Groß und -artig

Hurricane Festival live

15.06.2005, 14:15, Text: Till Stoppenhagen, Till Stoppenhagen

10.06.05 bis 12.06.05, Scheeßel, Festivalgelände

Das Hurricane setzt seit seinem Beginn vor acht Jahren jedes Jahr neue Maßstäbe, was das Line-Up angeht und serviert seine ausgewogene Stilmischung in einer angenehmen Location reibungslos organisiert. Dass man hier einen Drei-Sterne-All-Inclusive-Urlaub ebenso wenig erwarten kann wie auf jedem anderen Festival, versteht sich von selbst und genau das will man ja auch gar nicht. Anreise-Staus und ein bisschen Schlangestehen, das gehört nun mal zum Gesamtkunstwerk Dass es dieses Jahr das Anderthalbfache – sprich: 60.000 – der letztjährigen Zuschauerzahl zu verwalten gab, wurde im Rahmen dessen aber gut weggesteckt.

Und was auf den beiden Bühnen geboten wurde, entschädigte ohnehin für alles: Mit Queens Of The Stone Age, New Order, Audioslave und Nine Inch Nails hatten die Veranstalter verlässliche Festivalroutiniers im Programm, die mit rundum gelungenen Gigs überzeugten. Oasis dagegen boten dank Liam Gallaghers Gesang einen eher durchwachsenen Auftritt. Ein Altersgefälle gab es Samstagnacht zu beobachten: Während sich die jüngeren Besucher nach dem großartigen Auftritt von System Of A Down verausgabt hatten und danach den Weg ins Zelt antraten, schleppte sich die Senioren-Crowd mit feuchten Augen vor die Blue Stage, um bei der Indie-Legende Dinosaur Jr. den Abend besinnlich ausklingen zu lassen. Einer der Höhepunkte war der opulente Lärmexzess von Trail Of Dead. Mit zwei perfekt zusammenspielenden Schlagzeugern setzten die Texaner ihr neues Album kongenial breitspurig live um. An Coolness wurden Trail Of Dead höchstens von den zwar wesentlich dezenteren, aber ebenso intensiven Madrugada erreicht – und einzig von den Eagles Of Death Metal getoppt. Mit seiner lässigen Provinz-Aufreißer-Nummer ließ Eagles-Frontmann Jesse 'The Devil' Hughes die Menge schon vor dem ersten Akkord heiß laufen und trieb sie mit seinem locker-trocken runtergerockten Minimal-Desert-Sound völlig in die Ekstase. Erinnerungen, die man gerne teilt – auch im nächsten Jahr.



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