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Bolognese und Balladen

Kochen mit Prinz Pi

Nach langjähriger Pause feiert unsere Rubrik »Kochen mit« ihr Revival. Dafür zeigt Prinz Pi wenige Tage nach dem Release seines Albums »Nichts war umsonst«, was man aus der guten alten Spaghetti Bolognese alles rausholen kann, und erklärt Daniel Koch, warum Kochen für ihn männlicher ist als Gangster-Rap und Knast-Karriere. Zum Nachtisch gibt’s Cashew-Eis.
Geschrieben am
Wir treffen uns in einer schicken Wohnung in der Nähe des Treptower Parks in Berlin. Ich bin nervös: Es sind große Fußstapfen – oder sagen wir: Backofenhandschuhe –, in die ich hier steige. Meine Vorgänger – der ehemalige Chefredakteur Thomas Venker und sein Kollege Linus Volkmann – haben sich schon von Persönlichkeiten wie den Beastie Boys, Depeche Mode und Kate Nash bekochen lassen. Der Fotograf und die zwei Kameras, die um uns herumwuseln, machen mich auch nicht gerade ruhiger. Zum Glück ist Prinz Pi der wohl dankbarste Gast, den man sich vorstellen kann. An Herd, Mikro und Messer ein Könner, eilt ihm der Ruf voraus, ein ziemlich versierter Koch zu sein – während ich nur so heiße.

Allerdings frage ich mich genau deshalb: Warum zum Henker gibt es dann Spaghetti Bolognese? »Ich finde, Bolognese ist so ein Soulfood-Essen. Das kennt jeder. Das kann jeder. Aber gerade deswegen lässt sich daran besonders gut zeigen, dass man es am besten kann.« Da ist sie also: die Anwendung der Battle-Rap-Philosophie am Beispiel der Bolognese. Tatsächlich sieht Prinz Pi hier eine Parallele zum Musikmachen: »Das ist genauso, wie wenn du eine Ballade schreibst. Haben auch schon viele gemacht, aber wenn das deine Stärke ist, sieht man eben, dass du gut darin bist – weil dieses Genre so vergleichbar ist. So ist das auch beim Kochen: Wenn ich so 'nen total seltenen Fisch kaufe, den schon drei Tage vorher mariniere und dann mit Kochgeräten zubereite, die kein normaler Mensch hat, dann sagen alle: Ha, das könnt ich auch, wenn ich es mir leisten könnte.«
Bild: Christoph Neumann
Erschwerend kommt bei der Disziplin »Bolognese« hinzu, dass Prinz Pi in Konkurrenz mit meinen Kindheitserinnerungen tritt. Allein beim Gedanken an Bolognese sitze ich gleich wieder achtjährig und hungrig am Tisch und denke: »So gut wie die Bolo meiner Mutter schmeckt keine andere.« Prinz Pi jedoch beweist das Gegenteil. Während er routiniert den Pancetta, die Karotten und den Staudensellerie bearbeitet und anbrät, sagt er: »Meine Mutter hat mir oft diesen Tiefkühlscheiß gemacht. Das ganz üble Frosta-Zeug. Ich glaube, das hat mich auch motiviert, selbst kochen zu lernen. Ich hasse Tiefkühlkram noch immer. Vor allem Pizza. Die kannst du so schnell und so viel besser selbst machen.« Die Sauce und die Nudeln – eine besondere Monsanto-freie Sorte, die Prinz Pi im Ausland bestellt – köcheln vor sich hin. Zeit, den Mixer anzuwerfen für den Nachtisch: Cashew Gelato. Wichtigste Zutat hier: »In Kreuzberg gibt es einen türkischen Händler, der diese gerösteten Cashews verkauft. Die sind unschlagbar. Wer da wohnt und Ahnung von gutem Essen hat, wird den kennen.« Auf der Suche nach einer Tischwaage gesteht er lachend: »Ich brauch die leider. Einige meiner Rapkollegen können dir 100 Gramm mit der Hand abwiegen, ich leider nicht.«
Bild: Christoph Neumann
Ich wäre beim Kochen gerne so tiefenentspannt wie Prinz Pi. Vor allem, wenn ich neue Gerichte probiere, reagiere ich auf Gesellschaft eher gereizt und dünnhäutig. »Für mich hat Kochen etwas Meditatives«, sagt Prinz Pi. »Ich mag es, wenn ich in diesem Flow bin. Und ich kann es nicht leiden, wenn einer dabei Hektik verbreitet oder andere anpampt. Das ist für mich ein Zeichen von Schwäche.« Autsch. Aber stimmt natürlich.

