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Fernbus

First World Problems #257

Einmal im Leben umgehört, und schnell wird klar: Selbiges ist kein Zuckerschlecken! Es folgt eine neue Ausgabe viel diskutierter First World Problems. Irgendwas ist doch immer, findet Lukas Diestel. Zum Beispiel Fernbus.
Geschrieben am
Wenn sich der Staub der Sitzplatzkämpfe gelegt hat, die Tränen derer getrocknet sind, die bis zuletzt dachten, sie hätten zwei Sitze für sich allein, und der Fernbus langsam ins Rollen gekommen ist, entsteht in seinem Inneren kurzzeitig eine angespannte Stille. Welcome im Fernbus-Inferno! Seit fast fünf Jahren darf man sich im BUSiness zwischen Meinpestbus und Deutscher Cholera entscheiden. Mittlerweile merkt man den Passagieren ihre Erfahrung an – besonders eine ganz bestimmte: die Fernbusfahrt ohne funktionierende Toilette. 

Und so folgt auf die stets chaotische Gepäckabgabe und das Gedrängel beim Einstieg inzwischen ein großes kollektives Bangen: Alles wartet angestrengt, bis sich der Busfahrer nach seinem fünfminütigen, unterdurchschnittlichen Comedyprogramm zur Toilettensituation äußert. Danach wird heutzutage meistens durchgeatmet, die Zeiten, in denen Toiletten schon bei Abfahrt außer Betrieb waren, sind vorbei. Endlich können sich die Reisenden auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren: sich gegenseitig gehörig auf die Ketten zu gehen – ob durch Gestank, Lärm, Platzmangel oder die sich darauf beziehenden deutsch-zickigen Kommentare. 

Es ist Freitagabend, ich sitze im Nachtbus von Freiburg nach Berlin. Auch dieses Mal ist das Klo in Ordnung. Der Junggesellenabschied, den alle Berliner sicherlich schon sehnsüchtig erwarten, atmet erleichtert auf und beginnt unverzüglich und in fast schon beeindruckendem Tempo, sämtliche mitgebrachte Dosenbiere zu leeren. Sogar die Steckdosen und das WLAN funktionieren – auch nach fast fünf Jahren Fernbus fühlt sich das immer noch wie ein Jackpot an. Früher rankten sich Legenden um diese sagenumwobenen Drei-von-drei-Fahrten. 

Während der Junggesellenabschied diskutiert, ob »brotrip« oder »broadtrip« der bessere Instagram-Hashtag wäre, logge ich mich ins WLAN ein. Sofort lädt sich im Hintergrund ein Update für irgendwas herunter, und meine 150 MB Datenvolumen sind aufgebraucht. Gegen zwei Uhr morgens schreit eine ältere Frau mit Thüringer Akzent den Junggesellenabschied so zusammen, dass er danach tatsächlich ruhig ist. Dank bekommt sie dafür keinen, denn die meisten der Umsitzenden, inklusive mir, sind durch ihr Gekeife überhaupt erst aufgewacht. Wer es nicht schafft, einen Junggesellenabschied auszublenden, der ist für mich kein geübter Reisender. Gegen eine schrille Thüringerin mit 180er-Puls ist allerdings kein Schlafkraut gewachsen. 


Und so fährt die ungleiche Truppe weiter in die Nacht hinein. Einige der Jungs tuscheln noch beleidigt, jemand hört etwas zu laut schlechten Metal, der blechern aus billigen Kopfhörern schallt, und ganz hinten fängt ein anderer zu schnarchen an. Am nächsten Morgen sind wir trotzdem pünktlich. Und wo ist man am besten aufgehoben, wenn man unausgeschlafen, mit Glieder- und Kopfschmerzen und einer generellen Abneigung gegen Menschen durch die Gegend wankt? Richtig: in Berlin! Flixbus und Co. machen es möglich!

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