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»Wir wollten keinen Mittelfinger, wir wollten Sachlichkeit«

Jennifer Rostock über ihren AfD-Song

Unser Autor Christian Schlodder traf am Mittwochmittag Sängerin Jennifer Weist, Keyboarder Joe Walter und Bassist Christoph Deckert von Jennifer Rostock zum Interview. Eine gute Gelegenheit, um mit ihnen auch über ihren AfD-Song zu sprechen, der gerade im Netz Wellen schlägt und den sie nicht zu Unrecht »den vielleicht sachlisten Song, den es über die AfD gibt« nennen. 
Geschrieben am
Eigentlich sollte der Anlass des Interviews mit Jennifer Rostock natürlich das kommende Album »Genau in diesem Ton« sein – und die Feststellung, dass sich ihr Ton in den letzten Jahren nach und nach geändert hat und sie immer deutlicher politisch Stellung beziehen. Das tun sie oft auf eine sehr direkte und ehrliche Weise, die verbunden mit ihrer Reichweite spürbare Wellen schlägt. Genau das passiert dieser Tage wieder mit ihrem sehr cleveren Song über die AfD: Von den Musikmagazinen bis zur von der Band ungeliebten BILD-Zeitung singen alle: »Nur die dümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber«. Bevor wir in der Oktoberausgabe unseren Magazins das Gespräch vertiefen, hier schon mal ein Auszug aus dem Interview:  

Habt ihr heute schon mal auf euren Facebook-Account geschaut?

Jennifer Weist: Neeeeiiin, natürlich nicht. Aber mal im Ernst: Das ist schon Wahnsinn, was das für Kreise zieht. Wir freuen uns darüber natürlich. Wir wollten viele Menschen erreichen und vielleicht den ein oder anderen zum Nachdenken zu bringen. Zumindest ersteres haben wir erreicht.   

Genau das frage ich mich: Meint ihr wirklich, dass es die richtigen Leute erreicht?

Joe Walter: Das ist natürlich schwierig. Man kennt das ja auf Facebook: Da erreicht man mit politischen Posts oft nur die Leute, die einem eh applaudieren, weil sie mit dir einer Meinung sind. Diesmal kann man an den Kommentaren sehen, dass wir diese Meinungsblase längst hinter uns gelassen haben, weil es so oft geteilt und verbreiten wurde. Da preschen jetzt zwar auf AfD-Freunde gegen, aber wenigstens wird auch darüber diskutiert, weil wir mal Fakten benennen und versuchen, sachlich zu bleiben. Vielleicht ist das sogar der sachlichste Song, der je über die AfD geschrieben wurde.
Jennifer: Wir sagen in den Strophen wirklich nur das, was in ihrem Parteiprogramm steht ...
Joe: ... und picken eben die Stellen, die sonst nicht im Mittelpunkt stehen. Die AfD inszeniert sich ja immer als die »Partei der kleinen Leute«, ist aber laut Wahlprogramm genau das Gegenteil. Eher eine braune Version der FDP. Das wissen viele Wähler nicht, weil sie die nur aus Protest gewählt haben. Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt gab es Umfragen, die belegen, dass weit über 50% der Wähler das nicht wussten. Deshalb hilft es wenig, wenn man einfach alle potentiellen AfD-Wähler verurteilt. Man muss sie anders erreichen und versuchen, sie zum Nachdenken zu bringen.
Christoph: Der Internet-Trend war aber eher sich über »den kleinen Mann« lustig zu machen, und seine Rechtschreibfehler zu korrigieren. So kommt es natürlich nie zu einer sachlichen Debatte, wenn du die Leute einfach ausschimpfst.
Joe: Genau. Deshalb war der Song letztendlich der Versuch, da Sachlichkeit reinzubringen und nicht schon wieder den Mittelfinger auszupacken.
Wann habt ihr den Song denn eigentlich geschrieben?
Joe: Vorletzte Woche. Wir waren mit Feine Sahne Fischfilet im Rahmen der »Komplett im Arsch«-Tour bei einer Aktion Wolgast dabei. Wir sind da zusammen in eine Schule gegangen ...
Jennifer: ... haben mit den Kids gesprochen und gehört, wie das Thema AfD da gesehen wird. Wir haben sehr interessante Gespräche darüber geführt und so kam der Impuls zustande, dass wir mal was machen müssten. 
Joe: Die Frage ist ja immer: Was kann ich als Musiker überhaupt tun? Feine Sahne haben da extrem gut vorgelegt und an den Orten, auf die es ankommt, tolle Sachen gemacht – das ist jetzt eben unser kleiner Beitrag.  

Die nächste Wahl ist ja schon am Wochenende in Mecklenburg-Vorpommern. Kam der Beitrag vielleicht sogar zu spät?
Christoph: So was kann eigentlich nicht zu spät kommen. Bei dem Kurzzeitgedächtnis, den viele Leute durch die permanenten aufgeregten Diskussionen im Internet heutzutage haben, kommt es eher genau richtig. Das ist noch frisch in den Köpfen, wenn am Sonntag gewählt wird. 

Jennifer Rostock

Genau in diesem Ton

Release: 09.09.2016

℗ 2016 Jennifer Rostock under exclusive license to Four Music Productions GmbH

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