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Bloc Party

Russell Lissack im Interview auf dem Primavera

15.07.2009, 16:42, Text: Intro

Die sympathischen Jungs von Bloc Party haben ja so was wie ein Titelabo bei Intro - und das völlig zu Recht, bieten sie doch nicht nur jazzig aufgebrezelte Hits, sondern auch ordentlich Diskurs-Substanz. Für Intro haben sie mit dem Primavera Festival das neben dem Melt! beste Festival Europas dokumentiert.

Was war dein erster privater Festivalbesuch - und welches Festival hast du zuletzt privat besucht?
Das erste war das V Festival. Da bin ich mit Freunden hingefahren, aber nur für einen Tag, also nicht mit Campen. Das Line-up damals war toll: Beck, Placebo, Prodigy. Zuletzt war ich auf dem Rock am Ring, das war letzte Woche, aber da ging es um Arbeit.


Was war das beste Livekonzert (oder der beste Festivalauftritt) deines Lebens? (nicht die eigene Band!)
Der Auftritt von R.E.M. 1998 beim Glastonbury. Sie schafften es, alle gut drauf zu bringen, obwohl es mal wieder eine dieser typischen Glastonbury-Schlammschlachten war.

Welchen Star deiner Jugend hast du mal auf einem Festival kennengelernt?
Ich traf Brett Anderson und Bernard Butler von Suede, als sie mit den Tears auftraten. Ich war damals ziemlich betrunken und habe sie die ganze Zeit angerempelt - aber sie waren sehr nett, haben sich sogar lange mit mir unterhalten.

Welche Krankheiten/Verletzungen hast du dir auf Festivals schon eingefangen?
Ich hatte bislang Glück und bin noch nie auf einem Festival krank geworden. Na ja, wenn man nachts um vier betrunken durch die Gegend torkelt, dann fühlt man eh nicht mehr viel.

Hattest du schon mal Sex auf einem Festival?
Wohl dem, der danach was zum Abwischen hat.

Was würdest du gerne auf euren Rider schreiben - traust dich aber nicht?
Auf unserem Rider steht viel zu viel - wir müssen also eher einiges runterstreichen. Bislang habe ich es immer geschafft, einige Flaschen für meine Hausbar mit heimzubringen.

Was war das Schlimmste, was du beim Catering je vorgesetzt bekommen hast?
Ich bin Vegetarier, das macht es auf Festivals oft sehr schwer. Oft verlasse ich den Backstagebereich und kaufe mir einfach was draußen an einem der Büdchen, Falafeln gibt es eigentlich immer. In Frankreich bekam ich neulich vier Päckchen mit blankem Tofu. Ich habe eine Ahnung, was sie dachten, was ich damit machen soll. Ich hätte mir ja gerne selbst was gekocht, aber wie soll das vor Ort gehen?

Wie äußert sich bei dir Lampenfieber?
Normalerweise trinken wir uns mit ein paar Shots Mut an - wir nennen das "dutch courage".

Was ist deine schlimmste oder beste Anekdote zum Thema Open Air?
Als wir das erste Mal Glastonbury spielten, habe ich den großen Fehler begangen und mich vor unserem Auftritt bereits auf den Spirit of Glastonbury eingelassen. Unnötig zu erwähnen, dass ich zwölf Stunden später ohne Schuhe, Hemd und bis zum Hals mit Schlamm bedeckt war - es war gar nicht so leicht, so durch die Flughafen-Security zu kommen, um zum nächsten Festival anzureisen. Das empfehle ich keinem.

Wo gibt es das schlechteste Festival-Publikum der Welt?
Wenn ich das beantworte, werden wir nicht mehr eingeladen. Lass es mich so sagen: Amerikanische Festivals können schon merkwürdig sein, da sie oft auf Parkplätzen stattfinden und nicht auf schönen Feldern - nicht gerade hilfreich für die Atmosphäre.

Welche andere Band würdest du Backstage am liebsten mit einem Fausthieb begrüßen?
Haha, die Fratellis. Mir fallen da mehrere Gründe ein, aber brauch ich überhaupt einen?

Auf welchem Festival bleibst du gern länger, als es das Schedule nötig machen würde?
Normalerweise in Reading, da ich da um die Ecke wohne und mich so mit Freunden treffen kann.

Was sollte man auf einem Festival tunlichst vermeiden?
Mein Tipp: Keine feste Nahrung zu sich nehmen bzw. alles vorher ausscheiden, dann muss man die Toiletten nicht benutzen.

Was hingegen sollte man auf einem Festival unbedingt tun?
Neue Freunde finden.

Gibt es einen Song in der eigenen Setlist, vor dem du regelrecht Bammel hast?
Nicht wirklich. Nur wenn wir einen ganz neuen Song spielen, kann es mal unangenehm werden, alles andere ist so tief in uns drin, haben wir so oft gespielt, da kann nichts mehr schiefgehen.

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aus Intro #174 (August 2009)
 
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