×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

Intro Die Woche

Jetzt für den Newsletter anmelden

*
*
*
. .
×

Kein Glück und viel Pech

So ist »Logan Lucky«

Steven Soderbergh widmet sich nach fünfjähriger Regie-Abstinenz mal wieder dem Gangsterfilm. In seiner Hillbilly-Variante des Gentleman-Thrillers »Ocean’s Eleven« geht es um Rednecks am Rande des Nervenzusammenbruchs. Feelgood-Kino für alle.
Geschrieben am
Die Gebrüder Logan sind für ihr sprichwörtliches Pech bekannt. Clyde (Adam Driver) ist einarmig aus dem Irak-Krieg zurückgekehrt und verbringt seine Tage inzwischen hinter der Bar einer Highway-Kneipe in West Virginia. Jimmy (Channing Tatum) verdingt sich seit einer Sportverletzung, die seine Karriere als Profi-Footballer vereitelte, mit Gelegenheitsjobs auf Baustellen. Außerdem trauert er seiner Exfrau nach, die das Sorgerecht für seine Tochter hat. Die Welt der Brüder ist das prollig-patriotische Hinterwald-Amerika, in dem alle die Texte von John-Denver-Songs auswendig können und der Besuch eines Autorennens schon als kulturelle Betätigung gilt. Weil solche Veranstaltungen auch in Zeiten der Wirtschaftskrise noch eine Menge Kohle abwerfen, bietet sich ein wohldurchdachter Raubzug auf einer Rennstrecke ideal dafür an, das Glück der Logans herbeizuzwingen. Vor dem Einbruch in die Kasse steht allerdings zunächst ein Ausbruch aus dem Gefängnis – denn ohne den legendären Tresorknackerkönig Joe Bang, schön psychopathisch verkörpert von Daniel Craig, wäre die ganze Sache auf jeden Fall eine Nummer zu groß für die beiden.
»Logan Lucky« ist gleich in mehrfacher Hinsicht so etwas wie der Latzhosen-Cousin von »Ocean’s Eleven«: Statt eleganter Draufgänger im Maßanzug stehen Pick-up fahrende Verlierertypen im Mittelpunkt, die sich am liebsten von gekochten Eiern ernähren. Statt teurer Gadgets und Riesenbudgets gibt es umgebaute Staubsauger und selbst gebasteltes Dynamit. Was die penible Planung, die komödiantische Schlagseite und den legeren Gang angeht, teilen sich beide Filme allerdings denselben altmodischen Genpool. In »Logan Lucky« fällt kein einziger Schuss, die wenigen Fausthiebe werden von poetischer Gerechtigkeit geführt, und der große Kitzel kommt davon, die vielen kleinen Rädchen des großen Unternehmens gut geölt ineinandergreifen zu sehen. Für den Realismus, den viele Krimis heutzutage für sich beanspruchen, interessiert sich der Film kaum, auf der emotionalen Ebene darf man den Logan-Brüdern die Daumen drücken. 

Als bauernschlaue Underdogs mit goldenen Herzen stehen sie in der Tradition eines ländlich-amerikanischen Selbstverständnisses, das unter den Nahaufnahmen einiger Trump-Wähler in letzter Zeit leider etwas gelitten hat. Vor diesem Hintergrund wirkt die Sympathie, die »Logan Lucky« über seine Redneck-Protagonisten auskübelt, fast schon wie ein Olivenzweig, den Hollywood in Richtung der roten Bundesstaaten ausstreckt. Nach seiner selbstverordneten fünfjährigen Regie-Abstinenz kehrt Steven Soderbergh mit einem Film gewordenen Gute-Laune-Appell zurück, der den kleinsten gemeinsamen Nenner einer zerstrittenen Gesellschaft in einer rasanten Actionkomödie sucht – und findet. Die Kinopremiere fand stilecht in Tennessee statt, wo die Erlöse anschließend einem Kinderhilfswerk zugutekamen.

— »Logan Lucky« (USA 2017; R: Steven Soderbergh; D: Channing Tatum, Adam Driver, Daniel Craig; Kinostart: 14.09.17; StudioCanal)

Folgt uns auf

  • folgen
    mehr
  • Playlists
    mehr
  • Abos
    mehr
  • folgen
    mehr