
Rudelknuddeln in der Bundesstadt
Berend und Clayton Farlow live
07.06.2005, 16:02, Text:
Klaas Tigchelaar,
Klaas Tigchelaar
[6 Kommentare]
04.05.05, Bonn, Bla.
Manchmal verirren sich tatsächlich Bands auf Tour in die beschauliche Bundesstadt, meistens sind es Punk- und Hardcorekapellen, von denen nur die verschmitzten Booker je vorher gehört haben. Manchmal passiert es aber auch, das alles zusammenkommt, alte Helden aus besseren Hauptstadtzeiten ein Stelldichein geben und ein paar gute Freunde mitbringen, so dass alle in Bonn sich gut fühlen und einen prima Abend verleben.
Das Drumherum an diesem Abend ist schon grundweg sympathisch: Ein Plakat verkündet den Auftritt von Berend, mit dem Edding-Zusatz \\"Ex-Paula\\", was dann konsequenterweise um Clayton Farlow \\"Ex-Popnauts\\" im Bla \\"Ex-Bla Bla\\" erweitert wurde.
Zufällig auf Tour mit Berend haben sie die neue Band des umtriebigen Berend Intelmann gleich mitgebracht und dürfen heute ihren Heimspiel-Trumpf ausspielen. Berend machen also Vorband und das fängt so unprätentiös an, dass wir auf der improvisierten Terrasse zunächst glauben, es wird noch Musik vom Band gespielt. Schnell rein in den Laden und durch die geschätzten 70 Zuschauer nach vorne gedrängelt, weil man will ja alles mitkriegen. So angenehm leise hat lange keine Band mehr im Bla gespielt, zuletzt vielleicht Karate - und das war großartig.
So können auch Berend ihren kompakten Gitarrenpop voll nach vorne bringen, denn an Intensität und Schmiss fehlt es trotz der gemäßigten Lautstärke keineswegs. Der Gesang kommt super, melancholisch und ein wenig muffelig vorgetragen, fühlt man sich etwas an eine Erdmöbel-Darbietung erinnert, obgleich deren morbide Grundstimmung hier einfach weggerockt wird. Gitarrist Carsten Diekmann schmeißt sich abwechselnd in ein sparsames doch wildes Solo, oder an das Mikrofon, um eine zweite Stimme anzureichern und grinst dabei wie ein Honigkuchenpferd. Das Publikum grinst auch und scheint sich unausgesprochen darüber einig zu sein, dass Berend großartigen Indie-Gitarrensound darbieten, auf das wesentliche reduziert und mit Melodie und Charme dargebracht. Das hat nicht nur Bonn lange vermisst. Sänger Intelmann, ehemals die eine Hälfte des Duos Paula, scharrt mit dauergrinsendem Gitarristen Diekmann, sowie Bassist Christoph Schneider (Klee, Ex-Soccer) und Drummer Daniel Klingen (Klee und Subterfuge) die reine Spielfreunde um sich und alles ist gut.
Einige Zuschauer entledigen sich der lästigen Pullover und Jacken, denn langsam wird es warm und man überlegt bei Hymnen wie \\"Unser erster gemeinsamer Feind\\" oder \\"Mein Einsatz\\" vielleicht doch heimlich mit zu singen. Dann ist die erste Halbzeit auch schon um, die Vorband bedankt sich artig und spielt dann doch noch eine Zugabe - heute ist eben alles anders.
Clayton Farlow, die Vor-Hauptband, startet mit einer Up-Tempo-Nummer, die gleich zeigt, dass an die Intensität der Berend-Darbietung angeknüpft werden soll und die entspannte Getragenheit ihrer letzten und bisher einzigen EP Sunshine Loaded Head nur gelegentlich zum Einsatz kommen wird. Wer es nicht schon wusste, stellt fest, dass Bassist Schneider heute Doppelschicht fährt. Ob nun Klee, Berend oder Clayton Farlow seine Lieblingsband ist, sollte man besser nicht fragen. Die reduzierte Besetzung macht Sänger/Gitarrist Patrick Schäfer mit sympathischer Mundakrobatik wett, so dass gelegentlich nicht vorhandene Trompeten und Synthesizer aus seinem Mundwinkel erklingen. Der Gesang fährt Achterbahn und man ist sofort an Pavement erinnert. Dass Schäfer aber auch anders kann zeigt er im mittleren Teil des Sets, wo er erstaunlich herzerweichende Liebeslieder schmettert. Auch hier riesige Spielfreude und große Dankbarkeit gegenüber den heimischen Fans - da hätte man auch mal früher drauf kommen können. Am Schluss spielt Schäfer noch ein kurzes musikalisches Kleinod, nur er und seine Gretsch-Gitarre. Ein Song, der auf einem ominösen 7\\"-Sampler enthalten ist, jede Nummer eine Minute, der alte Mixtape-Cliffhanger für das Ende der Kassette. Der Titel entgeht mir leider - Preisfrage an die Community - denn auch ein rasender Reporter muss mal Pipi machen gehen.
Da die Claytons ihr gesamtes Oeuvre geschmettert haben, bleibt als Zugabe nur die Option, eine Nummer noch mal zu spielen, was vom Publikum mit einem lakonischen, doch augenzwinkernden \\"Tolle Idee\\" quittiert wird. Dafür steigt der Berend-Trommler hinters Drumkit und spielt routiniert eine Runde mit. Anschließend fallen sich alle begeistert in die Arme und der ganze Haufen knuddelt sich für den Rest des Abends in sentimentaler Glückseligkeit. So ist das, wenn bei uns mal was los ist. Bis zum nächsten Mal erwarten wir voller Vorfreude die erste Clayton Farlow-LP, die noch dieses Jahr bei Parapop Records erscheinen soll.
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Tom_Sonic 07.06.2005 | 19:01:33
der song, den patrick nur mit seiner gretsch gespielt hat, heisst: "crossroad" - der song vom sampler heisst: "dancing with you" und eben diese comlilation gibt es beim label "local standard time" und nennt sich, glaube ich, "minutesongs" (http://www.localstandardtime.com) - und das album wird nicht nur auf vinyl bei parapop, sondern auch auf cd bei sitzer records erscheinen. nennt mich jetzt nicht streber, sondern FAN!
buenaventura 07.06.2005 | 19:36:45
hashomer
is wahr? die jibbet noch? und was sehe ich - konzert in k hab ich gerade verpasst. naja. geht die welt nicht von unter.
Klaas Tigchelaar 07.06.2005 | 21:15:14
...Läuft doch Prima, diese Zusammenarbeit. Danke, Tom_Sonic!
schätzchenliebes 08.06.2005 | 09:37:51
ein feuerwerk waren berend jedenfalls nicht, als ich sie in berlin gesehen habe.
deutsches gitarrengeplimpel ohne neuer ideen und einfallslosen texten einfach platt runtergeträllert, nix besonderes halt.
hat mich jedenfalls nicht überzeugt.
nennt mich jetzt nicht nörgeltante sondern
"Kein Fan"
Tom_Sonic 08.06.2005 | 14:41:34
wird hoffentlich zum album fortgesetzt, klaas!
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