13.6.03, Gebäude 9, Köln
16.06.2003, 09:07, Text:
Christian Steinbrink,
Christian Steinbrink
In einer kurzen Pause zwischen zwei Songs brüllt Jens Rachut in sein Mikrophon: “Hallo Köln! Wir machen das so, wir spielen keine Zugaben, wir spielen unser Set einfach runter. Die Liste ist noch lang. Was soll denn der Mist?“ Das war nach einer knappen halben Stunde des Oma Hans – Sets, und da war das Publikum im Gebäude 9 schon heiß gelaufen. Ja, was soll denn der Mist, auf irgendwelchen Festivals in seinem eigenen Dreck zelten, eklige Promotion über sich ergehen lassen müssen, überteuertes Bier kaufen und keine eigenen Flaschen mitbringen dürfen? Sagt der Punk in mir. Und Rachut, jedenfalls so ähnlich. Der ist bekannt aus einigen der heißesten Topics, die Punk in den letzten Jahrzehnten zustande brachte, nämlich Blumen am Arsch der Hölle, Angeschissen und Dackelblut.
Und so macht er mit seiner aktuellen Band
Oma Hans auch statt abgefuckter Festivalauftritte eine kleine Clubtour im Sommer. Rachut schwitzt heftig unter seiner Pappkrone, die ihm wohl zusteht. Er bewegt seine Fleischerstatur auf der Bühne so anmutig wie sonst keiner im Punk. Flankiert vom Rest seiner Truppe. Sie spielen derben Punkrock, kurze Stücke, immer voll auf die zwölf, direkte Texte. Ganz einfach, aber dennoch unerreicht. Eigentlich könnte man diese Punkband auch ein wenig skeptischer gegenüberstehen, denn keine wird wie sie im Indie-Referenzkosmos so hofiert, aber gleichzeitig ist keine Punkband für die Journaille so unerreichbar weit entfernt, und das stellt ihre relativ große Medienpräsenz ja in ein ganz anderes Licht. Sucht mal nach Interviews mit ihnen, ihr werdet nichts finden. So bleiben Interessierten nur die Konzerte, um sich der Band zu nähern, die Platten und das umwerfende Merchandising – Angebot aus Unterhemden, Bademänteln, 80er Jahre Sporthosen und Geschirrhandtüchern. Mit all ihrer Routine, ihrem Humor und ihren Prinzipien sind
Oma Hans wohl so ziemlich die einzigen, die es durch die eng gewordenen, sich durch die Jahre schlängelnden Pfade des ernstzunehmenden Punkrock hindurchgeschafft haben. Das bewiesen sie an diesem Abend zum wiederholten Mal. Denn ihr Konzert war grandios, bot alles, was es brauchte, um Punk auch 2003 noch wirkungsvoll zu gestalten: Die Songs der beiden Alben „Bremen-Zürich-Karlsruhe“ und „Trapperfieber“ + die ein oder andere Coverversion. Einen übergroßen Stoffhasen, wilde Tänze und Enthusiasmus. Nicht zu vergessen coole Gesten. Auch einen sorgfältig ausgewählten Support, nämlich Atom & His Package, einem kauzigen Typen aus Philadelphia mit eingespielten Songfragmenten, seiner Gitarre und jeder Menge Humor und Punk im Blut. Und noch so einiges mehr. Für solche Abende lasse ich ohne Probleme auch ganze Drei - Tages - Line-Up’s sausen.
Foto:
www.schiffen.de
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