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Nächster Halt: Ferropolis

Eine Reise im Melt Train

Der Melt Train fährt auch in diesem Jahr von Köln direkt aufs Festivalgelände und wird dort für ein Wochenende ein verschwitztes, lautes und doch irgendwie muckeliges Zuhause. Die Klassenfahrtstimmung gibt’s gratis zu. Julia Brummert war schon einmal dieser wilden Reise und hat die Fahrt für uns dokumentiert.
Geschrieben am
Das Problem ist, dass ich deutlich mehr Schlaf brauche als der Melt-Durchschnittsraver. Ich liebe Festivals, aber ich bin tendenziell auch schnell genervt. Aber die Neugier auf den Melt Train siegt. Also packe ich meinen Rucksack in etwa so voll, als würde ich auf Weltreise gehen, und mache mich auf den Weg zum Kölner Hauptbahnhof. Menschen, die mir nahestehen, halten mich für bekloppt: »DU willst mit dem Melt Train fahren? DU?« Ja, will ich. Spätestens, als ich auf Gleis 1 ankomme und mich fröhliche Menschen auf Niederländisch und Englisch fragen, ob ich einen Becher Sekt möchte, werde ich gelassener. Fast fange ich mit dem Rest der Truppe hier an zu jubeln, als der Zug einfährt. Endstation: Ferropolis.

Drinnen sind meine beiden Mitreisenden und ich froh, dass wir uns das Abteil nur zu dritt teilen müssen. Draußen ist Hochsommer, und die, die tatsächlich zu sechst unterkommen müssen, werden schwitzen. Aber immerhin: Wie lange schon saßen wir nicht mehr in einem Zug, in dem man die Fenster öffnen kann? Also weit öffnen? Das finden auch unsere Abteilnachbarinnen super und lassen weitere Sektkorken aus den Fenstern knallen.
Bild: Bartosz Ludwinski
Wir machen unterwegs noch in ein paar Städten halt, bei jeder Einfahrt jubeln uns die Neuankömmlinge an den Bahnsteigen entgegen. Zum Dank werden sie von unseren Nachbarinnen mit Wasserpistolen nass gespritzt. Die Melt-Reisenden freuen sich, die »normalen« Pendler nicht so. Wir wühlen uns unterdessen einen Weg ins Party-Abteil. Als unsere Eltern mit ähnlichen Zügen an die Mosel auf Kegelfahrt fuhren, hieß so ein Ding mit Bar und DJ-Pult »Samba Express«. Statt Schlager gibt es hier Melt-Electro, und Disco-Fox tanzt hier auch niemand. Ein freundlicher Australier brüllt mir an der Bar ins Ohr, wie glücklich er sei, hier zu sein, das sei eines der Highlights seiner Europareise. Ich nicke ihm zu und schaue aus dem Schlitz des geöffneten Fensters. Wir fahren mit 140 km/h durch Deutschland, ich habe ein Bier in der Hand – und tatsächlich, das hier ist schon cool.

Später gehen wir ins Abteil, um ein wenig Ruhe zu tanken. Der lustige Australier von der Bar kommt uns besuchen, wir führen seltsame Gespräche bei lauwarmem Wodka Lemon. Falls du das hier liest, lieber Australier: Ich möchte immer noch gern deine Trauzeugin werden, und auch den Ankleb-Schnauzbart würde ich dir zuliebe tragen.

Irgendwann schmeißen wir ihn raus und legen uns hin. Gut, dass ich Ohropax habe. Zwar ist das Partyabteil weit weg, laut ist es aber trotzdem. Wir bremsen scharf, gleißend orangefarbenes Licht fällt in unser Abteil, ich wühle mich aus dem Bett und schaue aus dem Fenster. Dort werde ich von der Seite mit Wasserpistolen nass gespritzt und flüchte zurück ins Abteil. Kurz darauf öffnet sich unsere Tür, die Typen mit den Wasserpistolen brüllen mir irgendein Lied entgegen. Raus mit euch und ab ins Bett!

Als ich aufwache, sind wir bereits in Ferropolis angekommen. Der Zug hält direkt neben dem Zeltplatz, und das Bett im Abteil bleibt das ganze Wochenende hindurch meins. Sonntagnacht wird mich der Melt Train sicher zurück nach Köln bringen. Der Lokomotivführer hat alles im Griff, während ich meinen Kater pflege und tatsächlich etwas Schlaf finde.
Bild: Bartosz Ludwinski

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