
Oden an die Freunde
Ben Folds und Clem Snide live
06.06.2005, 16:00, Text:
Vanessa Romotzky & Peter Flore,
Vanessa Romotzky & Peter Flore
[8 Kommentare]
05.06.05, Köln, Live Music Hall
Wo gibts denn so was noch, hätte ich das wissen müssen? Konzerte, die pünktlich beginnen? Lange Rede: Um 20 nach 8 komme ich an der Live Music Hall an und da wird mir am Eingang auf meine relativ rhetorische Frage, ob die Vorband schon spiele, ungewohnt klar geantwortet: \\\\\"Wieviel Uhr ist es? Allerdings spielt die schon... und auch nicht mehr allzu lange.\\\\\"
Das Konzert ist ausverkauft und auch zu diesem Zeitpunkt schon flächendeckend gefüllt. Ich muss also das beste aus der Sache machen. Eef Barzelay, Frontmann der NY-Band Clem Snide bestreitet allein mit Gitarre das Vorprogramm von Ben Folds. Clem Snide ist eine großartige Band und Eef ein großartiges Mastermind.
Von da hinten, wo ich stehe ( jaja, selber schuld, hätt' ich mal...) sieht er ein wenig wie eine frische Version Elvis Costellos aus, trägt einen weißen Anzug und rotes Cap. Welch Diamanten! Diese Stücke, diese Texte. Eine spröde, tiefe Hochzeit von Bissigkeit und warmen Herz.
Für das neue, 4. Album wandte man sich ab von NY und nahm u.a. in Nashville auf. Lambchops Paul Burch macht auch mit. Es besitzt Folk-, Country-, Jazz- und Pop-Anleihen. Die Songs sind nicht immer schmeichelnd, manchmal trocken und reduziert, aber stets brillant. Nachdem Eef Barzelay eine Version von Christina Aguileras 'Beautiful' vollführt und Ben Folds mit den Worten \\\\\"Ben Folds is a tender lover. He knows all the right spots\\\\\" angekündigt hat, bleibt mir nur zu hoffen, dass Clem Snide bald wieder in meiner Nähe auftauchen.
Pünktlich gegen 21 Uhr dann kündet Beethovens 'Ode an die Freude' aus dem Casio-Keyboard den an, wegen dem sie alle gekommen sind. Aus allen Ecken Deutschlands und dem benachbarten Ausland. Die Mitglieder des Fanclubs Ben Folds Society mussten erst eine Online-Petition aufsetzen, um mal wieder in den Genuss eines deutschen Gastspiels zu kommen. Und dann auch noch eine Konzertabsage im November letzten Jahres hinnehmen, weshalb das Konzert nun eben in den Juni verlegt wurde. Sei's drum, das Warten hat ein Ende.
Ben Folds betritt die Bühne, um sich selbige nicht nur wie angekündigt mit seinem Piano sondern dann eben doch auch mit Backing-Band zu teilen: \\\\\"Guten Tag, motherfuckers!\\\\\"
Und weil die deutschen Fans so lange hatten warten müssen, folgt ein knapp 2½-stündiges Best-Of, vom seligen Ben Folds Five-Debüt 'The Unauthorised Biography of Reinhold Messner' bis zum neuen Album 'Songs for Silverman'. Die erste Ansage steckt dann auch gleich die Marschroute des Abends: \\\\\"Mein Fingernagel ist ficked\\\\\". Aha, der Meister hat also Deutsch gelernt und lässt sich auch von zwei weiteren eingerissenen Fingernägeln nicht davon abhalten, hier ein Fest zu feiern. Mit allerlei illustren Gästen: Sara ohne \\\\\"h\\\\\" und Zak ohne \\\\\"c\\\\\", Dr. Dre (beim Gangsta-Rap-Versuch 'Bitches ain't shit') und all die Paare, die sich bei Ben Folds stets finden und verlieren: 'Gone', 'Annie waits', 'Brick', 'Still fighting it'.
