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»Für diese Liebe fehlten die Worte«

Todd Haynes über seinen Film »Carol«

Todd Haynes ist der Regisseur des Glam-Abenteuers »Velvet Goldmine« und des fiktionalen Dylan-Biopics »I’m Not There«. Patrick Heidmann sprach mit ihm über seine Patricia-Highsmith-Verfilmung, die Kunst der detailverliebten Regie – und die Faszination lesbischer Liebe in den 1950ern.   
Geschrieben am
Was hat dich an Patricia Highsmiths Buch »Carol« interessiert? Ich ziehe immer andere Filme heran, um mich inspirieren zu lassen – für »Carol« waren es klassische Liebesgeschichten. »Begegnung« von David Lean zum Beispiel oder »Ein Platz an der Sonne« mit Montgomery Clift und Liz Taylor. Wie diese Geschichte aus Clifts Sicht erzählt wurde, war als Anregung hilfreich für »Carol«, der aus der Sicht von Rooney Maras Figur Therese erzählt wird. Visuell fand ich zahlreiche Bildbände und Fotografien aus den 1950ern allerdings noch wichtiger.

Ausstattung und Kostüme sind sehr detailverliebt. War es deine Absicht, die 1950er als Epoche wiederaufleben zu lassen?

Kleinigkeiten können für eine Geschichte von großer Bedeutung sein. Schon Highsmiths Roman war in dieser Hinsicht sehr spezifisch. Carols Handschuhe und Tasche werden darin detailreich beschrieben, weil beide in der Welt der jungen Arbeiterin Therese völlige Fremdkörper sind. »Carol« spielt in diesen paar Jahren, in denen New York City die grauen 1940er hinter sich gelassen und allmählich in den glamouröseren Fifties angekommen war.

Was gab den Ausschlag für Cate Blanchett in der Titelrolle?

Sie war schon mit an Bord, als dieses Projekt in meinen Schoß fiel. Die wunderbare Kostümdesignerin Sandy Powell erzählte mir eines Tages von einem Film, den sie mit Cate machen würde: eine lesbische Liebesgeschichte in den 1950ern, produziert von meiner alten Freundin Elizabeth Karlsen. Ich war fassungslos! Warum wusste ich davon nichts? Ich wollte diesen Job unbedingt haben. Zum Glück klopfte Elizabeth einige Zeit später bei mir an.

Wie gingst du bei den Sex-Szenen vor? Dem Film »Blau ist eine warme Farbe« beispielsweise wurde vorgeworfen, lesbische Liebe durch die heterosexuell-männliche Brille zu sehen …
Zumindest eine dieser Kategorien fällt bei mir ja von vornherein weg. Aber ich muss schon sagen, dass ich mir immer sehr bewusst gemacht habe, wer wen anschaut und wessen Blick die Kamera repräsentiert. Alles sollte wunderschön aussehen, das war meine oberste Maxime.

Hast du als schwuler Regisseur einen engeren Bezug zu dieser Geschichte, als es ein Hetero gehabt hätte?

Ich bin mir nicht sicher, ob es an meiner Homosexualität liegt, dass mich »Carol« so sehr angesprochen hat. Es war vor allem die Erinnerung an dieses Gefühl, Hals über Kopf verliebt zu sein, die mich so berührt hat. Es wird nicht oft gut beschrieben, wie es sich anfühlt, wenn man wirklich aus der Bahn geworfen wird und man seine gesamte Existenz an der Frage festmacht, ob das Gegenüber diese Liebe erwidert. Was die Geschichte von »Carol« spezifisch macht, ist die Zeit, in der sie spielt. Anders als im Falle einer heterosexuellen Liebe fehlten für die Liebe von Carol und Therese damals die Worte. Das hat mich fasziniert.

Hast du in Erwägung gezogen, noch mal in einem Film die Liebe zweier Männer zu thematisieren?

Sicher. Aber ich erzähle nun einmal sehr gerne von Frauen. Deswegen hat mich zum Beispiel auch das Western-Genre nie interessiert. Dort ist für Frauen nur selten Platz.   

- »Carol«  (USA 2015 R: Todd Haynes; D: Cate Blanchett, Rooney Mara; Kinostart: 17.12.2015)

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