Dandy Time

Interpol & Bloc Party live

26.11.2004, 18:00, Text: Carsten Schumacher & Dirk Lücken, Carsten Schumacher & Dirk Lücken

25.11.04, Köln, Gloria

Was für ein Package: NYCs Stylo-Hipster-Dandys nehmen die rumorenden Underground-Scharfmacher mit auf Tour. Kein Wunder, dass man sich hier bei Intro gegenseitig Grippe-Viren in den Kaffee geschüttet hat, um über plötzliche Erkrankung der Kollegen vielleicht doch noch an Karten zu kommen. Das dicht an dicht kuschelnde Gloria traf zwar im Gros völlig unvorbereitet auf die Bloc Party aus London, doch bereits beim zweiten Song ('Banquet') verbreitet sich größtes Wohlwollen gegenüber den jungen arty Indie-Rockern im Saal (jedenfalls von denen, die's zeigen konnten). Sänger Kele Okereke platzte dabei schier vor Charme, ließ sich von Gitarrist Russell Lissack und Bassist Gordon Moakes rahmen und überlies den Part der expressiven Gesten Drummer Matt Tong, der sein Soll in cartoonesker Weise völlig brillant übererfüllte.

Die Interpol-Crowd zuckte zunehmend am ganzen Körper und Worte vom Franz-Ferdinand-Syndrom machten die Runde, bevor der Support-Slot auch schon wieder verflossen war und sich alles für den Hauptact bereitete.

Interpol - eine fantastische Band, die so unprätentiös daherkommt, dass sich sogar der Gitarrist in der Schlange hinten anstellt und ein Leadsänger der während des Vorprogramms schnell noch einmal durch den Haupteingang(!) auf die Strasse geht um wer weiß was zu tun - in Tradition eines Nikki Sudden sozusagen, der auf seinem eigenen Konzerten höchstwahrscheinlich noch Eintrittsgeld zahlt!

Ganz im Gegensatz zum Auftreten vor der Show präsentierten sich Interpol auf der Bühne doch um einiges glamouröser. Gemäß Dress-Code gekleidet ließ sich die Band Kunstnebel-gerahmt von hinten zur Silhouette leuchten. 'Next Exit' war der erste Song, der so erstaunlich nah am Album liegend vorgetragen wurde, das sich mir unweigerlich die Frage aufdrängte, ob die Band nicht auch ein außerordentlich gutes Chirurgen Team abgegeben hätte? Auf diese Art und Weise wurde mit Hut (Vollmond?) und der von Gott gegebenen fantastischen/überwältigenden Stimme plus toller Instrumentierung Hit nach Hit gespielt.

Objektiv hätte man vielleicht mehr Drive erwarten können - ein leichter Schimmer von abgeklärter Professionalität haftete dann doch an der gesamten Show. Es wurde ein gutes Set gespielt und es gab natürlich auch geforderte Zugaben, aber auch nicht mehr oder weniger - eine knappe Stunde ist nicht zuwenig, doch eine mitreißend-ausufernde Spiellaune wie sie im Vergleich Motorpsycho einst an den Tag legten, konnte man nicht wirklich ausmachen. Das liegt dem Dandy eben fern, niemand will sich verramschen. Und so blieb als Betthupferl nur noch die obligatorische Diskussion: Ist das erste Album besser oder das zweite?



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