Please don't rock me tonight

Fountains of Wayne live

09.03.2004, 17:27, Text: Markus Hockenbrink, Markus Hockenbrink

08.03.04, Köln, Prime Club

Bei Robbie Williams und Co. hört sich 'Einziges Konzert in Deutschland' irgendwie immer so toll an, bei Fountains of Wayne bedeutet es nicht viel mehr als gerade mal 100 Besucher im tunneligen Prime Club. Und während ich mich noch zu 'Utopia Parkway'-Zeiten darüber ereifert hätte, sehe ich das ganze mit einem Mal wesentlich emotionsloser. Warum? Erstens: Der melodieselige Powerpop der Herren aus New York lässt sich nicht ohne weiteres in den Club-Kontext übersetzten, schließlich machen sich \\\"ooh-aahs\\\" und \\\"lalalas\\\" nicht so gut auf der zerschossenen Kleinbühne.

Infolgedessen werden komplexere Stücke wie 'Prom Theme' oder 'Fire Island' an diesem Abend gar nicht erst aufgeführt. Das zeugt zumindest von einer gewissen Weitsicht, der sich auch die Höhepunkte des Abends (ein blitzschnelles 'Survival Car' und ein legeres 'Sink to the Bottom') verdanken.

Der unwiderstehliche Charme dieser Kapelle lag ja immer darin, dass sich das gesamte Universum scheinbar self-sufficient im Mikrokosmos zwischen Long Island Sound und Hackensack abspielen konnte, wovon der ironisch-naive FOW-Katalog ein ums andere Mal Zeugnis ablegte. Man konnte sich auch wahlweise diebisch über die verweisreichen Texte (\\\"Sit back, relax, watch the stars - James and Jason, Kirk and Lars\\\") freuen, die eine höhere Macht offenbar plötzlich für Pop-Refrains vorgesehen hatte. Das ist ein bisschen vorbei jetzt. Schon das aktuelle Album war eine fleckige Angelegenheit mit hoher B-Seiten-Quote und wenig neuen Ideen für zu viele neue Songs.

Auf der Bühne wirkt die Band müde, stochert des öfteren wehmütig in ihrem ersten Album herum und bringt dann ihren grässlich infantilen Semi-Hit 'Stacy's Mom', der inzwischen tragischerweise zu ihrer Signatur-Nummer geworden zu sein scheint. Der Song könnte gut für das stehen, was Fountains of Wayne eigentlich so gar nicht ausmacht: Unsubtile College-Mucke mit dicktittigen Weibern im Video. Und das ist noch etwas, was an diesem Abend offenbar wird: Die süße Melancholie vergangener Tage ist futsch, die Parole lautet stattdessen Spaß muss her! Auf eine merkwürdige Zeit wirken FOW dadurch auf einmal provinziell, plump und ein wenig langweilig. Die Band verabschiedet sich artig, kommt nach kurzer Zeit für die obligatorische Zugabe zurück, und verdrückt sich dann. Der Nightliner steht bereits eine halbe Stunde später nicht mehr da. Vielleicht sind Fountains of Wayne noch wach, hören die neuen Alben von The Shins und The Elected und kommen sich alt vor.



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
  • Nächste Tour-Termine

  •  
 
 
Anzeige
 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]