Glam, Rock, Punk, Roll

Tigerbeat live mit Whyte Seeds

27.01.2004, 11:51, Text: Thomas Markus, Thomas Markus
[5 Kommentare]

23.01.04, Köln, Gebäude 9

Regnerisch und dunkel gestaltete sich der Kölner Freitagabend. In Schweden ist's jedoch zu dieser Jahreszeit noch um einiges dunkler als in diesen Gefilden, bleibt also noch mehr Zeit sich in eigenen vier Wänden über Outfits und das Rock-Revival Gedanken zu machen. Über beides haben die fünf Whyte Seeds genügend sinniert. Von 80er Jahre Ganz-Gesichts-Brillen, Sackos mit riesigen Streifen, engen Rollschuh-Disko-Nylonjacken in grün und überdimensionalen Cowboyhüten war alles vertreten, was im Rahmen des schlechten Geschmacks geboten werden kann.

Komplettiert wurde das ganze durch Rockzitate aus den 70ern und 80ern.

Bowie, die Stones, Velvet Underground und auch Springsteen-Anleihen wurden mit Hammond-Orgel-Sounds und Mitgröhl-Refrains verquickt und versuchten so, dem Publikum ein Zeitloch-Feeling und eventuell nostalgische Verzückung zu entlocken. Besonders Sänger Mick und Orgelant Tich mühten sich redlich, die zögerglich mitwippenden Anwesenden aus der Reserve zu locken. Da wurde mit den Knien der Bühnenboden geschrubbt, Arme gekreist und mit diabolischen Mimiken das Mikro beschworen. Die Whyte Seeds eröffneten den Abend mit einer gehörigen Portion skandinavischer Weirdness, die eine Rock-Abend nur weiterbringen kann.

Weniger durch einen bunten Mix als eher durch gediegene, schwarze Anzüge und Mod-Frisuren bestachen die Hamburger Tigerbeat. 'Sophisticated Sex Rock' sollte geboten werden. Der 'Sophisticated-Sex'-Part wurde zu großen Teilen von Sänger International Frehn und Drummer Jetlag SE übernommen. In geübtester Entertainer-Manier kokettierte International mit dem Publikum. Ausfall-Schritte und geschüttelte Haare fehlten ebenso wenig wie das nötige Quentchen Coolness, die die Garage-Punk'n'Roll-Nummern in die Position manövrieren, in der sie am effektivsten rüberkommen. Ein Plus sind dabei die ausschließlich mit dem Synthie gespielten Bässe, die Tigerbeat in Kombination mit rotzig-minimalen Riffs immer auch Tanzflächentauglichkeit attestierten. Schlagzeuger Jetlag bekräftigte im Zugabenteil seine eh sehr enthusiastische Darbietung mit einem Sturz in sein Drumkit. Ride-Becken kippten, der Snare-Ständer strauchelte und klar war in dem Moment, dass es an diesem Abend um körperlichen Einsatz und Handgemachtes ging. Das Rock-Revival kommt eben facettenreich daher. Glam, Rock, Punk, Roll, Soul - alles kann, und alles geht auch.



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  • User: bbsniggyg
  • bbsniggyg 27.01.2004 | 16:50:51

    Alles in allem ein gelungenes Konzert. Das Publikum war zwar durchweg etwas verhalten, aber die Jungs hatten richtig Spass und haben sich am Ende noch zu einer ausgedehnten "Jam-Phase" hinreissen lassen. Mal gespannt ob's in D'dorf auch so gut wird. Da spielen Tigerbeat im Feb. im Unique. So far..

  • User: Mark Kowarsch
  • Mark Kowarsch 27.01.2004 | 17:41:58

    ich durfte ja für beide Bands das Catering machen, selten so nette Menschen erlebt.
    Beide Bands toll - die WHYTE SEEDS etwas besser - auch auf Platte, finde ich

  • songs of death 27.01.2004 | 17:59:55

    das ist toll, mark! menschen sind immer nett!

  • ANIMUS 29.01.2004 | 13:05:03

    Also. Ich fand die Whyte seeds ja etwas besser, allerdings hat mich das ewig gleiche von denen einfach nur genervt. trotzdem fand ich die ganz gut. eigentlich hab ich mich auf tigerbeat gefreut (deren 1. album ich besser finde) und die haben mich maßlos enttäuscht. was zur hölle sollen solche dämlichen ansagen? und: bandvorstellen naja, aber dann sich slebst vorstellen hat für mich leider nix mit coolness zu tun. wenn dann auch noch der gedanke ans tinc plagiat aufkommt ists eh vorbei. danke.

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