
Fünf Reihen Glück
Rogue Wave live
08.03.2005, 18:12, Text:
Vanessa Romotzky,
Vanessa Romotzky
07.03.05, Köln, Underground
Wenn man das Album kannte, konnte man es sich denken. Und vorstellen sowieso. Dass Rogue Wave erste zarte, anschmelzende Frühjahrsvorboten in das dunkle (mittlerweile ausgebaute) Underground tragen würden und das gefühlt vielleicht sogar zum ersten Mal überhaupt in diesem Jahr. Die noch frische, da 2002 gegründete Band aus Californien, zwar ganz und gar nicht Vertreter eines ungebrochen sonnigen Gemüts, vermögen es trotzdem, Assoziation an ihren Herkunftsstaat zu erwecken. Ich denke an die vor einigen Jahren laufende prägnante Werbung für californische Rosinen, unterlegt mit Eric Burdons 'San Franciscan Nights'.
Das Underground ist wie zu erwarten nicht übermäßig gefüllt. Die etwa fünf Reihen allerdings, die im Laufe des Abends um eintrudelndes Partyvolk erweitert werden, sind mehr als bereit, ihrer Verzückung Ausdruck zu verleihen: wir klatschen, schnalzen, gurren und rufen dazu. Und Rogue Wave spielen. Anfangs wirken sie noch ein wenig irritiert, vielleicht angesichts der wenigen Leute oder doch auch verwirrt vom Mix aus Billardtischen und Folterkammer-Schick im Barraum nebenan? Doch zusehend spielen sie sich selbst und das Publikum glücklich. Ihre Musik euphorisiert mit brillanten Melodien, in Reduzierung wie Ausufern (kalifornisches Flair versprühen auch die beachmäßigen, mehrstimmigen Harmoniegesänge). Der Schlagzeuger kümmert sich nebenbei um Sampling und Effekte, vor jedem Mitglied steht zu Recht ein Mikrophon und die Instrumente werden reihum getauscht. Anstelle von Bassistin Sonya Westcoast ist hier ein männlicher Vertreter dabei, dem verdienten Intro-Mitarbeiter Hendryk Martin optisch nicht unähnlich.
Die Songs sind gemessen an ihrem Euphorisierungswert (in deren Wirkung man sie beinahe als Indie-Folk-Version von Weezer bezeichnen möchte) intelligente, perlende, unaufdringliche Hits, keine Frage: 'Every Moment', 'Kicking The Heart Out', 'Perfect'. Vorstellungen werden plastisch und die Rechnung geht auf. Es macht Sinn, dass die Verzauberung genau von diesen Leuten und ihrer Musik ausgeht. Die 4 Jungs, optisch heterogen und wenig style-ergeben, versprühen eine Art sensiblen Arbeiter-Charme. Wie befreundet sein mit einem echten Freund. Oh ja. Eine Mischung aus Ninetofive-Leben und genau dessen Aufgabe. Zum Glück reizen Rogue Wave auch die Underground-Party-Start-Begrenzung aus und geben Zugaben. Ihre Version des Nirvana-Songs 'On A PLain' erklingt so roguewavig, dass man es tatsächlich nur noch am Text erkennt. \\\"I'm on a plain / I can'tcomplain.\\\" Ich kann mich sowieso nicht beschweren. Diese gefühlten 25 Grad mit lauem Wind gab es lange nicht.
Übrigens sind die ehemals hinfälligsten, weil festivalähnlichsten, Toiletten Kölns keine Ausrede mehr, im Underground stattfindende fantastische Konzerte wie dieses nicht zu besuchen. Die Klos wurden komplett saniert. Ja, hätte man das vorher gewußt.Artikel kommentieren
Mehr Infos
Kommentare
Artikel kommentieren - Mehr Forumsdiskussionen
Social Network Login

Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
NEUE TOURNEEN
- alles Neue

