×
×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

Intro Die Woche

Jetzt für den Newsletter anmelden

*
*
*
. .
×

Interview mit Regisseurin Christine Franz

Sleaford Mods – »Bunch Of Kunst«

Am kommenden Sonntag, 23. April 2017, findet in Berlin im Kino Babylon-Mitte die Deutschlandpremiere der Sleaford-Mods-Doku »Bunch Of Kunst« statt. Wir sprechen mit Regisseurin Christine Franz und verlosen zwei Tickets. 
Geschrieben am

Interview:
Daniel Koch

Du hast die Sleaford Mods über zwei Jahre lang begleitet für deinen Film. Wie kam es zur ersten Begegnung mit der Band? 
Ein Freund kam irgendwann mit der Sleaford-Mods-Platte »Austerity Dogs« um die Ecke. Das war Bandcrush beim ersten hören. Die Texte! Die Wut! Der Humor! Der East Midlands Akzent! Die rumpeligen Beats! Die komischen Frisuren! Der Kleidercontainer auf dem Album Cover! Die »Don’t Give A Fuck«-Bühnenshow! Da passte einfach alles. Praktischerweise konnte ich die Band dann im Sommer 2014 für meinen Job als Musikredakteurin bei Arte TRACKS für ein Interview zu Hause in Nottingham besuchen. Bei dem im Anschluss ziemlich ausufernden Dosenbier-Umtrunk entstand dann die Idee für den Film. 

Der erste richtige Film ist ein ziemlich krasser Schritt: Warum hast du dich für die Sleaford Mods als Thema entschieden? 
Das haben mich damals auch so ziemlich alle Freunde und Kollegen gefragt. Und sie haben mir davon abgeraten. »Zu Nischig!« »Kennt doch hier keiner!« »Zu großes finanzielles Risiko!« Sätze, wie diese hörte ich ständig. Aber wenn man eine Band findet, die einen trotz Bingemusikhörertums wieder genauso kickt, wie damals mit 14 – (insert your favourite Band here, bei mir waren es Oasis) – dann ist das doch der beste Grund, um so ein beklopptes Unterfangen wie einen ganzen Film anzugehen. Und wenn man später Mails von Typen aus Glasgow bekommt, die schreiben, sie hätten sich beim Filmgucken so gefühlt wie damals 1994 bei Oasis, dann weiß man, dass es irgendwie okay ist jetzt pleite zu sein.
Pleite ist ein gutes Stichwort. Du hast den Film komplett aus eigener Tasche bezahlt, obwohl die Band ja bereits Feuilleton-Thema war und ihr durch den Brexit eine hohe politische Relevanz unterstellt wurde. Sprich: Die Bedingungen für eine Förderung waren sicher nicht übel. Warum der Alleingang? 
Wie groß die Band irgendwann werden würde, konnte damals natürlich noch niemand ahnen. Zu dem Zeitpunkt als wir angefangen haben, waren weit und breit noch keine Feuilletons am Horizont – im Gegenteil, damals wurden Sleaford Mods noch von den etablierten Medien in England belächelt oder komplett ignoriert. Und auch den Brexit konnte sich damals kaum jemand ernsthaft vorstellen. Von daher: Filmförderungstauglich geht anders. Und die Idee war es, den Film ähnlich anzugehen wie die Band das Musikmachen: Erstmal loslegen und gucken was passiert und dabei möglichst unabhängig bleiben. 

Wo ich das Wort schon schrieb: »Brexit« taucht im Film nicht einmal auf. Wie kommt’s? 
Das Brexit Referendum fand ja zu einem Zeitpunkt statt, als wir schon fast fertig waren mit den Dreharbeiten. Das hätte man natürlich nachträglich noch in den Film einbauen können, aber das war uns zu inszeniert, da wir ja streng chronologisch vorgegangen sind und nichts »draufsetzen« wollten. Trotzdem finde ich, dass man die Stimmung im Land, die letztlich zum Brexit geführt hat, natürlich schon irgendwie spürt. All die Faktoren, die manche Leute in Großbritannien vielleicht dazu bewegt haben, für »leave« zu stimmen, die Frustration, die Wut, spürt man bei den Konzerten und darum geht es ja auch in Jasons Texten – mit dem wichtigen Unterschied, dass sie bei ihm nicht gegen Europa, sondern gegen die Tory-Regierung und deren Agenda geht. Natürlich haben wir aber im Nachhinein viel darüber gesprochen. Die Band und alle im Umfeld der Band, waren absolut schockiert und deprimiert vom Ausgang des Referendums.
Der Film hat sehr viele emotionale Szenen: Seien es die eher ruhigeren, die Jasons Familienleben zeigen, oder aber die euphorischen Fans. Welche Szene im Film hat dich persönlich am meisten bewegt? 
Ich glaube eine meiner Lieblingsszenen sind die beiden Papa-und-Sohn-Skins beim Konzert in York, die beide extrem textsicher die Lyrics mitsingen. Überhaupt waren die Euphorie und die Stimmung bei den Konzerten das Beste. Viele der Fans erzählten uns, dass sie seit 20 Jahren nicht mehr auf einem Konzert gewesen seien oder sich eigens für Sleaford Mods wieder einen Plattenspieler gekauft hätten. Und natürlich war es bewegend zu sehen, dass sich die ganze Arbeit, die Jason, Andrew und Steve all die Jahre in die Band gesteckt haben irgendwann doch ausgezahlt hat – bester Beweis dafür, dass man eben einfach manchmal doch das machen sollte, woran man glaubt. Auch wenn eigentlich alle äußeren Umstände und gängigen (Musikbusiness-)Regeln dagegen sprechen.

Obwohl die Band ein Duo ist, wird ihr Manager fast zum dritten Bandmitglied: Wie würdest du die Band-Dynamik beschreiben? 
Genau, Manager und Ein-Mann-Label Steve Underwood ist so was wie der heimliche Held der Sleaford-Mods-Geschichte. Jason ist natürlich das Gesicht und die Stimme der Mods, Andrew der Beatmaker und »Man of the Moves«. Aber ohne Steve Underwood wären die Mods vermutlich nicht da, wo sie heute sind. Dank seiner Kontakte in die Punk und Avantgarde-Szene und seinem unerschütterlichen Glauben an die Band, schon zu Zeiten, als Jason noch in einer Hühnchenfleischschlachterei gearbeitet hat, konnten sie überhaupt erst durchstarten. Deshalb nimmt er auch so einen großen Teil im Film ein.
»Bunch Of Kunst« wird im Rahmen des »Achtung Berlin« Filmfestivals gezeigt. Alle Informationen zu Sonntag und weitere Vorführungen in Berlin findet ihr hier. Wir verlosen 1x2 Gästelistenplätze für die Filmvorführung. Viel Glück!
Teilnahme ab 18 Jahre. Einsendeschluss ist der 21.04.2017. Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Sleaford Mods

English Tapas

Release: 03.03.2017

℗ 2017 Rough Trade

Folgt uns auf

  • folgen
    mehr
  • Playlists
    mehr
  • Abos
    mehr
  • folgen
    mehr