Federboas zu Taufsteinen

The Hidden Cameras live

30.11.2004, 14:50, Text: Christian Steinbrink, Christian Steinbrink
[5 Kommentare]

25.11.04, Köln, Gebäude 9

Es ist noch gar nicht lange her, da schrieb Jan Kedves in der Intro folgendes über das letzte Album der Hidden Cameras: \"Auf 'Mississauga Goddam' gibt es nun abermals die sich in endlosen Wiederholungen ergehenden, strukturell fast schon an Pornofilme erinnernden Kirchenlieder, deren Aufgabe es ist, schwulen Sex wieder dorthin zurück zu bringen, wo er mal herkam: in den Dreck.\" Gemeinsam mit ein paar anderen wurde ich von diesen Worten dazu angeregt, das Kölner Gebäude 9 an diesem Abend etwa zur Hälfte zu bevölkern. Alle waren darauf gespannt, wie die Band solche Kirchenlieder wohl live darstellt. Überhaupt bietet diese Band ja für Leute, die sich nicht ausschließlich an folkpoppigem Wohlklang ergötzen wollen, einiges mehr: Nämlich dieses Phänomen, offen homosexuelle Themen schroff aus dem musikalischen Kontext zu reißen, der ansonsten damit assoziiert wird.

Mir fällt jedenfalls keine Band ein, die im Rahmen dieser Stilart so explizit schwule Liebe besingt.

Die Bühne des Gebäude 9 bot zunächst nichts, worauf man bei seiner Suche nach diese Inhalte verstärkenden Nebenaspekten der Musik hätte hinweisen müssen. Die Hidden Cameras versammelten sich dort zu siebt, unter einem mit kryptischen Symbolen verzierten Wappenschild. Während ihres Gigs verkörperten sie eher die unerträglich positivistische Lebenslust von in Kirchen auftretenden Popbands, als dass sie mehr oder weniger hintergründig die Inhalte ihrer Texte verdeutlicht hätten. Hinter dem Sänger Joel Gibb gab sich seine kunterbunt gekleidete Kapelle mit purer Spielfreude ihren vielen Instrumenten hin. Voller Enthusiasmus wurde das Tamburin geschlagen, und sogar der Cellist versuchte immer wieder, wenigstens für ein paar Sekunden von seinem Stuhl aufzustehen, um im Kollektiv mitwippen zu können. Es regierte die Freude am gemeinsamen Musizieren, so sehr, dass man meinte, diesen unbändigen Enthusiasmus greifen zu können.

Die Stilistik der Songs ist dabei alles andere als eindeutig nachvollziehbar. Vielmehr hat man den Eindruck, dass hier eine Band Songs schreibt, um ihren großen Helden R.E.M., den Smiths oder sogar den Levellers nah zu sein. Aber das ist in diesem Kontext irgendwie egal. Es geht bei der Musik der Hidden Cameras auf eine ganz liebenswürdige Art und Weise nicht um Innovationen, sondern um den Ausdruck eines Lebensgefühls, so plump das auch klingt. Das Publikum fand's gut und fühlte sich auf ganz angenehme Weise an eine Band erinnert, die sonst mit eher unangenehmen Gefühlen rezipiert wird. Die gleiche Assoziation muss Martin Büsser gehabt haben, als er seinen Hidden Cameras-Artikel in der Intro sehr treffend betitelte. Er nannte ihn 'Out Of Rosenstolz'.



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  • User: pktwo
  • pktwo 30.11.2004 | 18:47:56

    live sind die doch innovativ. sie vermischen diese folkigen sound mit einer unglaublichen dynamik, die an punk erinnert.
    und dass die schlagzeugerin keine erwähnung findet, ist auch unverständlich. die war ja so euphorisch.

  • User: kathy
  • kathy 30.11.2004 | 18:57:54
    Calendar Girl
    ja! eine unglaubliche liveband!
    sowas mitreißendes sieht man selten!

  • User: pktwo
  • pktwo 30.11.2004 | 18:58:15

    +n

  • User: pktwo
  • pktwo 30.11.2004 | 19:00:20

    ich will sie nochmal live sehen!

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