turntable. Sanddollars (bislang eine EP, im Herbst soll ein Longplay-Album folgen) entfernt sich, auch im \\\\\\\\\\"advance\\\\\\\\\\"-Kontext Anticons, ziemlich weit weg von HipHop. Auf der Folkseite erinnert die Musik and das brillante, humorig-lakonische, dabei jedoch emotional ausdrücklich beteiligte Songwriting Herman Dünes oder Clem Snides, in der HipHop-Liga an den Rapstil der Labelkollegen Themselves. Im Geiste wären da sonst noch die Flaming Lips, They Might Be Giants oder Pavement.
Bis zum letzten Song meilenweit kein HipHop-Klischée in Sicht. Es ist eigenwillig, wild, verspielt, phantasievoll, gewitzt wie sensibel und man wird gar von einer Slide-Gitarre beglückt.
Also: Köln-Mülheim, vielleicht 23:30 Uhr, immer noch warm , auf dem Weg heim, perfekter Halt. An der ergatterten Sanddollars-EP schmieg ich mich fest. Und kein Wachsmalstift der Welt wird je auch nur in die Nähe gelangen, word.
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