
Salty Candy
Adam Green live
12.02.2004, 18:45, Text:
Pascal Blum,
Pascal Blum
[5 Kommentare]
11.02., Köln, Gebäude 9
Apart gekleidet ist er ja, für einen Antistar. Anthrazitfarbenes Jackett, weißes Hemd und die Frisur sieht aus wie bei den meisten Männern im Publikum. Nur die Combo scheint wie gerade vom Döner zusammengeklaut. \"Welcome to my concert\" sagt er zum Anfang und wir freuen uns und sagen danke.
Adam. Green. Mit Kimya Dawson die wunderbaren Moldy Peaches, auf deren Lo-Fi-Folk sich alle einigen konnten. Frau Dawson ist mit gleich zwei Alben schwanger und dementsprechend in Mutterschaftsurlaub. Adam Green muss reichen und er sang im Gebäude 9 schön abwechselnd Lieder von der vorletzten Solo-Platte ´Garfield´ und seinem Release im letzten Jahr, ´Friends Of Mine´.
Was ist es denn, das Adam Green im Intro Leserpoll 2003 zum zweitbesten Musiker hinter Johnny Cash macht? Das Gefühl, er würde nur zu einem selber sprechen? Oder die Kunst, ein so wunderliches Anklagelied wie ´Jessica Simpson´ zu schreiben, das im Gebäude 9 zur totalen Singalong-Hymne wurde? Wir sind gekommen um zu wissen.
Die Band spielte, und es wurde schnell klar: Wer die Soloalben genau kennt, hätte sich Adam Green live nicht ansehen müssen. Schlagzeug, Bass, Keyboard und Gitarre erreichten beinahe CD-Qualität, nur die Geigen haben noch gefehlt. Ein gesprächiger Entertainer ist Adam Green auch nicht. Und das Konzert dauerte inklusive Zugaben nicht mehr als eine Stunde. Was vor allem daran liegt, dass die melodischen Songs so schön auf den Punkt und darum kurz sind.
Etwas mehr von diesem Punk-Geist der Kurztracks hätte vielleicht nicht geschadet. Man hatte sich sehnlichst einige Versatzstücke aus der verschimmelten Pfirsich-Welt gewünscht, die unter dem grauenhaft Etikett ´Antifolk´ firmierte: Ein kleiner Davo, der Porno aus dem Internet herunterlädt, etwas einstürzende NY-Hochhäuser, die sowieso nur Grabsteine sind oder wenigstens ein Telefon, das in die Songs hineinklingelt. Nichts davon war da und vielleicht ist es auch völlig falsch, dies Adam Green vorzuwerfen, weil das eben genau auch Vergangenes bleiben soll. Aber: was macht er denn da auf der Bühne? Was ist denn das?
Kurz vor Schluss war alles wieder gut, Adam Green rockte das Gebäude 9 mit seinen alten Heulern ´Dance With Me´ und ´Baby´s Gonna Die Tonight´ und als aus war, lief Johnny Cash. Tot zwar, aber immer noch 0.67% vor Adam Green.
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Schlüter Zwei 12.02.2004 | 21:51:45
Sehr hübscher Text...klingt tatsächlich so, als hätte sich seit der Support-tour für die Tindersticks nicht wirklich was getan. Beruhigend, dass ich nichts außergewöhnliches verpasst habe. So denkt man ja allzu häufig.
Damals fand ich's toll, in erster Linie, weil die Performance beider Bands sich so gut ergänzte.
Torben24 18.02.2004 | 10:04:06
Alles andere als ein sehr hübscher Text. Was ist an diesem Text hübsch? und was soll der Vorwurf, Adam Green hätte auch Moldy Peaches Stücke spielen sollen? Der Vorwurf wirkt umso überflüssiger, wenn er, um das ganze zu relativieren, im nächsten Satz sofort hinterfragt wird.
Ich für meinen teil habe mich wirklich gut unterhalten gefühlt und das "obwohl ich die Soloalben genau kenne".
Was Adams Tanzeinlagen angeht, fand ich diese ebenfalls witzig und glaube auch, dass er den Großteil der Besucher damit ganz auf seiner Seite hatte, auch wenn er für manchen vielleicht "sehr sympathisch mit den Armen ruderte". Könnte der Autor mir vielleicht erklären wie unsympathisches Armerudern aussieht?
Und zu guter Letzt. Ich sehe nicht nach einem wirklich guten Konzert als erstes auf die Uhr und motze vor mich hin, dass das ganze nur 1 Stunde gedauert hat. Solange ich in dieser Stunde so viel geboten bekomme wie an diesem Abend, werde ich glücklich in die Nacht entlassen und sehe, dass es den meisten anderen um mich rum genauso ergeht.
wendi 18.02.2004 | 12:44:55
100% ack!
habe mir auch gedacht, wäre moldy peaches hören will, soll zu moldy peaches gehen und nicht zu adam green ;).
dann soll man sich auch nicht beschweren wenn einem moldy peaches gefallen und adam green nicht.
Pascal Blum 19.02.2004 | 20:44:05
An die Kritiker: natürlich wollte ich die Moldy Peaches nicht hören, wenn Adam Green auf dem Programm stand. Das einzige, was ich aus diesem Abend mitnahm, ist dies: ich habe das Faszinosum Adam Green nicht verstanden. Das versucht der Text auch zu sagen und deshalb nimmt er auch die Vorwürfe, sobald er sie gemacht hat, wieder zurück. Dass diese fantastischen Songs mir live vorgeführt wurden, hat einfach nicht dazu beigetragen, die Songs und die Popularität von Adam Green zu verstehen.
Deshalb ist der Text etwas unschlüssig und deshalb hatte ich mir etwas (nur etwas) mehr Moldy Peaches gewünscht: weil live nicht mehr war als Album vorspielen. Natürlich hatte er das Publikum auf seiner Seite und wahrscheinlich einfach darum, weil hier Stücke vorgetragen wurden, auf die sich alle einigen konnten. Ich denke, ein solches Nicht-Verstehen sollte erlaubt sein, gerade und vor allem bei treuen Fans.
PS. Ein unsympathischer Armeruderer ist jemand, der nur mit den Armen rudert, weil er denkt, es könnte sympathisch wirken.
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