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Kratzen & Beißen #259

Daniel Koch gegen Reiche

Sie sind oft durchtrieben, egoman, verwöhnt, abgewichst, großkotzig und schlichtweg asozial – und trotzdem werden sie bewundert, von Hochglanzmagazinen hofiert und in unserer Gesellschaft als das Nonplusultra des Aufstiegs verkauft. Warum denn bloß? Fragt sich Daniel Koch. Der hat einen kleinen Hass auf die Reichen und will ihnen nicht mal ein bisschen gleichen. 
Geschrieben am
Ich überlege seit Tagen, wie ich das hier schreibe, ohne dass es selbstgerecht oder neidisch klingt. Aber ich muss das endlich zugeben: Seit einiger Zeit befällt mich immer so ein dezenter Ekel, oder ich werde von einer Welle des Mitleids ergriffen, wenn ich Menschen sehe, die offensichtlich reich sind und das irgendwie so deutlich zeigen müssen, dass es auch der Letzte kapiert. Ich glaube, es fing an, als ich mich jeden Morgen in der Zeitung an der Metapher der »Schere zwischen Arm und Reich« schnitt, bevor ich zu den »Paradise Papers« weiterblätterte, die schon jetzt keinen mehr zu interessieren scheinen.  

Denn das ist der Punkt, der mich dabei aufregt: Jeden Tag kann man lesen, wie die Reichen reicher werden, wie der Markt die Welt dann doch nicht fair reguliert, sondern hart zerfickt, wie getrickst und hinterzogen wird – und trotzdem werden auffällig wohlhabende Menschen immer noch mit einem »Die haben es geschafft!«-Orden bedacht, in Bunte und BILD gefeiert und als Nonplusultra des gesellschaftlichen Aufstiegs verkauft. Gleichzeitig beten populistische Pappnasen vor, dass man doch bitte nach unten zu treten habe, auf die Flüchtenden, die einem den letzten Krümel vom Teller essen.

Auch wenn ich also sonst fast jede Zeile unterschreiben würde, die Superpunk jemals getextet haben, ihr oft zitiertes »Ich habe keinen Hass auf die Reichen, ich möchte ihnen nur ein bisschen gleichen« teile ich mitnichten. Hass ist vielleicht ein zu starkes Wort. Man muss ja nicht gleich »Krieg den Palästen!« brüllen – aber mal gegen eine dieser Gated-Communitys zu pissen, die sich jetzt auch schon in deutschen Metropolen ausbreiten, wäre ein guter Start. Und ich fände es super, wenn man denen mit den dicken Karren, den fetten Uhren, den Loft-Eigentums-Wohnungen, den Villen am Stadtrand und den Luxusklamotten mal die Blicke zuwerfen würde, die diese Leute sonst für Obdachlose oder den Straßendealer an der Ecke übrig haben. Denn im Gegensatz zu den Letztgenannten haben Erstere todsicher Dreck am Stecken – nur halt (bessere) Anwälte. 

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