Bondage, Dildos, Damenbart

Peaches & Boy From Brazil live

26.03.2004, 17:00, Text: Hendrik Heitbaum, Hendrik Heitbaum

25.03.2004, Berlin, Maria

Da verpasst man beinah ein Konzert, das man immer schon mal sehen wollte: Die wilde Peaches live in ihrer Wahlheimat-Berlin. Is ja nochmal gut gegangen.
Beim Präshow-Bierholen seh’ ich einen Typen an der Theke, groß, schwarzer Trenchcoat, dicke Ski-Brille über den Augen. Schräg. Ein paar Minuten später stakst diese Gestalt, die äußerlich ein wenig an Perry Farell von Jane’s Addiction erinnert, auf die Bühne und gibt sich als Boy from Brazil zu erkennen.
Abgesehen davon, dass seine Instrumentals/Videos, die von DVD kommen, ziemlich haken, versucht er den bösen Max in Cramps-Manier zu geben.

Im ersten Vers, den er anstimmt kommt natürlich gleich \\"New York\\" vor. War ja klar.
Das Publikum war von dem Typen, der eh wohl mehr Energie an der Theke denn auf der Bühne gelassen hatte, größtenteils abgenervt, was gar nicht mal an der Musik, sondern eher an dem Mann selbst lag.

Dann endlich Umbaupause. Die Frau an den Plattentellern spielt 'Do wah diddy' von Manfred Mann. Süß.
Dann kommt Peaches. Flying V-Gitarre, Rockstar-Pose, Feieralarm! Leider hat das kanadischen Energie-Bündel die Rechnung zunächst ohne das Publikum gemacht. Da wurde vorerst nur gegafft und gestanden. Trainspotting und Spannertum. Traurig, traurig.

Zum Glück gab’s ein paar Hardcore-Fans, die wie die berühmte Katze von Herrn Schmidt abgingen. Als sich dann noch die beiden Gogo-Tänzerinnen auf die Bühne begaben und mit Peaches gemeinsam eine ziemlich laszive Choreographie inklusive Dildo und Damenbart tanzten, tauten die Leute endlich auf. Für das Duett mit Iggy Pop wurde eine Video-Leinwand auf die Bühne gebracht, auf der dann der immergrüne Iggy lebensgroß neben Peaches auftauchte. Schöne Idee.

Dann gab’s Stage-Diving, Männer und Frauen die nach Peaches grabschen, woraufhin sie Marmeladen-Kunstblut ins Publikum spuckte (hätte ich nicht hinter dem 2,10 m-Tansvestiten mit Afro-Perücke gestanden, hätte ich kosten können). Ein BH flog auf die Bühne; Peaches wurde dreimal zwecks Zugaben zurück geholt. Dafür hatte sie dann ein paar Cover-Versionen parat. Electric Six’s 'Gaybar' und 'Keine Melodien' von den Jeans Team-Bubis kamen zu hohen Ehren. Bei der Hymne 'Fuck the pain away' wurde dann noch gruppentherapeutisch Sex-Frust ansatzweise bewältigt und laut mitgegröhlt.
Ich war verschwitzt, Peaches erst. So muss das wohl sein.



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