Intro Intim Full House Edition

Broken Social Scene, Apostle of Hustle, Wedding Present, Bloc Party live

09.12.2004, 17:53, Text: Thomas Markus, Thomas Markus

08.12.04, Köln, Gebäude 9

\\\\"Die waren echt super\\\\" - \\\\"Viel besser als im Vorprogramm von Interpol\\\\". So die ersten Kommentare beim letztendlichen Erreichen des Konzertraumes um 21.36 Uhr MEZ. Ja toll, und wo war ich? Zuerst im Nahverkehr und dann im dichten Gedränge des vor Menschen berstenden Gebäude 9 - wummst doch schon seit geraumer Zeit der Wichita-Act mit dem grandiosen 'Banquet' (vor allem im Phones Disco Edit) durch meine (Boxen-) Membranen. Aber ich bin mir sicher dass man die Engländer nicht das letzte Mal hier gesehen hat, wahrscheinlich auch nicht das letzte Mal vor ausverkauftem Haus.

Up-Tempo-Beats, schrullig-trashige Gitarren und Robert-Smith'iger-Gesang haben Hochkonjunktur und Bloc Party machen auf diesem Feld eine verdammt gute Figur. Das Gebäude lag ihnen deshalb auch zu Füßen, wie man hört - im großen Stil sogar.

Wedding Present aus Leeds sind Indie-Veteranen der sog. ‚Class Of 86'zu der sich auch Bands wie My Bloddy Valentine und Primal Scream zählen. \\\\"Gitarrengeilheit\\\\" wurde ihnen attestiert, und die paart David Gedge in einem Akustik-Set mit den herzzerreißenden Lyrics dann auch zu großen Schrammelpop-Hymnen. Worte von Schmerz und Leid, von vergangener und wieder neu entdeckter Liebe und viel Nostalgie füllen den Raum. Vorgetragen in der einfachsten und wirkungsvollsten Art und Weise - nur unterstützt von der Gitarre. Krasses Gegenprogramm zu den aufgeregten Bloc Party und doch scheint das Publikum den Umschwung ohne Begeisterungseinbussen mit zu turnen. Ganz Entertainer scherzt Gedge über seine Deutschkenntnisse und das rauchende Publikum und umspielt damit gekonnt das Abdriften in die oft nervenden totalen Betroffenheits-Schwulst, der bei manchen Herz-Schmerz-Bands zur Schau gestellt wird. Man merkt, er macht das halt nicht erst seit gestern. Am Valentinstag 2005 kommt das nächste Wedding Present-Album, neuen Jahre nach dem letzten. Hoffen wir das die Tourplanungen etwas zügiger vorangehen, dass will man doch gerne noch einmal üppiger instrumentiert sehen.

Und Bühne frei für Band drei und vier des Abends. Da Mitglieder von Apostle Of Hustle auch Mitglieder von Broken Social Scene sind und umgekehrt, und sich in der großen Arts&Crafts-Familie eh alle aushelfen und hippiesques Community-Denken an den Tag legen wird kurzer Hand der Gig von AOH mit dem von BSS verquickt. Hat zur Folge das die Anzahl der auf der Bühne agierenden Personen am Ende des Gigs fast Orchester-Ausmaßen annimmt. Doch der Reihe nach: Andrew Whitemann heißt das Hauptbindeglied zwischen den Formationen und Mr. Whitemann beginnt den Indie-Pop-Marathon mit jamartigen, ruhig -elegischen Popnummern die sich wachsender Zahl der Mitwirkenden und wachsender Instrumentierung zu BSS Tunes ummodeln. 'Time=Cause' ist dann nach einem Wust aus schwelgerischen Sounds und tragisch-schönen Melodiebögen die erste Nummer, die das Temo etwas anzieht. BSS zeigen sich so von greifbarsten aber auch beeindruckendsten Seite. Kompakte, auf prägnante Themen reduzierte Songs mit großen einer dicken Schippe Non-Chalant-Esprit und Melodien, gegen die Widerstand zwecklos ist. 'Stars&Sons' und 'Lover' s Spit' schlagen in die gleiche Kerbe und nachdem sich das Kollektiv in Fahrt gegroovt hat, ist eine Ende der Spielfreude nicht in Sicht. Die Ankündigung, dass man erst Ruhe gibt, wenn die Anwesenden nicht mehr will wird in die Tat umgesetzt - bremsen kann man die Kanadier eh nicht mehr. Imponierend, wie tight sich die Neunköpfige Band aufeinander eingespielt hat, noch dazu mit Songs die vor Jam-Parts nur so strotzen. Und so schön schwirren einem die BSS-Stücke noch auf der Heimfahrt zuckerwattig durchs Gemüt. Ganz beseelt ist man. Oder ist das doch der Advent? Ich glaub's ehrlich gesagt nicht.



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