Und?? Wie war’s?

Blueskins/ The Libertines live

09.09.2004, 02:07, Text: Carsten Schumacher, Carsten Schumacher

07.09.04, Köln, Gebäude9

…selten hat man eine Frage häufiger gehört als nach dem letzten Libertines-Konzert. Coolness wird da beschworen gegenüber dem Riesen-Hype aus UK, dem Indie-Inferno am Boulevard und dennoch wird alles von beschämend entblößter Neugier überflügelt, in der immer wieder die völlig überflüssige Frage mitschwingt: War Pete da oder nicht? Fuck, NO! Was soll das denn gewesen sein, das die Libertines-Fans seit einem Jahr so beschäftigt, seit Pete Doherty das erste Mal wegen seiner oft zitierten „Krankheit“ den ersten großen Festivalauftritten fernblieb – ein Affentheater?

Und natürlich ist das Konzert von Beginn an ein einziges Suchbild, denn sofort als die Blueskins ihr Bad im Höflichkeitsapplaus beendet haben, steht auf der Bühne eine Band, deren Interaktion auf der Bühne ganz offensichtlich gestört erscheint.

Carl wirkte irgendwie so traurig“, meinte Kollege Sascha Ziehn nach dem Konzert und sprach damit aus, was ich für mich bereits als melodramatische Projektion verworfen hatte. Aber es ist auch ziemlich scheiße, wenn man nach Veröffentlichung eines selten denkwürdigen Albums statt mit dessen Co-Writer mit einem eigens angelernten Stand-In um die Welt ziehen muss. Carl Bârat muss beide Stimmen singen (Bassist John übernimmt nur die absolut unvermeidbaren Parts), trägt 200% Verantwortung und transportiert ergo nur 50% Spaß. Und dennoch lassen sich die Bârat-Vibes nicht allein auf Konzentration, Übersättigung oder beginnendes Burn Out schrumpfen.

Ganz anders da Drummer Gary, er schiebt die Band quasi vor sich her. Neben ihm zeigt der Springer an der Gitarre noch die meiste Spielfreude, wird von Bârat allerdings noch nicht einmal als Sidekick akzeptiert. The Show must go on, aber hier soll keiner so tun, als sei nichts passiert.

Die Band eröffnet ihr Set mit ‚Don’t Look Back Into The Sun’, ein eigentlich sehr schönes Stück, was jedoch auf keinem der beiden regulären Alben vertreten ist, sondern nur als Single geschätzt werden kann. Ein Opener, der auf der Single-Insel England natürlich weitaus mehr spitze Schreie mit sich bringt. In Köln wird man dagegen eher bei den folgenden ‚The Saga’ oder ‚Can’t Stand Me Now’ wach. Der Funke springt dabei allerdings genauso langsam über wie sich der Anfangs beleidigend schlecht Sound einpegelt. Das wohlmeinende Ohr gewöhnt sich an alles, Hauptsache sie spielen Hits, wenn sie schon nicht mit uns reden wollen. Na und das klappt dann doch ganz gut.

Es gibt zwei Sorten von Lieblingsbands“, schreit mir Kollege Markus Hockenbrink unvermittelt zu, „die, die man sein will und die, die man ficken will. Und ich will British Sea Power sein und die Libertines ficken! Schreib das morgen. “ Es hätte kaum lyrischer formuliert sein können und bis auf diesen BSP-Aspekt trifft er damit die Stimmung im Raum.

Und als mit Songs wie ‚I Get Along’ und ‚What A Waster’ auch die Zugabe ein Ende nimmt, fehlen uns zwar immer noch Songs wie ‚Don’t Be Shy’ oder ‚Campaign Of Hate’, doch es gibt plötzlich keinen Zweifel mehr daran, dass die Band das Konzert für beendet erklärt hat. So mancher Burner eignet sich in dieser Situation wohl nicht mehr. Wir nehmen’s locker, kaufen hoffnungslos überteuerte T-Shirts und trinken auf eine Band, gegenüber der wir’s einfach ablehnen, womöglich die letzte Tour gesehen haben zu müssen.



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