Tödliche Maschinen
Death From Above 1979 live
07.07.2005, 11:51, Text:
Christian Steinbrink,
Christian Steinbrink
05.07.2005, Köln, Underground
Urlaub In Polen verpasst. Das schmerzt. Zumal die meisten pünktlichen Konzertbesucher an diesem hübschen Sommerabend im Underground wohl durchaus von deren Support-Darbietung angetan gewesen waren, wie mir berichtet wurde. Zum Glück bin ich zusammen mit ca. 200 Weiteren pünktlich anwesend, um eine der heißesten Geheimtipp-Bands der Saison sehen zu können. Death From Above 1979 sind nach medienwirksamen Namensstreit mit James Murphy (DFA Records bzw. LCD Soundsystem)und einigen euphorischen Berichten aus Übersee nun auch in der hiesigen öffentlichen Wahrnehmung gelandet.
Bei oberflächlicher Betrachtung der Popgruppenvariante Duo kam man zuletzt um den Eindruck, solches ginge nur in der Besetzung 'Gitarre und Schlagzeug' und mit rumpeligem Pop-Folk, nicht herum. Death From Above 1979 kommen aber aus einer anderen Tradition, in der Schlagzeug und Bass die entscheidenden Rollen spielen und der Name Lightning Bolt bei Eingeweihten die Alarmglocken schrillen lässt. Und nicht wenige dieser Auskenner nennen DFA 1979 aus diesem Grund auch ein reines Plagiat der Band, die uns seit Jahren via 'Load Records' mit ähnlichen Platten beliefert, nur entschiedener vorgetragen und mangels Major-Plattenvertrag unter Ausschluss eines Großteils der Öffentlichkeit. Aber solche Nörgler verlieren an Stimme, wenn ein Konzert der Band ansteht, die auf ihrem Album \\\\\"You're A Woman, I'm A Machine\\\\\" eine ganze Handvoll Tanzbodenkracher geschenkt hat.
Wer \\\\\"You're A Woman...\\\\\" erstmals hört, wird kaum darauf kommen, dass hier nur ein Duo am Werk ist. Zu ungewohnt ist der Gedanke, dass auch ein Duo-Sound laut, detailliert, voll und treibend sein kann. Diese erstaunende Einsicht erleben nicht wenige Besucher an diesem Abend ihr erstes Mal. Die beiden Männchen auf der Bühne schaffen mit ihren kleinen Instrumenten einen Sound, der mancher vielköpfigen Rockband zur Ehre gereichen würde. Ein Sound, der viele Elemente klassischen Hardrocks in sich trägt, an manchen Stellen aber auch mit einer Dynamik aufwarten kann, die wenigstens mich an Fugazi und Konsorten erinnert. Der Gesang ist aber wieder ganz Kopfstimme, und das ist wohl auch der einzige Aspekt, der den nicht Hardrock-sozialisierten Teil des Publikums ein wenig stört. Dass diese spezielle Stimme von Sänger und Schlagzeuger Sebastien Grainger zur Musik passt, müssen aber auch diese Leute relativ schnell anerkennen.
Die Musik von DFA 1979 braucht nicht lange, um das gesamte Auditorium zu packen. Vorne wild, hinten sanft, aber alle grooven mit. Die Show der beiden Männer aus Kanada ist ausgelassen und energetisch, und da dafür nur zwei Leute verantwortlich sind, muss man das wohl noch höher anerkennen. Angesichts dessen, dass beide alles geben und nur auf das Material je einer LP und EP zurückgreifen können, geht ihr Gig ganz schön lange. Jedenfalls lang genug, um das Publikum komplett glücklich zu machen und es für die Nachlese im Underground-Biergarten nach Superlativen greifen zu lassen. Konzert des Jahres, sagt zum Beispiel der Chefredakteur der Visions. Und einem Mann, der für solch ein renommiertes Fachmagazin arbeitet, mag man da ungern widersprechen.
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