Terrible Angels

Coco Rosie + Antony & The Johnsons live

26.11.2004, 14:29, Text: Christian Steinbrink, Christian Steinbrink
[5 Kommentare]

24.11.04, Köln, Gebäude 9

In den Tagen vor diesem Konzert fragten sich viele Leute in und um Köln, was sie da wohl erwarten würde. Dabei ging es gar nicht mal so um Coco Rosie, die mit ihrer kurzen Tour durch die Republik Mitte des Jahres schon für einiges Wohlgefallen gesorgt hatten, sondern um die sagenumwobenen New Yorker Antony & The Johnsons. Man hörte von Drag-Performances, wilden Tiraden und ausdrucksstarker Bühnenshow. Was sich schließlich auf der Bühne bot, war aber noch viel besser: Dort plazierte sich nämlich nur Antony, der an seinem Klavier wunderschöne Liebeslieder in gefühlvollen und relativ subtilen Posen zum besten gab.

Das gelang deutlich authentischer als viel von dem Hetero-Schmonz, der sonst so geboten wird. In seiner beflissenen Art, das Publikum zu unterhalten, und während des Gigs auch Fragen zu seiner Person zuzulassen, erinnerte er an die Starina aus Mike Nichols' 'The Birdcage'. Dass die Songs ausnahmslos brillant gelangen, versteht sich von selbst. Manche von ihnen hätten sicher auch auf dem Meilenstein-Triple-CD-Album '69 Lovesongs' von den Magnetic Fields einen exponierten Platz gefunden.

Wer aber die Johnsons sein sollten, wurde in der guten halben Stunde nicht geklärt. Vielleicht die beiden Frauen von Coco Rosie, die Antony zum Ende des Gigs gesanglich unterstützten. Noch besser waren sie allerdings während ihres eigenen Sets. In den letzten Monaten konnte man bei aufmerksamer Lektüre der Rezensionen ihres Debütalbums 'La Maison de Mon Reve' den Eindruck gewinnen, dass sich dort karg instrumentierte Folksongs versammeln. Tatsächlich beinhaltet ihre Musik aber viel mehr: Jeder Song ist ein Patchwork aus zarten Melodien, mannigfaltigen, teilweise sehr ungewöhnlichen Sounds und zwei sehr unterschiedlichen und ausdrucksstarken Stimmen. Live wurde das noch durch relativ impressionistisch angelegte Visuals unterstützt. Anders als Antony zeigten sie sich dem Publikum gegenüber zurückhaltend, aber nie unfreundlich. Das halbvolle Gebäude 9 wußte das zu goutieren und feierte die Band euphorisch wie sonst nur die jeweils gerade aktuellen Helden des Knaller-Melodic-Punk. Aber Coco Rosie sind besser, und ihr Ansatz wird dank eines undurchschaubaren und anregenden künstlerischen Gestus auch weiterhin für Überraschungen gut sein. Warten wir also ab, wie das wohl weiter geht.



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  • User: 3d
  • 3d 26.11.2004 | 16:09:18

    in hamburg war es auch super!
    ich hab das vorher in TRACKS gesehn und musste hin:)

  • User: Lilly
  • Lilly 26.11.2004 | 22:00:46

    ja, den hetero-schmonz muß man sich wirklich nicht mehr geben. ;)wunderschönes album, wie das konzert. erinnert an die 20er, an katzen, elegant, tief plus kaputte electronics. sympathischste umarmung zum abschluß des konzerts der schwestern. antony wurde natürlich auch umarmt. abschließend ein starkes coco rosie-zitat: "you can leave me on the corner where you found me / i'm not for sale anymore" (not for sale)

  • Timo Chan 27.11.2004 | 17:03:12

    hetero-schmonz ist schon ein ganz gutes stcihwort, wenn ein teil des dämlich kurzsichtigen indie-publikums antony wie einen freak behandelt und bei den coco rosies auch mal ausziehen schreit. köln is a dorf coming down from its trip.

  • User: punani
  • punani 09.07.2005 | 20:17:53

    mal abgesehen von den
    winterlichen temperaturen war
    das gestrige konzert von
    "antony & the
    johnsons" (support: coco rosie)
    im wiener arkadenhof sehr nett.
    die coco rosie-geschwister
    schunkelten auch mal zu antony
    & the johnsons mit und gaben
    sich während ihrem und deren
    konzert ein stell-dich-ein.
    liebe wetterfee: es hätte nur ein
    bisschen wärmer sein sollen
    und ich keinen neuen schuhe
    an.

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