
Zu elektrisch für den Prenzlberg
Max Herre – Live@Tränenpalast, Berlin
01.06.2004, 12:00, Text:
Hendrik Heitbaum,
Hendrik Heitbaum
[5 Kommentare]
Pfingst-Montag, 20 h, Bahnhof Friedrichstraße in Berlin. Das Immergut-Festival steckt mir noch in den Knochen, aber nützt ja nichts – der Max Herre vom Freundeskreis will besucht werden.
Ich bin erstmal angenehm überrascht bei Anblick der wartenden Leute. Viel mehr Leute jenseits als diesseits der 20 warten vorm Tränenpalast. Und für die Daunenjacken-Fraktion war’s wohl eh zu heiß. Nach dem Einlaß geht's erstmal auf zwei Bier-Längen in den Biergarten. Drinnen ist es nämlich schon knalleheiß, obwohl noch kaum wer im Saal ist (bis auf ein paar Mädchen, die schon in der ersten Reihe warten).
Gegen 21 Uhr leert sich dann der Biergarten.
Ab einem Song hat Max mich dann für den Rest des Abends voll auf seiner Seite. Der King vom Prenzlauer Berg ist eine gut gerappte Satire auf alle frisch zugezogenen Mash Cap–Vokuhila-Styler, die die Berliner Clubszene oft außerordentlich nervig machen. Eigentlich ist Max Herre auch einer der vor zwei Jahren Zugezogenen. Er aber ist sich treu geblieben. Sähe ja auch seltsam auf. So eine Mitte-Stricher-Frisur statt der Lockenpracht.
Nach etwa 90 Minuten geht das Konzert dann auf seinen Höhepunkt zu. Die Freundeskreis-Version von Rio Reisers' Halt Dich an Deiner Liebe fest soll eigentlich das letzte Lied werden. Knapp drei Minuten lang singen die Leute (ich konnte mich auch nicht mehr zurückhalten und habe zugebenermaßen ein kleine Gänsehaut bekommen) den Refrain insbrüstig der Band hinterher, bis wieder alle für die ersten Zugaben zurück auf der Bühne sind...und dann sag' ich so zu meiner Abend-Begleitung:Ob Joy heute nochmal auf die Bühne kommt?. Und ja, sie muss zum Schluß nochmal ran. Obwohl ungeprobt und seit drei Jahren nicht mehr live performt, wird die schönste deutschsprachige R'n'B Nummer bis heute Mit Dir live dargeboten. Und da war's dann auch endlich nicht mehr so perfekt. Max & Joys' Text-Patzer wurden meisterhaft vom Publikum ausgebügelt. Am Ende umschlingen die beiden Verliebten sich und singen sich den Refrain ins Ohr. Ich hab' noch nie so eine Intimität auf der Bühne erlebt. Und es war in der Tat ein herrlich intimes Konzert mit knapp vierhundert Fans. Ich bin Neu-Fan geworden.
Max Herre ist der deutsche Common, der deutsche Mos Def und noch viel mehr. Wer hätte das gedacht?
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psychonaut 01.06.2004 | 13:54:07
Könnte es sich bei "Der King vom Prenzlauer Berg" um eine Coverversion des alten Klassikers von City gehandelt haben?
Soundbwoy 01.06.2004 | 14:00:24
@psychonaut: Nicht daß ich wüsste.
buenaventura 01.06.2004 | 14:03:48
hashomer
eine kleine google-recherche wirkt ja manchmal wunder: "nd dann natürlich „Ostbeat“, seine Amiga-Flohmarktfunde von Jürgen Kehrt über Veronika Fischer bis Hansi Biebl. „Da gibt es echt soulige Sachen, auch so Crusaders- oder Santana-mäßig“, schwärmt er. „Darüber bin ich auch zu City gekommen, was ja eher an Krautrock erinnert. Aber die Line von diesem Stück war einfach der Hammer: „In seinen Gedanken ist er der King vom Prenzlauer Berg.“ Das hat mich inspiriert ein ganzes Stück zu schreiben. Über Neu-Prenzlauerberger, die halt King-mäßig abgehen.“ Der neue Song, dessen Hook „City“-Sänger Tony Kraal selbst neu eingesungen hat - über 25 Jahre nach seiner ersten Veröffentlichung - erzählt die Geschichte von einem alten Bekannten aus Stuttgart, den Max in Berlin-Mitte wiedertrifft. "
psychonaut 01.06.2004 | 14:06:42
aha
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