Showcase Polonais

TERrA POLSKA-Festival: Raz Dwa Trzy, Tomte et al.

28.04.2004, 12:02, Text: Folke Schneider, Folke Schneider

20.-25.04.04, Berlin, Kulturbrauerei

'Fill in the Blanks': Ein Festival, das antrat, Wissenslücken zu füllen, welche ja durchaus bestehen konnten angesichts der Vielfalt zeitgenössischer, aus Polen stammender Musik und Kunst. Am Vorabend der Osterweiterung eine durchaus lohnenswerte Angelegenheit, bestand doch auch die Möglichkeit, das Ganze weniger unter dem Aspekt einer nationalen Werkschau zu begutachten, sich stattdessen der Liebe zu Tönen, Rhythmen, Performances und guter Unterhaltung hinzugeben.

Volltreffer: Mit dem Anliegen war man über 6 Tage in der Kulturbrauerei am richtigen Platz. Zumal sich das vor verqueren Einfällen strotzende Event erfreulicherweise nicht puristisch aufs nationalstaatlich eingebundene Sujet stürzte, sondern auch selten gehörter Off- und Alternativ-Kreativität made in Hierzulande Raum bot.

Offenbart auch von der famosen The Oliver Twist Band mit ihrem Mix aus hingebungsvoll verfrickelten Brachilitäten und aufrichtiger Begeisterung für poppige Hooks aus dem Keyboard, von den Veranstaltern auch als Electroclash bezeichnet. Den versammelten Zeitgenossen rang dieser nervöse Electro-Post-Punk nett gemeinte Bekundungen von \\\\"Ich glaube, die sind genial, aber machen zuviel Krach\\\\" bis \\\\"Ich glaube, ich habe eine neue Lieblingsband\\\\" ab - übrigens eine besondere Leistung dieser spielfreudigen Twist Band angesichts der leider bescheidenen Soundverhältnisse in der Kesselhalle. Welche aber das einzige Manko bei diesem Festival bleiben sollte. Die intime Atmosphäre des Maschinenhauses, der zweiten Spielstätte für Bands, machte dieses mehr als wett.

Dort tauchten Raz Dwa Trzy mit Jazz, Rock und Chanson samt Publikum in eine tiefe Melancholie bzw. noch tiefere Ohrensessel ein, um dann die Bühne für Elektrolot freizugeben, die mit Fretless-Bass, Keyboard, Gitarre und Samples Belebung für Wiederbelebung sorgten und ein außergewöhnlich dynamisches und grooviges Ambient-Jazz-Klangbild erzeugten.

Nach diversen hintergründigen Schaustücken wie z.B. 'Polenmarkt' mit zwei Meter hohen Gartenzwergen, Filmen, DJ-Sets und Stadtexkursionen bildete das Konzert von Tomte den Abschluss der Veranstaltung. Die Masse an Leuten, die dabei tobte, lässt übrigens erwarten dass die Intro-Lieblinge aus Hamburg noch einiges vor sich haben. Ohnehin dürften ja solche Zeitgenossen Recht haben, denen in Anbetracht aktueller Tendenzen die ganze nationale Einordnung von Tönen, Rhythmen und Gedanken mächtig auf den Keks geht. Stellvertretend für diese wies Tomtes Thees Uhlmann darauf hin, wie wenig Sinn eine solche Kategorisierung macht, zumindest für ihn und seine Kapelle. Fazit: Eine sehr gelungene Aktion, ganz unabhängig, ob man nun \\\\"Polen hier und jetzt\\\\" erleben - wie es in einer Grußadresse des Botschafters hieß - oder einfach nur jede Menge guter Leute samt ihren feinen Darbietungen bestaunen wollte.



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