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Vorwürfe gegen Ethan Kath von den Crystal Castles

Nichts ist gut in Indiehausen

Gibt es denn überhaupt keine Schutzräume? Auch unsere Lieblingsbands sind von #MeToo betroffen. Als Opfer oder als vermutliche Täter. Julia Brummert fragt sich, wie man damit umgehen soll.
Geschrieben am
Im Zuge von #MeToo äußern sich immer mehr Künstlerinnen und sprechen öffentlich über Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch. Eine von ihnen ist Alice Glass. Die ehemalige Crystal-Castles-Sängerin hat ein Statement veröffentlicht, in dem sie Ethan Kath, dem zweiten Gründungsmitglied von Crystal Castles, sexuellen und psychischen Missbrauch vorwirft. Wie so viele vor ihr schreibt sie, dass sie sich durch die zahlreichen Frauen, die aktuell ihre Geschichten erzählt haben, dazu ermutigt gefühlt habe, sich selber ebenfalls zu öffnen, »egal zu welchem Preis«.

Glass schildert sehr detailliert, was zwischen ihr und Kath vorgefallen sein soll, es geht um Fälle von sexuellem Missbrauch, aber auch um andere Formen körperlicher und psychischer Gewalt. Glass wirft Kath vor, sie systematisch manipuliert zu haben: »As we started to gain attention, he began abusively and systematically targeting my insecurities and controlling my behavior: my eating habits, who I could talk to, where I could go, what I could say in public, what I was allowed to wear.« Sie beschreibt einige weitere Situationen, die Rede ist immer wieder von Misshandlungen und Missbrauch. Die ganze Geschichte mit all ihren schmerzhaften Einzelheiten gibt es auf Alice Glass’ Homepage nachzulesen.
  Ethan Kath streitet die Vorwürfe ab, er sagt, sie seien »pure Fiktion« und es gäbe Zeugen, die das belegen könnten. In einem Statement bei Pitchfork heißt es: »I am outraged and hurt by the recent statements made by Alice about me and our prior relationship. Her story is pure fiction and I am consulting my lawyers as to my legal options. Fortunately, there are many witnesses who can and will confirm that I was never abusive to Alice.«   Ähnlich verhält es sich mit PWR BTTM. Im Frühjahr, also bereits einige Monate vor #MeToo erhob eine Frau Vorwürfe gegen eines der Bandmitglieder. Die Plattenfirma hat den Vertrag mit der Band gekündigt und die Alben von PWR BTTM wurden von verschiedenen Streaming-Plattformen entfernt.
Weitere aktuelle Fälle sind der von Matt Mondanile, solo als Ducktails unterwegs und Gründungsmitglied von Real Estate, der offenbar wegen »sexuellen Fehlverhaltens« aus der Band geworfen wurde. Gerade erst hat die Musikerin Julia Holter sich zu dem Fall geäußert und sehr reflektiert nicht nur über ihre eigenen Erfahrungen geschrieben, sondern auch thematisiert, wie schwierig der Umgang mit solchen Geschichten ganz allgemein ist. 
Mondanile ließ, ähnliche wie Kath, über seine Anwälte ein Statement verbreiten:

 »[...] Matt realizes that in his eagerness for physical contact and gratification, he has been far from sensitive in his pursuit of women. However, Matt’s attorneys insist that it should be known that for each of the instances described in the media and online, there are two sides to these stories.«

Steven Ansell von den Blood Red Shoes wird von einem Fan vorgeworfen, ihr bei einem gemeinsamen Foto an den Po gefasst zu haben und diese Masche regelmäßig vor allem mit jungen Frauen abgezogen zu haben.
Nicht ganz so Indie, aber trotzdem unser Kosmos: Marylin Manson hat kürzlich seinen Bassisten Twiggy Ramirez entlassen, nachdem Vergewaltigungs-Vorwürfe erhoben wurden. Auch er hat sich mittlerweile geäußert.

Das sind nur einige aktuelle Beispiele. In vielen Fällen handelt es sich hier erst mal um Vorwürfe, angeklagt und verurteilt wurden die meisten bislang nicht. Bei Conor Oberst stand zum Beispiel auch mal im Raum, dass er eine Frau sexuell belästigt habe – ein Vorwurf, der sich als falsch herausgestellt hat.
Das heißt, wir müssen erst mal abwarten, wie sich die Dinge entwickeln, was Ermittlungen ergeben und ob es zu Gerichtsurteilen kommt. Trotzdem hinterlassen solche Nachrichten und Vorwürfe Bauchschmerzen.

Wie geht man damit um, wenn Lieblingsbands sich als Arschlöcher herausstellen? Ich jedenfalls bekomme Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie ich letztes Jahr beim Festival gut gelaunt mit dem Bier in der Hand den Crystal Castles zugeguckt habe. Das erste PWR BTTM Album fand ich auch richtig gut.
 

Überraschend ist die Tatsache, dass es auch in unserer kleinen feinen Indie-Blase solche Arschlöcher gibt, ganz bestimmt nicht. Sowieso, die große Resonanz auf #MeToo ist wenig überraschend. Machtverhältnisse und Idioten, die sie schamlos ausnutzen, gibt es überall. Ätzend ist es trotzdem.

Vielleicht bringt es nichts, die Platten jener Bands und Künstler zu verbrennen, aber es bringt etwas, sich noch einmal vor Augen zu führen, dass sich solche Probleme durch alle Bereiche der Gesellschaft ziehen. Was wir tun können ist: Die Augen offen halten, aufeinander aufpassen, ansprechen, wenn wir mitbekommen, dass jemand dumm angemacht wird. Nehmt solche Situationen ernst. Und das ganz besonders auch in »unserer« Lebenswelt, denn das ist der Ort, an dem wir wirklich und unmittelbar Einfluss nehmen können. Wenn man nicht vor der eigenen Tür anfängt zu fegen, ist schon bald das ganze Treppenhaus verdreckt.

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