Einmal ohne Akkordeon, bitte

Superpunk & Radiation Kings live

20.01.2005, 14:55, Text: Thomas Markus, Thomas Markus

18.01.05, Köln, Gebäude 9

Erich spielt Akkordeon. Nur Akkordeon. Man fühlt sich irgendwie an das International-Pony-Konzert im Hamburger Schauspielhaus erinnert, als sich Koze und Co. eine polnische Polka-Combo als Support einluden. Nur kommt Erich ganz ohne Rhythmussektion aus und gibt sein Repertoire mit stoischer Ruhe zum Besten. Nichts gegen Akkordeon-Klänge in Maßen, aber der Stil-Clash wird auch nach den ersten drei Stücken deutlich. Aber Erich singt immer weiter über Sonnenaufgänge im Osten, Schafe und so.

Ähnlich Solides bieten die Solinger Radiation Kings! Bluesigen Gitarrenrock mit Schema-F-Songformaten, ohne große Schnörkeleien und leider auch ohne Wiedererkennungswert.
Zum Ende des Sets wird’s dann mehr Garagenrock als Blues, doch der dabei eingesetzte Strobo-Blitzer wirkt etwas deplaziert. Exaltiertes Tanzen war bei dem Vierer nicht gerade angesagt.

Obwohl das auch bei Superpunk anfänglich vermisst wird. Schade, soll doch an diesem Abend Material für eine DVD gesammelt werden. Auch die Aufforderung von Carsten Friedrichs, bitte weiter nach vorn zu kommen (was er sofort und zurecht als eine der abgedroschensten Floskeln bei Rock-Konzerten nivelliert) und die Hupfdolen-Einlagen von Orgelant und Hamburger-Schule-Taussendsassa Thies Mynther helfen da zunächst nichts. Aber aktuelle Songs von 'Einmal Superpunk, bitte' wie 'Ich Mag Den Mann Nicht, Der Ich Bin', 'Ein Bisschen Seele' und 'Ich Weigere mich, aufzugeben' zusammen mit 'Wasser-Marsch'-Klassiker wie 'Man Kann Einen Ehrlichen Mann Nicht Auf Seine Knie Zwingen', 'Auf Eine Wort Herr Fabrikant' und 'Ich Bin Kein Ignorant', Ich Bin Kein Idiot' können dann doch gar nicht anders, als Bewegung ins Gemüt bringen (auch wenn das Kölner Publikum deutlich macht, dass noch kaum wer das neue Album gekauft hat). Wie Superpunk das anstellen? Mit Soul, schaufelweise Punk’n’Beat, Selbstironie (das Maxine Nightingale-Cover 'Right Back Where We Started From' aus den 70ern wurde kurzerhand zweimal hintereinander gespielt) und Texten, die wirken, als wären da biographische Schnipsel eines Jeden in Wort und Musik gepresst. Oder wer wollte nicht schon einmal neue Zähne für seinen Bruder und sich? Im Gebäude wollten das viele, dass hat man letztendlich gemerkt. Ich für meinen Teil hätte gerne nochmal das gleiche mit etwas weniger Akkordeon vorweg, bitte. Vielleicht sogar heute in Oberhausen?



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