
Weg aus Rio
LCD Soundsystem, 2manyDJs live!
18.08.2004, 18:00, Text:
Hendrik Heitbaum,
Hendrik Heitbaum
Zeit für Urlaub. Die Mitarbeiter des Berliner Rio-Clubs hängten am vergangenen Dienstag, den 17.08. das 'Sorry-we´re-closed'-Schild an die heimische Clubtür und machten sich auf für eine Sause der Extra-Klasse im der 'Maria Am Ufer'. Veranstalten, auflegen, etc. mussten die Rio-Leute dann trotzdem selber, fiese Sache, die von der Maria waren wohl irgendwie auch im Urlaub.
Den Abend begannen Rio-Resident DJ Coop und Peaches. Coop trug passend zur vorgetragenen Musik seine Mash-Cap, Peaches stand ihm im leicht angerockten Dress in puncto Mitte-Mode in nichts nach. Das Set stand wohl unter dem Motto 'Mischen Impossible', ein wild ausgewürfelter Mix zum warmtanzen, der bei den Yardbirds anfing und bei 20Fingers' 'Short Dick Man' nicht endete.
Bevor es allzu amateurhaft wurde, übernahmen die beiden Seelen-gewachsten 2manyDJs kurz die Plattenspieler, um als Auftakt für LCD Soundsystem einen lückenlosen Übergang von DJ-Set zu Live-Musik zu vollführen.
Es war der erste Liveauftritt des LCD Soundsystems aus New York. Angeführt wurde die Band von James Murphy, den man eher von seinen Produktionen für The Rapture, Automato und DFA kennt. Bei !!! (Chk Chk Chk) spielt er zudem Bass.
Doch an diesem Abend hatte ein anderer den Bass in der Hand, und James Murphy selbst entpuppte sich als wilder Sänger mit Rockstar-Qualitäten. Kein Scherz. LCD Soundsystem blasen live alles weg, und Murphy singt sich die Stimmbänder kaputt!
Wenn dann noch die 'Rapture'sche Kuhglocke' angeschlagen wird und die stoisch in sich ruhende, asiatische Dame an der Elektronik brachiale Acid-Basslinien abschiesst, geht automatisch die Faust gen Clubdecke. Yeah!
Das war dann auch der Titel des letzten Stücks im Set, obwohl es eigentlich noch einiger Zugaben bedurft hätte. Da man aber schon mehr als eine Stunde hinter der aushängenden Running Order war, gab es keinen Nachschlag.
Das war aber dank des fulminanten Sets der 2manyDJs auch nicht nötig. Als 'Deck-Shark' sah man bei ihnen u.a. auch ein Mitglied vom Jeans Team, die ja mit 'Keine Melodien' auch auf 'As heard on Radio Soulwax Pt.II' vertreten waren. 'Ich singe 1, ,2, 3, 4' gab es zwar nicht zu hören, aber mit den dargebotenen Tracks im 90 Sekunden-Wechsel (alles zwischen Techno, House und Rock- Hauptsache mehr oder minder four to the floor) konnte man auch prächtig feiern.
Fazit: Eine verschwitzte Dienstag Nacht, die manchen Samstag wie einen Montag aussehen ließ. Oder so.
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