For A Fistful Of Weed
Aesop Rock & C-Rayz Walz live
01.03.2004, 12:12, Text:
Christian Steinbrink,
Christian Steinbrink
27.2.04, Duisburg, Hundertmeister
...mit Maylay Sparky, Louis Logic und der ganzen Hood.
Es gibt ja nicht nur Intro Intim. Auch wenn nur selten ein Gig mit den intimen Nächten in puncto Billing und Preis-Leistungs-Verhältnis mithalten kann, fiel dieses Mal die Entscheidung, auf welches Konzert man wohl gehen sollte, besonders schwer. Denn im sonst kaum für große popkulturelle Highlights bekannten Duisburg war ein HipHop-Event der Extraklasse zusammengeschustert worden. Dort kreuzte sich nämlich die Europa-Tournee von Def Jux's Aesop Rock und C-Rayz Walz einmalig mit der von Maylay Sparky und Louis Logic.
Das Hundertmeister ist ein klassisches Mehrzweck-Kulturzentrum, und das merkte man schon am Eingang. Jeder Besucher hatte sich skandalös rigider Sicherheitsmaßnahmen zu unterziehen, die einigen unvorsichtigen Jungs ihre teuer bezahlten Beutel Dope kosteten. Das Konzert begann erfreulicherweise nicht ganz spät mit den beiden Support-Acts, die hierzulande noch recht wenig beschriebene Blätter sind. Aber mit den richtigen biographischen Daten vom Kollegen Stüttgen von der Juice ausgestattet, konnte ich den Rhyme-Skills von Sparky und Logic einigermaßen vorbereitet entgegentreten.
Maylay Sparky kommt aus dem Roots-Umfeld von Philadelphia und wohnt bemerkenswerterweise seit einigen Jahren in Kopenhagen, nachdem er, so hält sich die Legende, dort mal in einem Krankenhaus lag. Sein Gig wie auch sein auf Rapster erscheinendes Album 'Graymatter' mach(t)en nicht wirklich den Eindruck, als seien Instrumentals und Lyrics in erster Linie für die HipHop-Party gedacht. Aber er mühte sich redlich, überzeugt inhaltlich und setzte die Mitsing-Spielchen für das Publikum richtig, so dass man ihn wohlwollend entließ. Louis Logic machte da schon mehr her, entpuppte sich als der charmantere Performer mit dickem Afro, hübscher Strickjacke und allerlei Freestyle-Skills. Beide hatten allerdings auch damit zu kämpfen, dass die Beats vom DJ-Pult nicht immer punktgenau kamen. Nichtsdestotrotz ganz großes Kino, selbstverständlich.
Den Vogel schossen dann aber die Headliner mitsamt ihres DJ's ab. Mit ihrer Show beanspruchten Aesop Rock und C-Rayz Walz Kopf, Herz und Beine, waren perfekt aufeinander eingestellt und setzten ihre Tracks live genau richtig um, auf dem schmalen Grad, der Party-Tauglichkeit und Anspruchsdenken vereint. Die mit umwerfend komplexen Tracks ausgestattete und vor Jahresfrist erschienene Aesop Rock-Platte 'Bazooka Tooth' hatte die Latte an Erwartungen sehr hoch gelegt. Das Set hielt aber zu jeder Sekunde diesem Druck stand und befriedigte Kappen jeglicher Couleur, rockte den ganzen Saal 1 ½ Stunden lang bis zum Anschlag und endete standesgemäß mit 'Daylight' vom 'Labor Days'-Album. Was blieb, war die Erkenntnis, eine der seltenen Sternstunden in HipHop miterlebt zu haben. Und das ausgerechnet in der Stadt von Schimanski und Tom Liwa, in der man selbst am Wochenende auf eine U-Bahn um 2Uhr nachts vergebens wartet.
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