
Baby, I'm on fire
Seachange & Electrelane live
02.06.2004, 13:43, Text:
Jeffrey Kubiak,
Jeffrey Kubiak
01.06.04, Köln, Gebäude9
Sind beide Bands immer noch so ein Geheimtipp, oder liegt's doch am Wetter? Die sonst nur noch \\"ausverkauft\\"-Schilder gewohnte Konzertstätte im rechtsrheinischen Köln will sich nur mühsam füllen, und damit lassen auch die Konzerte erstmal auf sich warten. Ich kann ja derweil was über die Bands erzählen: Seachange sind eine junge, sechsköpfige Band aus Nottingham (da wo der berühmte Forrest ist), pendeln zwischen den Polen aufgeregt, wütend und melancholisch und haben neben einer Breitseite an Gitarren auch eine Violine im Ensemble, die den Songs entweder Dramatik oder Romantik einhaucht.
Seachange spielen zuerst und betreten sehr vorsichtig, beinahe etwas ängstlich die Bühne, stöpseln die Gitarren ein und Violinistin Johanna begrüßt das Publikum in gutem Deutsch. Es geht mit 'Glitterball' los, einem Song, der sowohl Ruhe, als auch Turbulenz ausstrahlt und prompt ist alles anders - die Musik bricht geradezu aus ihnen heraus, als würden sie es selbst nicht verstehen, was da mit ihnen passiert. Zwischen den Songs wirken sie so unsicher, dass man ihnen beim Gitarre stimmen helfen möchte (Roadies haben sie keine dabei), und dann brettern sie im nächsten Song wieder dermaßen los, dass einem die Spucke wegbleibt. Mein persönlicher Hit war 'Superf**k', ihre erste Single, aber auch die übrigen, meist kantigen, manchmal etwas verwinkelten Songs des Albums gehen auf. Glücklicherweise setzt sich auch die Geige gegen den ganzen Gitarrenkrach durch und macht ihn dabei transparenter. Das war ein aufregendes, wachrüttelndes Konzert einer ganz unverbrauchten, sympathischen Band, das mit einem Duett von Gesang und Gitarre abgerundet wurde.
Electrelane gehen es dann etwas leiser an, spielen dafür aber umso schneller. Musikalisch ist dies mein erster Kontakt mit Electrelane, und ich bin recht erwartungsvoll bei den ersten Tönen. Das erinnert mich in schnellen Passagen an Stereolab, manchmal an auch Broadcast, vor allem durch Sängerin Veritys Stimme. Allerdings, und das muss man leider in aller Härte sagen - die Gesangsparts hätten sie vielleicht doch besser weglassen sollen, zumindest live wirken diese sehr hölzern und fügen sich kaum ins Gesamtbild ein.
Instrumental sind die Mädels aber umso besser, insbesondere Gitarristin Mia hat mich umgehauen - nicht weil sie ganz offensichtlich die schönste Frau der Welt ist, sondern weil sie in solch atemberaubender Geschwindigkeit an ihrer Gitarre herumwerkelt und dabei so tut, als wäre ihr noch immer langweilig. Zu guter letzt reißt sie beim letzten Lied des Sets auch noch die Saiten durch und muss die Zugabe, 'I'm on fire' von Bruce Springsteen auf einer gerupften Gitarre spielen - es gibt ja keine Roadies zum Saitenwechseln.
Ein toller Konzertabend, insbesondere wegen seiner Ungewöhnlichkeit, den eigentlich mehr Leute hätten sehen sollen, damit die Kunde von diesen Bands sich ein wenig mehr verbreiten kann.
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