×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

Intro Die Woche

Jetzt für den Newsletter anmelden

*
*
*
. .
×

Wenn Pulp zum Politikum wird

»Wolfenstein II: The New Colossus«

MachineGames setzt sein 2014 veröffentlichtes »Wolfenstein«-Reboot konsequent fort – im Guten wie im Schlechten.
Geschrieben am
Seit über 25 Jahren gehört die »Wolfenstein«-Reihe in all ihrer überspitzten Nazi-Exploitation-Pracht zum Kanon der Videospielkultur und hat bis zuletzt unzählige Fortsetzungen und Ableger hervorgebracht. Mit dem jüngsten Neustart im Jahr 2014 ist dem Entwicklerstudio MachineGames das Kunststück gelungen, nicht nur die Pulp-Ästhetik der Serie mehr als je zuvor zu betonen, sondern auch den antifaschistischen Grundgedanken des Spiels erstaunlich vordergründig zu platzieren. Ein Aspekt, der mit dem nun erschienenen »Wolfenstein II: The New Colossus« konsequent fortgeführt wird – und sich inzwischen auch bis zu den Alt-Right-Spinnern im Netz herumgesprochen hat. Bereits nach der Premiere des Trailers im Zuge der E3 wurden auf Plattformen wie 4Chan, Reddit oder YouTube tatsächlich Stimmen laut, die dem Spiel kommunistische Propaganda und antinationale Tendenzen unterstellten.
Ein Vorgang, den man sich in all seinem Wahnsinn erstmal vergegenwärtigen muss: Menschen beschweren sich im Jahr 2017 darüber, dass Nazis in einem Videospiel als Antagonisten herhalten müssen. »Wolfenstein II: The New Colossus« deshalb eine ausgeprägte Protesthaltung zu unterstellen, wäre dennoch ein wenig zu gut gemeint, handelt es sich am Ende doch vor allem um ein sehr gut vermarktetes, populäres Unterhaltungsprodukt – ein Egoshooter eben, der vor allem für seine fetzige Präsentation geschätzt wird und nicht für seine humanistische Message. Trotzdem ziert sich auch die Fortsetzung nicht, von Beginn an äußerst empathisch die verheerenden Folgen rassistischer und totalitärer Ideologie zu thematisieren. Darunter leidet vor allem unser Protagonist, der als werdender Vater nicht nur immer wieder damit hadert, im Schatten des Regimes ein Kind in die Welt zu setzen, sondern bereits in seiner frühen Kindheit unter solcherlei Gesinnung leiden musste, wie eine Reihe von Rückblenden verrät. Wie es den Autoren des Spiels gelingt, in Anbetracht solch ernster Themen den grotesk überhöhten Humor zu wahren, bleibt genauso rätselhaft wie verblüffend.
Spielerisch weicht »Wolfenstein II: The New Colossus« so gut wie gar nicht von der im Vorgänger etablierten Formel ab. Der Kampf gegen das Regime führt einen noch immer durch überwiegend linear gehaltene Korridore, die hin und wieder von etwas weitläufigeren Arealen unterbrochen werden. Hier wird dem Spieler durch ein rudimentäres Alarmsystem einmal mehr suggeriert, dass lautloses Vorgehen eine veritable Option sei. Das war sie aufgrund der völlig willkürlichen Gegner-KI und dem diffusen Map-Layout allerdings schon im ersten Teil nicht und ist auch hier wieder höchst frustrierend. Doch auch wenn es laut wird glänzt das Spiel aufgrund seines erratischen Trefferfeedbacks, der teils sperrigen Bedienung und den genannten Problemen mit der KI nur bedingt. Dafür hat »Wolfenstein II: The New Colossus« aber etwas viel wertvolleres, als die Extra-Politur am Gameplay: eine eigene, unverkennbare Identität. Ein Aspekt, der sich vor allem in der liebevollen Charakterzeichnung äußert. Und die strahlt eben weit über spröde Mechaniken und kosmetische Makel hinaus.

Bethesda

Wolfenstein II: The New Colossus - [PlayStation 4]

Release: 27.10.2017

Folgt uns auf

  • folgen
    mehr
  • Playlists
    mehr
  • Abos
    mehr
  • folgen
    mehr