
In der Kirche der Coolness
The Strokes live
16.12.2003, 14:51, Text:
Till Stoppenhagen,
Till Stoppenhagen
[34 Kommentare]
14.12., Berlin, Arena
Wenn die Strokes noch für etwas anderes stehen als gepflegten, gefälligen Minimal-Rock, dann ist es ohne Zweifel ein unschlagbares Wissen um die perfekte Selbstdarstellung. Mögen sie sich bei Interviews auch noch so zerrissen und von Selbstzweifeln geplagt geben: Bei ihrem Auftritt in der Treptower Arena ist davon nichts zu spüren – wenn man nicht will. Fünf stahlharte Profis.
Bloß nichts dem Zufall überlassen: Die Umbaupause dauert eine gute Viertelstunde länger als der ganze Auftritt. Viel passiert währenddessen zwar nicht – den Sound der Strokes hätte man wahrscheinlich auch in zehn Minuten in den Griff bekommen.
Folgerichtig steht die Menge kurz vorm kollektiven Schreikrampf, als die fünf Mittzwanziger in todschick schlecht sitzenden Anzügen endlich zu leisem Jazz auf die Bühne schlendern. Ohne großes Federlesen werden die Instrumente umgeschnallt, Julian Casablancas klammert sich in schiefer Haltung an seinen Mikroständer (eine Pose, die er den ganzen Abend lang nicht aufgeben wird) - und los. Knapp 60 Minuten für beide Alben, straight runter gerockt. Ohne lange Ansagen, ohne Abweichungen von den Studioversionen. Und auch ohne Fehler, weder beim Spielen noch beim Stageacting.
Während ein schmissiger Uptempo-Rocker nach dem anderen die Arena zum Zappeln zwingt, bricht die Bühnenshow der Strokes alle Statik-Rekorde. Jeder hat seine zugeteilten zwei Quadratmeter Standfläche. Das muss reichen. Julians Gesicht liegt ständig im Dunkeln, die anderen blicken die meiste Zeit zu Boden oder auf die Griffbretter. Konzentriertes Arbeiten. Sicherlich nicht leicht, sich angesichts 8.000 ausrastender Fans jede adrenalinbesoffene Rockstar-Pose zu verkneifen. Aber das hier kommt natürlich tausend mal besser. Ganz beiläufig wird irgendwann der letzte Song angekündigt: natürlich nicht „The End Has No End“, sondern “Take It Or Leave It” – Verdammt, die machen ja wirklich gar nichts verkehrt! Und so unaufgeregt wie Julian zum Schluss seinen Mikroständer übers Schlagzeug zieht und Albert Hammond jr. auf den Verstärker-Türmen herumturnt, passt sogar solch ein beknacktes Rock-Finale ins Programm.
Die Strokes wären nicht die Ersten, die versuchten, Unsicherheit und Versagensängste (man denke an den enormen Erwartungsdruck auf die aktuelle Platte) mit demonstrativer Coolness zu überspielen. Aber bei der Selbstverständlichkeit und Unaufdringlichkeit, mit der das geschieht – niemals. Die nicht. Die Strokes sind Götter. Zumindest sehen sie so aus.
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meteo 16.12.2003 | 15:41:58
nacknacknack of the free world
Nach dieser Beschreibung wage ich folgende These: Der unnötigste Konzertbesuch zur Zeit - unnötiger als Küblböck - wäre ein Gig der Strokes.
Oleandah 16.12.2003 | 15:47:46
@ meteo:
Bin absolut deiner Meinung.
Bokkus 16.12.2003 | 15:51:28
Haha, so ein Mistkonzert!
Oleandah 16.12.2003 | 15:51:29
Noch was:
Ich frage mich, wie lange die Vorband denn gespielt hat, wenn die Strokes schon nur 50 Minuten gemacht haben.
`Ne Viertelstunde?
Reverend 16.12.2003 | 15:54:35
war immer aufrichtig
Unnötig natürlich nicht, aber ich kann nicht verstehen, dass 8000 Leute 33€ für nicht mal eine Stunde Konzert bezahlen. Zumal sich ja offenbar seit dem 2001er Konzert nicht viel getan zu haben scheint.
Bokkus 16.12.2003 | 16:00:44
Scheisse schwimmt bekanntlich oben.
Manche Dinge sind erst richtig gut, wenn sie teuer sind (s. Markenware).
boss_hog 16.12.2003 | 16:16:02
Ja genau!
Musste spontan an Sigur Ros
Konzert beim letzten hurricane
denken. Nach 60 Minuten
entnervendem Umbaugefummel bin
ich gegangen als die band gerade
anfing. selten so ein gutes gefühl
gehabt...
Reverend 16.12.2003 | 16:19:02
war immer aufrichtig
Dass man 33€ zahlt und dann bei Konzertbeginn geht, finde ich natürlich noch unfassbarer.
PandaSteak 16.12.2003 | 16:38:53
ja gut, bei sigur ros sollte man schon nicht zu müde sein oder über Sitzplätze verfügen !
Soundbwoy 16.12.2003 | 16:43:47
Kill Your idols!
Da ist es mir ja noch lieber, Jeanette Biedermann beteuert, wie sehr sie ihr Fans doch liebe...
motorhorst 17.12.2003 | 10:21:32
Um Euch kurz in Eurem Ärger zu bestärken:
Ihr habt tatsächlich alle ein großartiges Konzert verpasst.
victorward 17.12.2003 | 10:58:44
Ich versteh die Vorwürfe nicht. Wie soll eine Band, die gerade mal eine Stunde auf Tonträger veröffentlicht hat, länger als eine Stunde spielen können? Und Konzerte sind generell ein teures Vergnügen. Egal ob für die Strokes oder für eine andere Band
Soundbwoy 17.12.2003 | 11:09:17
Ein Ticket-Preis für ein Konzert, sollte durch den Aufwand und die Qualität der Darbietung gerechtfertigt werden.
