
Pogo um die 30
Pixies, Ash, Franz Ferdinand live
30.06.2004, 19:00, Text:
Hendrik Heitbaum,
Hendrik Heitbaum
[11 Kommentare]
29.06.04, Berlin, Wuhlheide
Also eigentlich sollte ich vor dem Pixies-Konzert nur Flyer für das in zwei-einhalb Wochen anstehende Melt! Festival verteilen. Dann aber fuhren auf einer Schmalspur-Bimmelbahn, die durch das Berliner Naherholungsgebiet Wuhlheide führt, die Pixies leibhaftig an mir und meinem fleissigen Helfer Ansgar Fleischman vorbei. Und mit zu viel Geld in der Tasche, wurde dann flugs noch ein ziemlich teures Ticket an der Abendkasse gekauft.
Zehn Jahre ist es her, dass ich zumindest Frank Black mal live gesehen hatte. Damals auf einem einmaligen 2-Tage-Festival in Düren (zwischen Köln und Aachen gelegen), gab es seine Solo-Sachen zu hören.
Bis kurz vor Beginn gegen 18.00 h wird noch Promotion betrieben, dann geht es hinein in die einem Amphitheater nicht unähnliche Kindl-Bühne. Vor der Bühne ist es noch erstaunlich leer. Anscheinend war die Promotion für diesen Event nicht so engagiert wie unsrige fürs Melt! (Pfui! Eigenlob riecht streng). Egal. Drei tolle Bands im Stunden-Takt sind trotzdem was.
Unten vor der Bühne angekommen, gibt es dann Franz Ferdinand vom feinsten. Nach der ersten Ansage, der erste Lacher: \\\"Hello, Waldbühne!\\\". Die ist zwar knapp 20 km westlich, aber das tut dem Gig keinen Abbruch. 'Auf Achse' wird \\\"our friend Manfred\\\" (Krug) gewidmet. Und das Intro.de-Forum ist ebenfalls vor Ort und macht sich sogar erfolgreich bei der Band bemerkbar. Auf Zuruf der lieben Anne alias Very_British spielen die sympathischen Glasgower einen Wunsch-Song (Van Tango). Vor der Bühne kommt, trotz der frühen Uhrzeit schon Party-Stimmung auf, während sich der Wuhlheide-Kessel weiterhin eher langsam füllt. Die Stunde mit Franz Ferdinand vergeht wie im Fluge. Und zum Bierstand ist es nie weit, da das kühle Blonde von umherstreunenden Ghostbusters-Lookalikes ausgeteilt wird.
Nach kurzen Umbaupause taucht dann der leibhaftige Rock in Form von Ash auf. Mein Konzert-Nachbar glaubt mir zunächst nicht, dass uns ein zünftiger Pogo blüht, wenn wir 10 m zentral vor der Bühne stehen bleiben. Ihm fällt nur auf, daß das Ash-Logo auf der Bassdrum des Schlagzeugs auch einer Heavy Metal-Combo gut zu gesicht stände. Und dann die perfekte Rock-Show. Tim Wheeler trägt zum Konzert-Anfang eine brennende Flying V (Gitarre, V-förmiger Korpus, natürlich präpariert), wie ein Meßdiener eine Osterkerze, vor sich her auf die Bühne. Yeah! Das ruft nach Kleinem-Finger-Zeigefinger-In-Die-Luft-Strecken. Ash entpuppen sich auch mit dem neuen, etwas härter rockenden Material als perfekte Party-Band. Gerade der Widerspruch zwischen Mucker-Rockpose und der sanften Stimme Wheelers' machen den Reiz aus, der in der Wuhlheide super ankommt. Sowohl Publikum als auch Band haben Spaß. Selbst Gitarristin Charlotte Hatherley huscht ein Lächeln über das sonst so stoische Gesicht. Ich frage mich aber, weshalb der Ash-Drummer eine Art angespitzten Mantelständer zwischendurch drohend vor sich herschwenkt, als wäre er der leibhaftige Meeres-Gott Poseidon samt Dreizack.
