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Altes Britannien, kaltes Britannien

So ist »T2 Trainspotting«

Die alten Kumpel Mark Renton, Sick Boy, Spud und Begbie raufen sich nach 20 Jahren zusammen, raufen wieder miteinander und ringen mit den Umständen. Danny Boyle inszeniert »T2 Trainspotting« als leicht nostalgische Kritik der Nostalgie.
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»Choose Sequel« ist ein Motto, das dem zeitgenössischen Kino nicht fremd ist. Da macht der Film mit dem, sorry, legendären »Choose Life«-Monolog also keine Ausnahme. Ebenso legendär sind die Schwierigkeiten, die es auf dem Weg zu »T2 Trainspotting« gegeben hat. So war Hauptdarsteller Ewan McGregor not amused, als Regisseur Danny Boyle ihn nach dem großen gemeinsamen Erfolg nicht für die Hauptrolle in »The Beach« besetzte. Mittlerweile sind beide große Stars, und das macht die Sache wohl auch nicht unbedingt leichter. Stichwort: Terminkalender. Außerdem verfasste Autor Irvine Welsh mit »Porno« eine mäßige literarische Fortsetzung. Vielleicht etwas zu früh, bevor sich Großbritannien in Brexitannien verwandelte, kam man nun doch zusammen. Der originale Cast und die originalen Figuren, nur echt mit den originalen schottischen Wortkaskaden. 

Mark, Spud, Begbie und Sick Boy sind seit 1996 unterschiedlich gealtert, doch alle haben Probleme genug, um Psychoanalytiker reich zu machen. Statt sich auf die Couch zu legen, verursachen sie lieber Ärger: Spud will sich umbringen, Begbie hat keinen Bock, weiter im Knast zu schmoren und Sick Boy möchte sich eine Existenz mit der jungen Freundin Veronika aufbauen. Allen gemeinsam ist der Groll gegen Mark Renton, der im Showdown des ersten Teils skrupellos mit der Kohle durchbrannte. Das furiose Finale eines Films, in dem sich der Sound der zukünftigen Cool Britannia-Popfraktion mit dem Egotrip eines unmoralischen Start-Up-Jungunternehmers mischte. Damit war »Trainspotting« ein Film, der den Siegeszug des Neoliberalismus als natürlicher Zustand der Gesellschaft, wie er später unter anderem in Marks Fishers Buch »Kapitalistischer Realismus« analysiert wurde, mit zeitgemäßer Musikvideoästhetik darstellte. Die Figuren in »T2 Trainspotting« sind vom harten Backlash gezeichnet. Ihnen ist die Ernüchterung eines Ich-bezogenen Lifestyle anzumerken. Danny Boyle ist schlau genug, nicht in Nostalgie zu schwelgen. Kritik der Nostalgie ist sogar ein großes Thema des Films, an einer der witzigsten Stellen wendet sich der feierliche Isolationismus einer Horde reaktionärer Royalisten gegen sie selbst.

Die Darsteller Ewan McGregor, Robert Carlyle, Jonny Lee Miller und Ewen Bremner geben sich wie die Regie alle Mühe, den alten Spirit wiederzubeleben, die Schnitte und Dialoge sind im Grunde reines Selbstzitat (formal also doch leicht nostalgisch). Wobei Bremner als Spud und Carlyle als Begbie an der Grenze zur Parodie ihrer Charaktere agieren – und Femme Fatale Anjela Nedyalkovas High Heels etwas überbetont werden. Für die Fans gibt es Kurzauftritte von Irvine Welsh und Kelly Macdonald. Die Kloschüssel, Marks altes Jugendzimmer und »Lust For Life« dürfen nicht fehlen. Und selbstverständlich erhält auch der »Choose Life«-Rant ein Update. Dessen Nüchternheit passt gut zur heutigen Alternativlosigkeit des Lebens, das er anprangert. Wollen wir kurz eine Runde nörgeln? »T2 Trainspotting« hat in den meisten Szenen leider nicht viel mehr zu bieten als die Variation konventioneller Comedy-Kost, auch wenn es Andeutungen gibt, Gewalt in der Familie, Gentrifizierung und die Absurditäten der Bürokratie des britischen Sozialstaats entschlossener anzugreifen. Und dem Skript geht auf den letzten Seiten die stark Testosteron-geschwängerte, leicht moralin-sauer gewordene Luft leider etwas aus. Aber bis dahin haben wir uns gut amüsiert.

Hier findet ihr alles Inhalte zum Thema »Trainspotting«.

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