Zwischen den Orten

So war das Melt Intim

26.01.2005, 15:36, Text: Thomas Venker, Thomas Venker

21.01.05, Berlin, Annabar, Haus 13 und Pfefferbank

Berliner können die wehklagenden Sprüche ja nicht mehr hören - und dennoch stöhnen wir Event-Zugereiste ihnen permanent ins Ohr, dass die Stadt doch willenlos zu groß geraten ist, die Distanzen zwischen den erlebten Momenten des Großstädtisch-Kulturellen kolossal nerven. Das geht einfach nicht anders angesichts all der verschwendeten Zeit und Energie, die durch all die Locationwechsel (und wie soll man sich allein ob des reizvollen Programms diesen verwehren) anfällt. Dabei will man doch alles, was man zu geben hat, nur in das zielgerichtete Verschwenden der eigenen Jungend vor Ort (und nicht dazwischen) investieren.

Lange Einleitung, sinnvolle Ableitung: Intro Intim, diesmal unter dem Qualitätssiegel Melt Intim positioniert, konnte da helfen. Drei Floors, jede Menge spannende Acts (und somit selbst für erfahrene Berliner mit kurzer Aufmerksamkeitsbereitschaft genug Action um dran- und dazubleiben) und dennoch alles unter einem Dach (oder fast - allein zum Clubfloor in der Pfefferbank musste man gefühlte hundert Meter laufen).

Zusammengehalten wurde das ganze Treiben (und getrieben werden) von der Annabar, in der zuerst Jens-Friebe-Schlagzeuger Oli die Indieplatten auflegte (mit vollem Einsatz war er direkt von der Bühne des SO 36 herüber gerast, wo er zuvor mit seinem Arbeitgeber als Support der Sterne vor ausverkauftem Haus aufspielte), bevor danach die beiden Tocotronic-Wonderboys Jan und Rick mit ihrem unkonventionellen Set aus Punk-, Rock- und Dance-Moshern alles gaben und die Leute lange und innig an sich banden - und das obwohl sie am nächsten morgen sehr früh nach Wien fliegen mussten, wo ein \\\\\\\"Open Air\\\\\\\"-Konzert (auf so eine Idee können auch nur Members of the Skifahrernation kommen) auf sie wartete.

Im Haus 13 gab es derweil reguläre Konzerte. Warum auch nicht. Ein bisschen Konservatismus schadet ja nicht. Klee zeigten einmal mehr, warum sie derzeit zu Recht (und viel zu spät) aus dem Schatten der 2Raumwohnung hervortreten: schmissig, poppig, anregend - und trotzdem mit viel Tiefgang; Saalschutz waren auch da (entgingen aber aufgrund des hohen Tratschfaktors der Annabar dem Rezensenten); und Kissogramm performten einmal mehr unter der Aufsicht ihrer Labelmacher von Louisville in der Heimatstadt das Material ihres tollen Albums \\\\\\\"The Secret Life of Captain Fer\\\\\\\".

Gegen später zog es jeden nur noch runter, in die Pfefferbank, wo vor allem der Auftritt des englischen Crime (oder wie der Sound heute heißt)-Monsters M.I.A. gespannt erwartet wurde. Und sie erfüllte, am Mic unterstützt von einer Freundin, all die Vorab-Props. Definitiv heiß. Das Album kommt im April, und danach wird es kein Halten mehr geben. Der Lado-Act Sid Le Rock läutete danach die Techno(Rock)-Nacht gebührend ein. Im Stakkato seiner Riff-Beats ging es zur Technoglückseeligkeit. Danach war für uns Kölner Feierabend - schließlich steckten uns die Produktionsnächte der Februarausgabe von Intro in den Knochen. Die Berliner allerdings machten, was sie am besten können: Sie zogen weiter. Die Polonaise ging mal wieder bis Montag. Hat man uns gestern erzählt.



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