
Sleazer-Rock Zeitreise
Velvet Revolver/ Backyard Babies live
24.08.2004, 17:04, Text:
Thomas Markus,
Thomas Markus
22.08.04, Köln, E-Werk
Beim Betreten der Konzerthalle kann man den Rock geradezu schmecken, so allgegenwärtig scheint er. Verqualmt und stickig ist es und zusammen mit einem bunten Gemisch aus Sleaze-Rock-Veteranen mit Bandana, geschnürten Lederhosen und Schlangenleder-Jackett, einem Schwung Metal-Jüngern und gesetzteren Gunner-Fans der ersten Stunde bietet sich ein illustres Bild. Alle raufen sich zusammen, um das Stadienrocker-Projekt von Slash, Duff McKagan, Matt Sorum (alle Ex-Guns'n'Roses), Scott Weiland (Stone Temple Pilots) und Matt Kushner (Dave Navarro) abzufeiern. Die Backyard Babies lärmen weit vorne, und aufgrund des Aufzugs von Sänger Niklas Borg (Blonde Mähne und Bandana) könnte man denken, Herr Rose himself stünde am Mikro.
In der Pause wird man schon mal schonend auf das Folgende vorbereitet. 'The Rooster' und 'Down In A Hole' vom Alice-In-Chains-Megaseller 'Dirt' laufen vom Band. Ein Sound, bei dem sich schon Anfang der 90er Metaller, Poser und Grunger unterhalten konnten. Doch bevor Schlimmeres passieren kann, erlischt das Licht und Strobo-Gewitter blenden die johlende Masse. Es ist erstaunlich, wie greifbar die Spannung der Anwesenden ist, endlich einen Blick auf ihre alten Idole zu werfen. \\"We are Velvet Revolver and we're playing Rock'n'Roll\\" röhrt Scott Weiland ins Mikro. Kennen wir derartige Ansagen nicht von anderen mit Drogen nicht tot zu kriegenden Rock'n'Rollern?
Mit schwarzer Sonnenbrille und Cop-Mütze stolziert er mit einem Hüftschwung über das vordere Podest am Bühnenrand, dass David Coverdale vor Neid die letzten Haare ausfallen würden. 'Sucker Train Blues' ist der Opener. Dass das Material der Allstar-Combo nicht vor Innovation strotzt, weiß man auch nach dem ersten Durchlauf des Debüts 'Contraband', doch Live wird ein Zahn zugelegt. Die Präsenz jedes einzelnen Bandmitglieds ist durch große Bühnen dieser Welt geschult, und das ist unwiderruflich spürbar. 'Crackerman' bildet den ersten Ausflug in die Vergangenheit, in diesem Fall in die von Weiland, und nach 'Illegal I Song' gibt's den ersten Gunners-Klassiker mit 'It's So Easy'. 'Fall To Pieces' die im September erscheinende zweite Single-Auskopplung, ein schwülstiger Bombast-Rocker bildet mit 'Big Machine' dann zunächst das Ende des ersten Teils der Show.
Kurze Pause und Slash kommt in voller Montur, sprich mit Zylinder, ohne Hemd und Kippe im Mundwinkel auf die Bühne, um 'Used To Love Her' anzustimmen. Der zweite Part ist dann auch, außer der Velvet Revolver Single 'Slither' von Semi-Cover-Versionen geprägt. Pilots 'Sex Type Thing', 'Mr. Brownstone' von der 'Welcome To The Jungle' und als Abschluss 'Negative Creep' von Nirvanas 'Bleach' (der einzige wirkliche Coversong) sind der Abschluss und Sirenen-Geheul beendet eine Rock-Show nach Maß. Wenn auch altbacken, es ist irgendwie imposant, die Herren den Rock feieren zu sehen, weit ab vom Garage-Mod-The-Band-Hives-Hypes.Artikel kommentieren
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