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»Star Wars Battlefront II«

Mit »Star Wars Battlefront II« erreicht die Diskussion um Paywalls und Glückspielmechanismen in Videospielen mit Vollpreis einen traurigen Höhepunkt. Wir haben uns angeschaut, inwiefern sich diese Aspekte auf die Qualität des Spiels auswirken.
Geschrieben am
Wie beginnt man einen Text über ein Spiel, dass in den Wochen vor seiner Veröffentlichung für etwas in der Kritik stand, das mit der eigentlichen Qualität des Titels gar nichts zu tun hat? Korrekt: Man holt aus. Und das ist in diesem Fall tatsächlich bitter notwendig, steht das Problem von »Star Wars Battlefront II« doch inzwischen exemplarisch für die Krise einer ganzen Branche. Der gefällt nämlich die Idee nicht mehr, dass der Großteil des Umsatzes mit der Veröffentlichung eines Spiels und dann vielleicht noch im Nachklapp mit der ein oder anderen Erweiterung gemacht wird. Stattdessen spricht man seit geraumer Zeit gerne von »Games as a service« und meint damit die Idee, ein Spiel durch fortwährende Updates und Events lange über den eigentlichen Launch hinaus am Leben zu halten.

Das mag erstmal vernünftig klingen, hat aber natürlich einen ganz profanen Grund: die fortlaufende Monetarisierung. Und damit die gewährleistet wird, bauen Entwickler immer häufiger Mechaniken in ihre Spiele ein, die an Glücksspiel grenzen. Slot-Maschinen, die per Zufall Spielinhalte wie Items, Boosts oder andere Boni ausspucken und dabei so konzipiert sind, dass der Spieler oder die Spielerin immer ein bisschen weniger davon bekommt, als er oder sie eigentlich haben möchte. Unmittelbaren Nachschub gibt es nur gegen Echtgeld, die im Spiel verdiente Währung reicht nämlich für gerade so viele Freirunden, dass man angefixt bleibt. Das wird dann euphemistisch als Lootbox bezeichnet.

Mit »Star Wars Battlefront II« haben Dice und Electronic Arts das gesamte Fortschrittssystem des Multiplayer-Shooters auf diesem Prinzip aufgebaut und die Community damit ausgesprochen verärgert zurückgelassen. Ein Eklat, dessen Höhepunkt von einem fragwürdigen Rekord markiert wurde: Die meisten Downvotes auf einen Reddit-Beitrag aller Zeiten. Ein Beitrag, in dem ein Entwickler darlegte, warum es richtig sei, dass man ohne echtes Geld auszugeben 40 Stunden lang spielen müsse, um einen Helden wie Darth Vader freizuschalten. Während man solche Lootboxen in sehr vielen Online-Shootern findet, sorgte hier aber vor allem der Umstand für Ärger, dass diese nicht nur rein kosmetische Items, sondern spielentscheidende Boosts und Fähigkeiten beinhalten. Kurz: Wer gewillt ist, hier sein gesamtes Erspartes reinzustecken, hat einen deutlichen Spielvorteil. Ein absoluter Killer für den eigentlich sehr ausgeprägten Wettbewerbsgedanken solcher Spiele.

Wer ein paar Stunden in dem Multiplayer-Modus von »Star Wars Battlefront II« verbringt, wird schnell feststellen, dass es leider nicht ganz so einfach ist, wie es einem im Zuge des Skandals suggeriert wird. Geld alleine bringt hier kaum jemanden an die Spitzen der Ranglisten, dafür sind die Vorteile in Form von sogenannten Sternkarten oft viel zu passiv. Es geht darum, etwas weniger Explosionsschaden zu nehmen, den Detonationsradius der eigenen Granaten zu erhöhen oder die Rücksetzungszeit der Fähigkeiten ein wenig zu verkürzen. Es gibt allerdings auch Fälle, in denen das System den Wettbewerb wirklich völlig verzerrt, wie der populäre YouTuber Charlie Goldberg bereits im Rahmen der Beta sehr plausibel dargelegt hat. Die Entwickler selbst bestreiten das: In einem Reddit-Ama versicherte Design Director Dennis Brannvall, das bei der Zusammenstellung der Spieler für eine Partie berücksichtigt werde, dass alle Spieler einer entsprechenden Runde auch in etwa auf die gleichen Fähigkeiten zurückgreifen können und kein Ungleichgewicht entsteht. Mit dem offiziellen Launch des Spiels am 17. November entschied man sich dann plötzlich dazu, alle Mikrotransaktionen vorerst aus dem Spiel zu entfernen.

Ein begrüßenswerter Schritt, der allerdings nicht das Problem mit dem diffusen Progression-System des Spiels behebt. Das ist in Anbetracht der Tatsache, dass es sich hier eigentlich um einen richtig guten Multiplayer-Shooter handelt, umso bedauerlicher. Denn so gut die Sci-Fi-Shooter-Konkurrenz mit Titeln wie »Halo« oder »Destiny« auch sein mag – die bombastische Inszenierung der »Star Wars«-Lizenz übt einen ganz eigenen Reiz aus. Und dafür muss man sich nicht mal als eingefleischter Fan verstehen. Auch spielerisch geht der verhältnismäßig einsteigerfreundliche Shooter gut von der Hand, hier macht sich die Erfahrung des Entwicklerstudios wirklich bemerkbar.

Ob es einem dieser »Production Value« wert ist, die fragwürdigen Komponenten des Spiel hinzunehmen, muss am Ende jeder für sich selbst abwägen. Einbeziehen sollte man zumindest, dass im Gegensatz zum Vorgänger tatsächlich auch eine vollwertige Einzelspieler-Kampagne geboten wird, in der wir die Rolle der imperialen Agentin Iden Versio übernehmen. Die Story spielt sich zwar wie ein kurzweiliges, aber leider trotzdem nur mittelmäßiges »Star Wars«-Spin-Off, gelingt es Dice doch nicht wirklich, etwas mehr als nur eine galaktische Schießbude aus der interessanten Perspektive zu machen.

Eingefleischte Fans dürfte es dennoch erfreuen, seit langem mal wieder eine richtige Geschichte aus dem Universum erleben zu dürfen, statt diese nur im Multiplayer-Modus nachzuempfinden. Wer sich davon angesprochen fühlt, sollte allerdings im Hinterkopf haben, dass diese fast an einem Abend durchgespielt werden kann. Danach bleiben einem nur noch Multiplayer und Arcade-Modus. Ob das genug ist, hängt am Ende von den nächsten Schritten ab, die Dice und EA nun gehen werden. Sicher ist nur, dass sich noch eine Menge an diesem Spiel tun dürfte. Ob dabei auch der Kurs stimmt, steht auf einem anderen Blatt.

Electronic Arts

Star Wars Battlefront II - [PlayStation 4]

Release: 17.11.2017

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