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Schon in der Antike tickten sie nicht richtig

Yorgos Lanthimos über »The Killing Of A Sacred Deer«

Yorgos Lanthimos erzählt die Rachegeschichte eines 16-jährigen Jungen, der einen Arzt erpresst, weil er diesen für den Tod seines Vaters verantwortlich macht. Wir trafen den Regisseur zum Interview.
Geschrieben am
Warum sprechen die Figuren in deinen vorigen Filmen und in »The Killing Of A Sacred Deer« so künstlich?
Mein Mit-Autor Efthymis Filippou und ich schreiben Sätze, die dem realen Leben entnommen sind. Nur kombinieren wir sie auf eine Weise und präsentieren sie in einer Umgebung, die ein bisschen schräg ist. Plötzlich wirkt dann alles anders als in der Realität. Aber es ist nicht so, dass wir uns vornehmen, eine Künstlichkeit zu kreieren oder Distanz zum Publikum herzustellen.

Ist es deine Absicht, das Publikum zu verstören? 

Verstörend – das Wort höre ich oft. Aber auch das ist nicht meine Absicht. Wir suchen nach Situationen und Konflikten, die uns für eine Geschichte reizvoll genug erscheinen. Mich interessiert menschliches Verhalten, sei es in Gruppen, in Beziehungen oder in Extremsituationen. Ich will zuspitzen und verdichten. Wenn jemand das verstörend findet, ist das doch hervorragend. 

Im neuen Film spielt das Motiv der Rache eine größere Rolle. Hältst du Rache für sinnvoll?

Ich weiß es nicht. Genau deswegen habe ich den Film ja gedreht. Hätte ich meine Antwort schon gefunden, müsste ich mich damit nicht beschäftigen. Wenn ich etwas zu sagen habe, dann sage ich es auch in meinen Filmen. Spannend wird es an dem Punkt, wo die Fragen aufgeworfen werden, die nur jeder für sich beantworten kann. Ich will keine leicht verdaulichen Botschaften.

Woher rührt die Nähe zur griechischen Tragödie?

Darüber habe ich gar nicht nachgedacht, als wir unser Anfangsszenario entwarfen. Doch je länger wir daran arbeiteten, desto mehr fielen uns Parallelen zu »Iphigenie in Aulis« von Euripides auf. Und dadurch, dass sich in einer modernen Geschichte Referenzen an eine antike Tragödie entdecken lassen, zeigt sich erst recht, dass diese Themen für uns Menschen schon seit Ewigkeiten eine Rolle spielen. Und es weckt den Verdacht, dass die Fragen niemals endgültig beantwortet werden können.

Warum fiel bei der Besetzung die Wahl auf die Hauptdarsteller Nicole Kidman und Colin Farrell, die zuletzt auch gemeinsam in Sofia Coppolas »Die Verführten« zu sehen waren?

Den haben die beiden erst nach »The Killing Of A Sacred Deer« gedreht. Colin als Herzchirurg Steven war für mich naheliegend, weil ich mich schon während der Arbeit an »The Lobster« bestens mit ihm verstanden hatte. Und ein gemeinsamer Dreh mit Nicole Kidman war schon seit geraumer Zeit im Gespräch. Sie las das Skript und wollte die Rolle der Ehefrau und Augenärztin unbedingt haben. Wer wäre ich, ihr da zu widersprechen? Richtig schwierig war die Besetzung des Teenagers. Ich guckte mir Hunderte Jungs an, bevor ich Barry Keoghan fand. Der ist so ungewöhnlich und besonders, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, wie der Film ohne ihn funktioniert hätte.
— »The Killing Of A Sacred Deer« (GB/IRL/USA 2017; R: Yorgos Lanthimos; D: Nicole Kidman, Colin Farrell, Alicia Silverstone, Barry Keoghan; Kinostart: 28.12.17; Alamode)

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