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»Im Schatten des Krieges«

Sarah Glidden über Graphic Journalism

Dass Comics mehr sind als Cartoons und Superhelden, dürfte mittlerweile bekannt sein. Die amerikanische Zeichnerin Sarah Glidden ist eine der prominentesten Vertreterinnen des grafischen Journalismus. Wir fragten angesichts ihres neuen Titels »Im Schatten des Krieges« nach, worin die Vorteile gegenüber der Textform liegen.
Geschrieben am
Sara Glidden ist Ende 30, studierte Malerei an der Boston University und begann vor rund einem Jahrzehnt mit dem Zeichnen von Comics. Mit ihrer ersten längeren Geschichte »Israel verstehen - in 60 Tagen oder weniger« wurde Glidden, die mittlerweile im Subkultur-Mekka Seattle ansässig ist, zur hochgelobten Newcomerin des noch recht jungen grafischen Journalismus. Ihr aktueller Band »Im Schatten des Krieges« berichtet von einer Recherche-Reise nach Syrien und in den Irak.

Graphic journalism ist eine verhältnismäßig junge Form des Comic. Hast du den Eindruck, dass deine Arbeit ebenso ernst genommen wird, wie eine Reportage eines Zeitungsjournalisten? 
Es ist immer noch recht neu, obwohl Zeichner wie Joe Sacco schon seit vielen Jahren grafischen Journalismus betreiben. Daher ist es ganz eindeutig die Aufgabe von uns Autoren, Werke zu erschaffen, die mit Sorgfalt entstehen und Integrität besitzen. Ich kann verstehen, warum Menschen dieser neuen Gattung von Journalismus mit Zweifeln begegnen, aber hoffentlich verstehen sie nach der Lektüre, dass wir in unseren Berichten sehr gründlich vorgehen.

Welche Vorteile hat die illustrierte Erzählform im Vergleich zu einer schriftlichen Reportage?
Ich glaube Comics, ganz besonders handgezeichnete, helfen den Lesern, eine Verbindung zu ihren Themen herzustellen, ganz egal ob es sich dabei um Personen oder Orte handelt. Zeichnungen können dabei helfen, eine Beziehung aufzubauen und diese wiederum kann den Menschen helfen, auch andere Formen von textbasiertem Journalismus emotional nachzuvollziehen.
Bild: Reprodukt
Wenn man ein Bild von einer Person oder einer Situation anfertigt, enthält die Zeichnung immer auch eine Interpretation des Zeichners. Wie schaffst du es, die Balance zwischen diesem subjektiven Blick und der angestrebten journalistischen Objektivität zu wahren?
Auch jede Form von schriftlichem Journalismus ist immer eine Interpretation des Autors. Das liegt in der Natur des Journalismus. Egal wie sehr sich ein Journalist um »Objektivität« bemüht, werden in seiner Arbeit auch immer subjektive Faktoren wirken. Ich halte es für das Beste, diese inhärente Subjektivität im Werk selbst herauszustellen, eine Sache, die journalistischen Comics sehr gut gelingt. Wenn man sich einen Comic ansieht, kann man unmöglich abstreiten, dass es sich dabei um eine Beobachtung eines Menschen handelt, während wir diese Tatsache bei einem Text schnell vergessen. Diese Transparenz kann tatsächlich dabei helfen, Vertrauen zwischen Leser und Journalist aufzubauen. Ich bemühe mich so gut ich kann, die Dinge so zutreffend wie möglich zu beschreiben, aber das hat, wie bei jeder Form des Journalismus seine Grenzen.

2010, zur Zeit eurer Reise, war Syrien eine verhältnismäßig stabile Diktatur. Konntet ihr damals bereits den Kriegszustand kommen sehen, in dem sich das Land heute befindet?
Nein, wir hatten keine Ahnung, dass sowas jemals passieren könnte. Allerdings hielten wir uns damals auch nur ein paar Wochen in Syrien auf und waren nicht dort, um eingehend das syrische politische System zu untersuchen. Die Reportage konzentrierte sich allein auf die Situation der irakischen Flüchtlinge und alle Diskussionen über Syrien selbst beschränkten sich auf beiläufige Gespräche mit Menschen vor Ort. Politik war ein Thema, über das die Leute nicht offen sprachen, besonders nicht mit einer Gruppe westlicher Journalisten, die sie grade erst kennengelernt hatten. Es ist zudem wichtig zu erwähnen, dass wir uns nur in Damaskus aufhielten, wahrscheinlich die Assad freundlichste Stadt Syriens. Wären wir in Homs oder in anderen Regionen gewesen, hätten wir sicher ein anderes Gefühl von den Spannungen bekommen, die unter der Oberfläche brodelten.
Sarah Glidden (Selbstportrait)
Bild: Reprodukt
Arbeitest du bereits an neuen Projekten? Kommt bald die nächste illustrierte Reportage? 
Ich habe eine vorläufige Recherche über den Klimawandel und der Verbindung zu Zwangsmigration begonnen, es geht dabei um das Thema der Klimaflüchtlinge. Darüber mehr zu erfahren ist der Plan. Das Ergebnis soll wieder ein Comic werden.

Sarah Glidden

Im Schatten des Krieges: Reportagen aus Syrien, Irak und der Türkei

Release: 01.10.2016

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