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Unbeirrbar, unvorhersehbar

Hans im Glück

Was macht man, wenn man sieben Mal von der Polizei beim Fahren ohne Führerschein erwischt worden ist? Man lässt sich zum achten Mal erwischen. Claudia Lehmanns Doku über Hans Narwa zeigt uns einen Menschen mit Haltung!
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Was macht man, wenn man sieben Mal von der Polizei beim Fahren ohne Führerschein erwischt worden ist? Man lässt sich zum achten Mal erwischen. Claudia Lehmanns Doku über Hans Narva zeigt uns einen Menschen mit Haltung! Von Linus Volkmann.

Hans Narva? Ist sicher keine Figur des öffentlichen Lebens, heißt ja noch nicht mal wirklich Hans Narva, wie man in der Berlinale-erprobten Doku von Claudia Lehmann erfährt. Und trotzdem ziehen Film und Figur in kürzester Zeit rein in eine deutsch-deutsche Lebens-, Pop- und Subversionsgeschichte.

Stets umsorgt von dem Slogan der bedingungslos charmanten Hauptfigur, der da aus dem Ärmel geschüttelt wird: "Bleib immer an meiner Seite, dann kann dir nichts passieren." Und man weiß sofort: Genau so ist es! Selbst wenn man jenen Hans im Film als hochverdichteten Problemmagneten kennenlernt. Jens Friebe sagt an einer Stelle: "Ich kann mir nicht vorstellen, ins Gefängnis zu gehen - also wegen achtmal Fahren ohne Führerschein ... Beim vierten oder fünften Mal würde ich schon sagen, okay, na dann halt nicht." Aber die StVO ist nur einer der vielen Gegenspieler des Unbeirrbaren, der wie eine Art Trinker Michael Kohlhaas Schneisen auch noch abseits der Berliner Trampelpfade schlägt. Narva wuchs auf in der DDR, geriet mit dem Prinzip Autorität früh aneinander, der Familie entzog er sich wegen aggressivem Stiefvater, der Staat entzog seiner Band Herbst In Peking die Spielerlaubnis, lud ihn aber im Gegenzug immerhin in den Knast ein. Nach der Wende verdingte er sich bei diversen Bands, u. a. den 90er-Jahre-Folkrock-Celebritys Inchtabokatables, dann auch mal West-Knast wegen der Auto-Nummer, darüber hinaus Mischer (bei eben z. B. Jens Friebe), Lover, Vater, Sohn etc.



Ohne Brimborium, aber stets konturenscharf und gleichzeitig einnehmend beiläufig begleitet Lehmann Narva durch Berlin. Läuft mit ihm die Orte von Leidenschaften, Tragik, Therapie und blutig gespielten Fingern ab. Dass Hans' immer näher kommende Gerichtsverhandlung als Kulisse eine derartige Dramaturgie erzeugt, ist natürlich genauso dankbar wie nervenaufreibend. "Den Ausgang bezüglich der Haftstrafe konnten wir beim Dreh nicht voraussehen", sagt Lehmann. Und wahrscheinlich ist auch deshalb die inhärente Hoffnung des Films aufs eigene Happy End so spürbar und überträgt sich auf den Zuschauer.

Claudia Lehmann, die zuletzt auch für die Live-Visuals des am Kölner Schauspiel aufgeführten Jelinek-Stücks "Die Kontrakte des Kaufmanns" Sorge trug, glückt hier nicht weniger als eine der berührendsten und unterhaltsamsten Dokus der jüngsten Zeit.
Linus Volkmann

Hans im Glück (D 2009; R: Claudia Lehmann)

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