Zwischen den Geschichten im Song immer wieder Bens Geschichten und Songs auf Zuruf, mal mit Band, mal verlässt diese auch die Bühne für die Privatfeier des Herrn am Piano. 'Army' natürlich der vorhersehbare Höhepunkt, Stadionrock. Die Trompeten und Saxofone besorgt das Publikum. Und ganz zum Schluss ist Ben Folds nur noch Dirigent: 'Gracie' endet im Sing-Along, dass kein Ende nehmen will.
Leider fehlen auf der nach oben offenen Setlist 'Fred Jones Pt. 2' und das famose The Darkness-Cover 'Get your hands off my woman'. Hätte es irgendwer gefordert, er hätte es gespielt. Das letzte Stück des Abends dann Lüge und Understatement in einem: 'One angry dwarf and 200 solemn faces'.
Es waren 1500 und wütend schien Ben Folds darüber nicht zu sein…
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fame throwa 06.06.2005 | 17:50:52
na na. die "unauthorized biography"
war aber nicht das debüt. wohl eher
das gegenteil. scheint aber dennoch
gut gewesen zu sein, da.
the box officer 06.06.2005 | 18:41:49
In der Tat, es war sehr gut da. Zum einen sind die Songs einfach grandios, zum anderen packt auch Herr Folds gerne mal die Rampensau aus, in Form von selber Bass spielen, auf dem Flügel stehend dirigieren und den Schlussakkord mit dem eingeworfenen Klavierhocker intonieren.
otic 06.06.2005 | 20:46:53
You can call me John!
Ja, toll war's!
Und das Publikum wurde natürlich durch "Not the same" dirigiert...
Spong 07.06.2005 | 10:01:16
Debütalbum, na klar, KEULE. Bist du einer von denen die in erster Linie wegen Clem Snyde da waren? Der Konzertbericht hat seine Momente, aber ARMY alleine am Klavier als Stadionrock zu bezeichnen - wie daneben kann man denn bitteschön liegen? Wolltest du das Wort gerne benutzen?
eddiewalker 07.06.2005 | 11:29:59
Hach, ein großartiges Konzert war's. Auch wenn das in Berlin noch einen Tacken besser war.
Neben den bereits aufgeführten inhaltlichen Fehlern im Konzertbericht (die in ihrer Anzahl und Tragik fast an Spiegel Online erinnern, da recherchiert man ja auch nicht mehr *vor* dem Upload), sei noch darauf verwiesen, dass es in "Still fighting it" um Bens Beziehung zu seinem Sohn geht und mitnichten um ein Paar oder sowas.
Richtig peinlich ist aber vor allem, "...Reinhold Messner" als Debüt zu bezeichnen.
Spong 07.06.2005 | 13:39:07
... abgesehen davon, dass die Hälfte des Konzertberichtes über Clem Snide geht und was für eine coole Sau er ist, während bei Ben Folds kein Wort darüber fällt, ob der Typ, oder das Konzert gut war ...
DAS hier habe ich grade erst gesehen:
"'Gracie' endet im Sing-Along, dass kein Ende nehmen will."
Über so eine Ignoranz kann man sich wirklich nur sehr ärgern. Habt ihr GRACIE mal gehört? Ist das ein Stück das sich für Chöre eignet?
Ihr habt da einfach einen ziemlich schlechten Job gemacht, Vanessa und Peter.
Dampf, brödel, koch, zeter, schimpf.
Peter Flore 07.06.2005 | 14:21:50
Köstlich
Oh wei, da habe ich wohl einige Ben Folds-Fans (zu denen ich mich durchaus auch selbst zähle!) verärgert. In der Tat sind "Reinhold Messner" und "Gracie" bedauerliche Faux-Pas. Dass Messner nicht das Debüt-Album ist, ist mir durchaus bewusst und wohl in der Hitze des Gefechts passiert.
Nur warum ist Stadionrock gleich schlecht!?
Nichts für Ungut!
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