Nach einer Stunde Ash folgt eine halbstündigen Umbaupause, die weise mit den 'Pet Sounds' der Beach Boys begleitet wird. So wird's Warten auf’s dicke Christkind (Frank Black) leicht.
Gegen 21.00 ist es dann soweit. Die Sonne ist fast unter den Horizont gewandert. Die Erwartungen wiederum sind im Zenith.
Dann sind sie da. Die Pixies. Gekleidet, als kämen sie gerade aus dem Büro (bis auf Kim Deal alle fein im Oberhemd bzw. Anzug) rocken sie von Anfang an los, als hätte es die mehr als zehnnjährige Pause nie gegeben. (Habt Ihr schon mal eine Masse von 20-/30somethings pogen sehen? Ich bis dato auch nicht.)
Aufgrund einer Kriegsverletzung vom vorletzten Wochenende konnte ich da leider nicht richtig zu beitragen und machte aus sicherer Entfernung nur gedanklich Crowdsurfing. Musikalisch kommen die Pixies perfekt über. Frank Black singt sich die Seele aus dem Hals. Kim Deal konterkariert sanft stimmlich, ihr Bass pumpt mächtig. Gitarren, Bass, Schlagzeug – alles stimmt. Es sind sowohl die Hits (Aufzählen überflüssig, weil als bekannt vorausgesetzt) als auch rarere B-Seiten auf der Setlist vertreten. Ich bemerke, daß ich wohl noch ein paar Pixies-Alben, die ich zu Schulzeiten auf Kassette besaß, nachkaufen muss. Nach etwas mehr als einer Stunde täuschen die vier Indie-Helden erfolgreich ein Konzert-Ende an, dem aber noch knapp 20 Minuten lang Zugaben folgen.
Ich bin da schon wieder draußen, um die letzten Melt!-Flyer zu verteilen. Die Massen, die an mir vorbei zu Parkplatz und S-Bahnhof strömen, sehen sehr glücklich aus. Sie sind glücklich einen schönen Blick in die Zeit geworfen zu haben, als der klassische Indie-Rock noch nicht durch den Blick der Plattenindustrie auf Seattle getrübt wurde.
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grrr 30.06.2004 | 21:47:26
Les Ÿper Sound / Fanklub / Sil
na, hendrik, noch nicht
ganz nüchtern? der spruch
mit der waldbühne kam
von franz ferdinand! :)
Soundbwoy 01.07.2004 | 10:00:01
Wieso? Steht doch richtig da. *g*
grrr 01.07.2004 | 10:10:22
Les Ÿper Sound / Fanklub / Sil
haha, aber es war mit-
nichten die erste ansage! :D
3d 01.07.2004 | 13:05:20
ghostbusters-lookalikes?
nochmals>>NEID!!
wer war denn am montag zusätzlich noch bei modest mouse im columbia fritz (bzw jetzt heissts ja-club)?
Lopi2000 01.07.2004 | 15:32:56
montag hieß es aber noch ...fritz, aber ich war trotzdem nicht da, sondern im kaffee burger
Soundbwoy 01.07.2004 | 15:34:31
Montag war letzte "Fritz" Termin
Soundbwoy 01.07.2004 | 15:47:21
@3d: das waren so Typen mit Bierfässer auf dem Rücken geschnallt, Beche dran gepappt, Kasse vorm Bach und Zapfhahn mit Schlau in der Hand...irgendwie erinnerten mit die Typen an die Ghostbusters...sozusagen die Beer-Busters
Soundbwoy 01.07.2004 | 16:01:03
vorm BaUch natürlich,und es waren natürlich BecheR
Soundbwoy 01.07.2004 | 18:57:55
hatte ich schon erwähnt, daß es SchlauCH heißt...oh, Mann!
3d 02.07.2004 | 01:21:57
beerbusters RULE
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