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Blur

over Hyde Park

22.07.2009, 13:43, Text: Thomas Venker

Als Ende letzten Jahres die News die Runde machte, Blur hätten sich wieder zusammengefunden, wollte man das nicht so recht glauben. Zu weit hatten sich Gitarrist Graham Coxon und der Rest der Band Anfang dieses Jahrhunderts voneinander entfernt, zu viele unschöne Worte gab es seitdem zu vernehmen. Und zu groß war der Erfolg von Sänger Damon Albarn und seinen Projekten Gorillaz und The Good, The Bad & The Queen, bzw. zu lahm war Bassist Alex James geworden in seiner Postdrogen-Scenister-Existenz. Einzig Schlagzeuger Dave Rowntree war sich treu geblieben - in seiner Unauffälligkeit -, passenderweise arbeitet er derzeit als Anwalt.

Nun, ausnahmsweise entpuppten sich die Gerüchte als wahr. Sehr zur Freunde der Fans. Die Ticketnachfrage nach dem Hyde-Park-Konzert war so groß, dass umgehend ein Zusatzkonzert angesetzt werden musste. Es sind zwar nicht die ersten Konzerte, die fanden am 13.06. im East Anglian Railway Museum und am 15.06. im Rough Trade Store statt, und sie sind sicherlich auch nicht so intim wie diese, aber die Shows im Hyde Park haben dennoch ihren ganz eigenen Zauber.


Hier und heute kehrt die Band mit dem angemessenen Megaspektakel zurück - der Glastonbury-Auftritt am Wochenende zuvor war quasi das Warmglühen. Das beginnt schon bei der Location - amtlicher geht nicht, schon gar nicht mit jeweils 55.000 Zuschauern - und endet beim an beiden Abenden exzellenten, von der Band kuratierten Rahmenprogramm. Den gestrigen Auftritt eröffneten die Foals, Friendly Fires, Crystal Castles und das Hypnotic Brass Ensemble, heute bereiten Vampire Weekend, Amadou & Mariam, Florence & The Machine und Deerhoof den Boden. Doch so gut sie auch teilweise sind, das Kribbeln unter der Haut gilt anderen. Und auch das Wetter, die alte britische Diva, spielt mit: Sonne, nichts als Sonne.

Um 20:10 Uhr ist es dann endlich so weit: Blur betreten die Bühne. Damon wirkt frisch, nicht zuletzt, da wieder deutlich schlanker, auch Alex sprintet agil ein, einzig Graham scheint in der Nacht zuvor etwas zu tief ins Whiskyglas geblickt zu haben. Egal, alles nur Äußerlichkeiten, was zählt, ist die Musik. Das Set beginnt mit der allerersten Single der Band, "She's So High", schnell gefolgt von "Tracy Jacks" - und schon jetzt gibt es kein Halten mehr beim durchweg eher älteren Publikum: Viele, zu viele singen mit, was zwar gut für die Stimmung ist, angesichts der leider etwas sehr leisen PA aber Albarn manchmal untergehen lässt. Und wenn schon genörgelt wird: Was für eine absurde Unart mancher britischer Konzert-Hools ist es bitteschön, halbvolle (Plastik-) Bierflaschen durch die Gegend zu werfen? Pffff ... Aber zurück ins Set, das auch im Folgenden keinen Wunsch offen lässt. Man merkt deutlich: Hier und heute steht eine Band auf der Bühne, die jeden an ihrer neu gefundenen Harmonie teilhaben lassen will. Repräsentativ der stimmungsvolle Schlussspurt mit "Popscene", "Advert", "Song 2", "Death Of A Party", "For Tomorrow" und schließlich "The Universal". Da bleibt nur eins zu sagen: Well done, Sirs. Sehr gut abgeliefert.

In den nächsten Wochen spielen Blur noch den einen oder anderen Festivalauftritt - und dann, tja, dann wird Bilanz gezogen. Wohin das alles führen kann, haben Alex James und Graham Coxon allerdings neulich in einer sehr nostalgischen - da voller Erinnerungen an frühe Pubauftritte und lustige Anekdoten auf dem Weg in den Britpop-Olymp - 6-Music-BBC-Sendung von Steve Lamacq angedeutet: Man jamme sich zwar im Studio derzeit nur durch die alten Songs, so Coxon, "aber es ist sicherlich nicht schwer, Songs zu entwickeln, die nicht die alten sind". Nun, warum geradlinig antworten, wenn es doch umständlicher viel mystischer rüberkommt? Manchmal wählen Künstler dann aber doch die direkten Worte: "Es geht uns nicht darum, die Sachen nur für diesen Sommer wieder aufzuwärmen. Das wäre nicht richtig. Aber wir wollen uns auch nicht unter Druck setzen. Zunächst geht es darum, Spaß mit den Gigs zu haben, und dann denken wir weiter." Das mit dem Spaß hat ja gut geklappt, insofern denkt mal weiter, Jungs.

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aus Intro #174 (August 2009)
 
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