Nur die Musik

Coldplay live

10.04.2005, 10:17, Text: Markus Meske, Markus Meske
[5 Kommentare]

\"Secret Gigs\" sind eine schöne Sache. Zumindest für die Glücklichen, die entweder beste Kontakte oder das richtige Näschen hatten, um rechtzeitig an Tickets zu kommen. Wer es hinein geschafft hat, freut sich dementsprechend diebisch, die mittlerweile so viel erfolgreichere Band noch einmal im intimen Rahmen erleben zu können. So geschehen auch beim Coldplay \"Secret Gig\" im Kölner Gloria. Nur einen Tag nach einer ähnlichen Show in Amsterdam beglückte die Band auch rund 750 von ihren deutschen Fans mit einer nur wenige Tage vorher bekannt gegebenen Live Show.

Um 21 Uhr betraten Coldplay unter tosendem Applaus die Bühne.

Als sie gut 75 Minuten später wieder gingen, hatten die Fans einen beeindruckend intensiven Konzertabend erlebt. Neben insgesamt neun Songs vom Anfang Juni erscheinenden Album 'X & Y' gab es ein Rundum-glücklich-Paket mit Hits wie 'Yellow' und 'In My Place'. Dabei fügten sich die neuen Nummern reibungslos in die Setlist ein und wurden auch direkt eifrig beklatscht.

Es gibt nicht viele Bands, die in der Lage sind, auf der Bühne eine solche Wärme und Intensität zu erzielen wie diese vier Freunde aus London. Dabei sehen Coldplay auch 2005 noch aus wie die netten, schüchternen Jungs von nebenan. Daran können offensichtlich auch 17 Mio. verkaufte Platten nach gerade mal 2 Studioalben nichts ändern. Selbst der erhöhte Celebrity-Faktor vom Gwyneth-Paltrow-Gatten Chris Martin war auf der Bühne nicht existent. Der Sänger ist immer noch kein Frontmann im Rock'n'Roll-Sinne. Den fehlenden Geltungsdrang ersetzt er mit Höflichkeit. Er entschuldigte sich sogar dafür, dass er die Ansagen nur auf Englisch machen könne. Allzu viel sagte Chris Martin während der Show aber eh nicht. Stattdessen tanzte er gewohnt eigenwillig, bearbeitete sein Klavier mit beachtlichem Ganz-Körper-Einsatz und schien beinahe in der Musik zu verschwinden. Die restliche Band hielt sich gänzlich im Hintergrund. Als Eindruck blieb: Nicht der Einzelne ist wichtig, noch nicht einmal das Kollektiv zählt. Die Musik allein ist es, die bei Coldplay im Mittelpunkt steht. Selbst die Lightshow schien nie die Band in Szene setzen zu wollen, sondern einzig und allein die Songs.

Irgendwo in dieser Verweigerungshaltung um der Sache willen mag das Geheimnis von Coldplays besonderer Klasse liegen. Es bleibt schwer in Worte zu fassen, aber bei diesem besonderen Konzert im intimen Rahmen war es zu spüren. Zumindest für diejenigen, die beste Kontakte oder das richtige Näschen hatten, um an Karten zu kommen.



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  • User: Carsten Schumacher
  • Carsten Schumacher 11.04.2005 | 13:21:13

    Chris Martins Einsatz am Klavier äußerte sich von meinem Winkel aus, als würde er abwechselnd das Manual mit der Nase bedienen oder mit rhythmischen Bewegungen aus der Beckengegend bespaßen. Anyway, hier noch eine geklaute Setlist des Abends:
    • ’Square One‘
    • ’Politik’
    • ’Speed Of Sound’
    • ’God Put A Smile Upon Your Face’
    • ’Warning Sign’
    • ’Talk’
    • ’X&Y’
    • ’Yellow’
    • ’Low’
    • ’The Scientist’
    • ’Til Kingdom Come’
    • ’Clocks’
    • ’What If’
    • ’In My Place’
    • ’A Message’
    • ’Fix You’

  • girlinaflowerdress 11.04.2005 | 13:45:54

    och, schöööööön!! ich wünschte, ich hätte auch das richtige näschen gehabt... bei coldplay ist immer alles einfach nur schön.

  • faster23 11.04.2005 | 13:49:05

    Verweigerungshaltung? Schon mal den MTV Trailer zu den ´Geheim´ Gigs gesehen? Alter, steck den Finger rein!

  • outroid 11.04.2005 | 15:23:13
    this place is full of spies!
    52 Euro für eine Konzertkarte auf der Welttournee?
    Das ist echt nicht so RocknRoll.

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