Und ein gutes Stichwort: Prinz Pis Songs auf dem neuen Album lassen sich formal zwar noch dem Genre HipHop zuordnen, erinnern inhaltlich aber an vielen Stellen eher an erwachsenen Pop und sind oft sehr reif und nachdenklich. Verspielt er nicht gerade hier am Herd noch mehr Street Credibility – und das, obwohl ein paar »härtere Kollegen« ihm sowieso schon vorwerfen, gesetzter und sesshafter geworden zu sein? »Für mich hat Kochen viel mit Männlichkeit zu tun. Ich weiß, im Rap giltst du als ein harter Typ, wenn du im Knast warst, Scheiße gebaut hast, dich prügelst, krasse Freunde hast. Meine männlichen Vorbilder waren aber immer Menschen, die mir etwas zeigen konnten. Die das Gefühl ausstrahlten, das Wichtigste, was man im Leben so braucht, selbst zu können. Ich mag es, wenn ich mein Auto selbst reparieren kann, wenn es ‘ne Kleinigkeit ist. Oder meine Heizung. Und so ist es auch mit dem Kochen. Ich bin gerne selbstständig. Ich will das können.«
Bild: Christoph Neumann
Das gesamte Team isst nach der Koch- und Fotosession gemeinsam an einem großen Tisch. Wie der Geruch schon vermuten ließ, sind die »Bolognese Ultra« und das Eis ein Knaller. Erstere hat Prinz Pi mit Chili-Schoten aus eigener Zucht veredelt, Letzteres schmeckt vor allem durch die sehr leckeren Kerne und die leichte Salznote im Eis sehr speziell und so gar nicht nach Eisdiele. Eine angenehme Runde und vielleicht ein sicherer Rahmen für die etwas heikle Frage, ob es ihm eigentlich noch etwas ausmache, dass seine letzten Alben immer auf Platz 1 oder 2 in den Charts landen, aber jedes Mal auch ein großes Rudel Hater auf den Plan rufen. »Ach«, sagt Prinz Pi. »Hater wird es doch immer geben. Die werde ich nie überzeugen können, und viele von denen hören nicht mal die Musik, die sie so verachten.« Recht hat er – und wer weiß, vielleicht könnte er den einen oder anderen ja zumindest mit seiner Bolognese Ultra überzeugen.
Bild: Christoph Neumann
Bolognese Ultra

 Für 4 Personen:
500g Rinderhackfleisch
200g Pancetta, wenn möglich ungeräuchert
600g Spaghetti aus Hartweizengrieß
3 mittelgroße Karotten
3 Stangen Staudensellerie
1 Tube Tomatenmark
750g Dosentomaten
1 TL Zimt
1 EL Zucker
150ml Portwein
300ml kräftiger Rotwein

In einer beschichteten Pfanne den Pancetta mit etwas neutralem Öl, am besten als Spray, bei starker Hitze zerlassen. Das Hackfleisch dazugeben und anbraten, bis sich eine erste braune Kruste bildet. Den Portwein mit dem Rotwein vermischen und in mehreren Schritten dem Fleisch zugeben. In einer zweiten beschichteten Pfanne bei mittlerer Hitze die zerkleinerten Karotten in neutralem Öl anbraten. Nach ein paar Minuten den zerkleinerten Sellerie zugeben. Wenn das Gemüse Farbe angenommen hat, das gesamte Tomatenmark beigeben. Durchmischen und anbraten, bis das Tomatenmark schwarze Röststellen bekommt. Beides in der größeren Pfanne miteinander vermischen und Dosentomaten zugeben. Zucker und Zimt einrühren und aufkochen lassen. 30 Minuten bis zwölf Stunden simmern lassen. Wasser nach Bedarf und Konsistenzwunsch zugeben. Nicht salzen.
Bild: Christoph Neumann
Cashew Gelato

250g geröstete Cashews für das Mus
100g geröstete Cashews zum Bestreuen
300g Vollmilch
85g Rohrzucker
1 Eigelb
1 Prise Salz

Milch und Zucker in einem Topf verquirlen und auf 70 Grad erhitzen, dann beiseitestellen. Cashewmus in einem Gefäß für trockene Zutaten herstellen und in ein großes Blendergefäß für Flüssigkeiten umfüllen. Milch, Salz und Eigelb zugeben und sofort zehn Sekunden auf höchster Stufe mixen, damit das Ei nicht stockt. Dann in die Eismaschine füllen und am Ende mit gehackten Cashews bestreuen. Sofort servieren.

Prinz Pi

Nichts war umsonst

Release: 03.11.2017

℗ 2017 Keine Liebe Records

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