Ein einstündiges Konzert für 33 € ist egal bei welcher Band eine Respektlosigkeit gegenüber dem Publikum.
In früheren Zeiten hätte sowas bei einem kritischeren Fan-Mob zu "Saalschlachten" oder zumindest zu "Heulkrämpfen" geführt.
Manch Künstler vergisst, daß er, wenn er auf der Bühne steht, zu allererst Entertainer und erst dann was anderes ist.
victorward 17.12.2003 | 11:19:43
@Soundboy: Sehe ich auch so. Ich finde Konzertkarten auch völlig überteuert. Wenn man bedenkt, wieviel man noch vor 10 Jahren für Konzerte bezahlt hat, kann ich die Preissteigerung nicht nachvollziehen.
Aber ich bleib dabei: Der Vergleich, der in diesem Thread gezogen wurde (kurzer Auftritt - böse Strokes, weil die Karte so teuer war) ist ein Quatsch.
motorhorst 17.12.2003 | 11:22:00
Naja, zu Heulkrämpfen führt es ja auch hier.
Wenn das einzige Deutschland-Konzert in Berlin stattfindet sind aber sowieso schon viele Leute mit Anfahrtskosten geschlagen, die den Ticketpreis mehr als mariginal werden lassen.
Davon abgesehen dürfte man heute nach der Argumentation auf gar kein Konzert mehr gehen, wo sich die Preise in den letzen 5-10 Jahren mindestens verdoppelt, bei großen Bands oft verdrei- bis vervierfacht haben. Hatte gestern viele alte Eintrittskarten aus der Zeit Mitte der 90er in der Hand, ist wirklich unglaublich wie da die Maßlosigkeit um sich gegriffen hat.
Das Argument, dass eine CD nur gut ist, wenn sie 78 Minuten lang ist und ein Konzert nur dann, wenn es 2 Stunden plus 4 Zugaben dauert, hätte ich früher auch unterstützt. Jetzt nicht mehr. Ist eigentlich sogar ziemlicher Quatsch. Aber Geiz ist ja geil.
victorward 17.12.2003 | 11:23:35
Hat eigentlich jemand ein wenig Hintergrundwissen? Wer verdient wieviel an einer Konzertkarte - wenn man mal Bands wie die Stones mit ihren Spezial-Verträgen außen vor lässt.
Soundbwoy 17.12.2003 | 11:24:45
Böse Strokes, weil das Konzert so kurz war...der Ticket-Preis ist das Sahnehäubchen.
Soundbwoy 17.12.2003 | 11:26:52
Die Fixkosten für so ein Konzert sind, weltweit relativ stabil: Die Gage für die Band ist sowieso festgelegt; hier sind Gigs so teuer, wegen der Steuern, die der Konzertveranstalter draufschlagen muss, damit die Band ihre feste Gage auf die Kralle bekommt.
Oleandah 17.12.2003 | 12:16:34
Und wenn die Strokes ´ne coole Band wären, würden sie sagen:
"Die Leute bezahlen sauviel Geld, um uns zu sehen, also spielen wir einfach mal 90 Minuten."
Sollense halt ein bisschen Velvet Underground covern.
Obwohl: das tun die ja auch so schon genug auf Platte.
Exocet 17.12.2003 | 12:29:48
Man ersetzte das Wort "stilvoll" am Ende des 2. Absatzes durch "nervtötend/arrogant". Sonst ok.
The_Cappucino_Kid 17.12.2003 | 16:44:30
ich kann soundbwoy nur zustimmen.aber das betrifft ja nicht nur die strokes.denke man an travis mit 38 euro.nee danke!!es wird anders herum aber auch niemand gezwungen diese preise zu zahlen.und wenn es niemand mehr machen würde,dann müsste vielleicht doch mal über gewisse änderungen nachgedacht werden.
sollen tatsächlich 8000 leute in der arena gewesen sein?soweit ich es mal gelesen habe passen,trotz umbau, nur 7500 personen in rein.meiner meinung waren nicht mal die da,denn die halle ist am sonntag alles andere,als aus ihren nähten geplatzt.
Bokkus 17.12.2003 | 17:57:11
Ich versteh die Vorwürfe nicht. Wie soll eine Band, die gerade mal eine
Stunde auf Tonträger veröffentlicht hat, länger als eine Stunde spielen
können? Und Konzerte sind generell ein teures Vergnügen. Egal ob für die
Strokes oder für eine andere Band
--> Also, als ich 02/1997 Nada Surf gesehen habe, die zum damaligen Zeitpunkt ein Album raus hatten (ca. 35 min), spielten diese dennoch ueber 90 min - OHNE sich zu wiederholen.
Ich denke, die trendy Strokes haben bestimmt auch noch mehr Material.
Allerdings ist nach 60 min das Risiko verschwitzter Shirts wohl zu hoch.
Soundbwoy 17.12.2003 | 18:02:30
Es gibt eh keine Bands mehr, die sich jahrelang den Arsch abgespielt haben und dann erst erfolgreich wurden.
Heutzutage ist man nach ein, zwei Alben schon eine Headliner-Band (Strokes, Phoenix, Air u.v.a.).
Ungerechte Welt... :)
suic 18.12.2003 | 16:39:35
arab on radar
seid doch hysterisch. sind eben die strokes..
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