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So ist »The Circle«

Wenn die Wohlfühlblase platzt und das Recht auf Privatsphäre in Vergessenheit gerät: In »The Circle« nach dem Bestseller von Dave Eggers ist das Gebot der Totaltransparenz Realität geworden. 
Geschrieben am
»Aufregend« und »cool« findet die 24-jährige Mae Holland (Emma Watson) so ziemlich alles, was ihr auf dem ersten Rundgang über den Circle-Campus begegnet – etwas anderes als Floskeln der Begeisterung sind in einem US-amerikanischen Mega-Tech-Unternehmen, das die volle Einsatzbereitschaft sämtlicher Mitarbeiter erwartet, auch kaum denkbar. Eine perfekte Überleitung zu der Leistungssteigerungs-Lingo, mit der Mae in ihrer neuen Abteilung konfrontiert wird: Erreicht sie keine 100-prozentige Kundenzufriedenheit, darf sie sich als gescheitert ansehen. Der massive Druck indes lässt sich leidlich aushalten; vom Hundeyoga bis zu Beck-Konzerten bietet der Circle alles, was die Bindung der Mitarbeiter ans Unternehmen fördert.

Leicht flaue Wiedererkennungseffekte dürfte diese Mischung aus Performance-Zwang und kuscheliger Familienatmosphäre in all denjenigen wachrufen, die je in einem Start-up gearbeitet haben. Den Sog, den diese Art der Filter-Bubble mit ihren gemütlichen Sitzsäcken, Kicker-Tischen, Gratis-Snacks und (vermeintlich) flachen Hierarchien auf unsere Sehnsucht nach Anerkennung und Teilhabe ausübt, fängt die erste halbe Stunde des Films gekonnt ein. Und wird damit seiner Vorlage, dem gleichnamigen Dave-Eggers-Roman von 2013, vollends gerecht. Beinah schon zu perfekt fügt sich Tom Hanks als Circle-Guru Eamon Bailey in diese Wohlfühlblase ein. In seinen freitäglichen Motivationsansprachen bringt er die durchweg unter 30-jährigen »Circler« mit kleinen selbstironischen Scherzen zum Lachen. Und preist, ganz nebenbei, seine neuesten Streiche an: eine Mini-Kamera, die das eigene Auge zum Aufnahmegerät erklärt, implantierte Mikrochips, die Kinder vor Entführungen und Missbrauch schützen, eine gebündelte Identität, die sämtliche Social-Media-Profile, Zahlungssysteme und Kommunikationstools an einem Ort vereint. Großartig, oder?

Es fällt nicht schwer, sich einen Kinosaal voller Millennials vorzustellen, die (zumindest innerlich) ebenjene Innovationen beklatschen, die Bailey auf der Leinwand präsentiert. Dann jedoch erinnert sich der Film daran, dass er ein echter Thriller sein will. Und von da an geht es rapide bergab. In nicht nachvollziehbarem Tempo verwandelt sich Mae vom großäugig-skeptischen »Guppy« in eine passionierte Sprecherin des Circle. Ein paar unnötige Actionszenen und Verfolgungsjagden später sind es dann doch wieder zwei große böse Männer und deren Machtgelüste, die Schuld an der dystopischen Totaldurchleuchtung tragen. Und nicht – wie der Anfang suggeriert – unsere löchrigen Seelen, die so sehr nach Verbundenheit und Aufmerksamkeit gieren, dass wir darüber gern mal so nebensächliche Details wie »Recht auf Privatsphäre« vergessen. Letztendlich verlässt sich der Film leider allzu sehr auf die Mittel seiner Buchvorlage: Technokritik per Holzhammermethode.
— »The Circle« (USA 2017; R: James Ponsoldt; D: Emma Watson, Tom Hanks, John Boyega; Kinostart: 07.09.17; Universum)

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