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Das Gewicht der Vergangenheit

So ist »Dark«

Mit »Dark« ist am vergangenen Freitag die erste deutsche Eigenproduktion auf Netflix angelaufen. Wir verraten euch spoilerfrei, was ihr von der Mystery-Serie erwarten könnt. 
Geschrieben am
Als im vergangenen Oktober der erste Trailer zu »Dark« über die Kanäle lief, ließ der irreführende Schnitt Schlimmes befürchten. Ein unvermeidliches Me-Too-Produkt, das wie ein stilistischer Treppenwitz noch mal den von »Stranger Things«, »ES« und anderen platt getrampelten Pfad des nostalgisch inszenierten Grusels abschreiten wollte. Die Erkenntnis, dass »Dark« mit diesen Referenzen allenfalls oberflächliche Gemeinsamkeiten aufweist, stellt sich allerdings schon mit der ersten Episode der Serie ein. Die deutsche Netflix-Produktion ist vor allem ein ziemlich eigenartiger Hybrid aus Familiendrama und Mystery, in dem die von den vermeintlichen Vorbildern hochgehaltenen Reminiszenzen an das Feel-Good-Kino der Achtzigerjahre schlichtweg nicht existieren. »Dark« ist grau, verhangen und deprimierend, also ungefähr das genaue Gegenteil eines stimmungsvollen Sommer-Blockbusters.
Nachdem in der fiktiven Kleinstadt Winden ein Schüler der Oberstufe verschwindet, beschließt eine Gruppe von Mitschülern, sich das Drogenversteck des glücklosen Pausenhof-Dealers vorzuknöpfen. Mit dabei: Martha und Magnus Nielsen, die ihren kleinen Bruder Mikkel im Schlepptau haben. Bei dem nächtlichen Ausflug zu einer Höhle im Wald nahe eines Atomkraftwerkes bricht allerdings Panik aus und wenig später ist Mikkel ebenfalls spurlos verschwunden. Ein Ereignis, durch das nicht nur die Kleinstadt in Aufruhr gerät, sondern auch ein geheimnisvoller Kreis geschlossen wird – und der Plot wie ein komplexes Uhrwerk zu arbeiten beginnt.  

Dass die Charakterzeichnung immer wieder unter dieser strengen Mechanik leidet, ist vielleicht eines der größten Probleme der Serie, kann einen das umfangreiche Ensemble doch gerade zu Beginn schnell erschlagen. Die straffe Erzählung lässt der Entwicklung der Figuren oft viel zu wenig Raum, um einen bleibenden Eindruck auf den Zuschauer zu hinterlassen. Das lässt wiederum gewisse Handlungsmuster von Zeit zu Zeit ein wenig eigenartig erscheinen, doch je mehr Teile zu diesem kryptischen Puzzle hinzugefügt werden, desto nebensächlicher werden die Motive der Figuren. Erst recht, wenn diese häufig ohnehin nicht aus freiem Willen zu Handeln scheinen, sondern als Teil des besagten Uhrwerks erst einmal funktionieren und ihren Zweck erfüllen müssen. Das »wer« tritt immer wieder in den Hintergrund, um Fragen zum »wann« und »wo« zu stellen: Ein Atomkraftwerk, eine Höhle, ein verschwundenes Kind – die Zusammenhänge zwischen diesen Koordinaten werden nicht über die Figuren hergeleitet, sondern über die verschiedenen Ebenen der Zeit.
Am effektvollsten ist »Dark«, wenn man die Serie als das kryptische Psychogramm einer seltsamen Kleinstadt versteht, in der jeder irgendwie Dreck am Stecken hat. Das erinnert nämlich nicht nur inhaltlich an »Twin Peaks«, sondern auch optisch: Genau wie im ewigen Klassiker der Mystery-Soap wirkt auch hier die Ausstattung seltsam aus der Zeit gefallen. Trotz Smartphone, Flachbildfernseher und PlayStation wird man hier nie das Gefühl los, dass die Zeit in diesem verschlafenen Nest ein wenig langsamer vergeht und auch noch Jahrzehnte später schwer über den schummrigen Häusern seiner Bewohner liegt. Dieser Sinn für das Gewicht der Vergangenheit macht »Dark« zu etwas Besonderem und verleiht dem großen Twist eine Bedeutung, statt ihn zum reinen Gimmick verkommen zu lassen.

Die erste Staffel von »Dark« ist ab sofort via Netflix zu sehen und umfasst zehn Folgen

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