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Ryan Coogler über »Black Panther«

Regisseur Ryan Coogler schenkte uns »Creed«, den besten »Rocky«-Film seit dem ersten Teil. Wo wird sich seine »Black Panther«-Adaption im Marvel-Universum einfügen? Patrick Heidmann sprach mit Coogler über die Ökonomie des Rassismus und die eigene Handschrift.
Geschrieben am
»Black Panther« ist die erste Comicverfilmung dieser Größenordnung mit einem schwarzen Protagonisten. Warum erst jetzt?
Frag lieber in den Chefetagen von Hollywood nach! Mit der Gleichberechtigung ist es so eine Sache, die ist nicht einfach da. Denk an den Sport! Eine Zeitlang gab es in der Profi-Basketball-Liga NBA keine schwarzen Spieler, Latinos durften keinen Baseball in der MLB spielen. Fragen der Hautfarbe haben immer auch wirtschaftliche Hintergründe. So, wie früher die Basketball-Bosse fürchteten, es käme kein Publikum mehr, wenn Afroamerikaner mitspielen, ging man in Hollywood lange davon aus, dass Filme mit schwarzen Helden kein Geld einbringen. Solch ein Denken ändert sich erst, wenn es widerlegt wird. Und dazu braucht es Menschen, die den Mut haben, etwas anders zu machen.  

Wie läuft es ab, wenn man einen so begehrten Job wie die Regie bei einem Marvel-Film ergattern will?

Die ersten Gespräche führte ich bereits, als ich noch mitten in der Arbeit an »Creed« steckte. Aber ich bin nicht gut darin, mehrere Dinge gleichzeitig zu machen. Es dauerte eine Weile, bis ich den Kopf frei hatte für »Black Panther«. Ich musste auch erst eine Rohfassung von »The First Avenger: Civil War« gucken, in dem die Figur Black Panther eingeführt wird. Und ich musste mich mit Hauptdarsteller Chadwick Boseman treffen, um zu sehen, ob wir miteinander klarkommen. Würde ich meine Vision für diesen Film finden? Würde ich in der Lage sein, sie zu vermitteln? Ein kompliziertes Unterfangen, weil mir die Geschichte ein persönliches Anliegen ist – mit einem riesigen Budget und dem Anspruch, auf der ganzen Welt zu funktionieren.

Hast du bei der Produktion einen außerordentlichen Druck verspürt?
Ich habe mich schon auf der Filmhochschule unter Druck gesetzt, weil ich immer den bestmöglichen Film drehen will. Für mich spielt es bis heute keine Rolle, ob ich ein paar tausend oder viele Millionen Dollar zur Verfügung habe. Doch was das Budget und die dahintersteckende Maschinerie angeht, war die Größenordnung von »Black Panther« für mich anfangs echt ungewohnt. Doch sobald ich mir bewusst gemacht hatte, dass es am Ende nur darauf ankommt, einen Film zu drehen, mit dem das Publikum emotional etwas anfangen kann, ließ sich der Rest bewerkstelligen. Und das Schöne bei der Zusammenarbeit mit Marvel war, dass sie im Grunde auch kein anderes Ziel hatten.
Hast du als Regisseur eines Marvel-Abenteuers die Möglichkeit, dem einzelnen Film deinen Stempel aufzudrücken?
Gute Frage – und die Antwort lautet: Ja. Genau das ist es, was Kevin Feige und die anderen Verantwortlichen bei Marvel suchen: Filmemacher mit eigener Persönlichkeit und Handschrift. Damit die Filme eben nicht eintönig und austauschbar werden. Tatsächlich wirkt ja »Thor« wie ein typischer Kenneth-Branagh-Film, und der dritte »Iron Man« unterscheidet sich spürbar von den ersten beiden, weil er von Shane Black und nicht von Jon Favreau ist. Taika Waititi hat 2017 mit seinem »Thor«-Abenteuer noch mal ganz neue Möglichkeiten ausgelotet. Für mich war diese Erkenntnis essenziell. Wenn ich mich für »Black Panther« komplett hätte verbiegen müssen, wäre das der falsche Job für mich gewesen.

Was macht »Black Panther« für dich so persönlich?
Das hat nostalgische Gründe: Seit meiner Kindheit bin ich großer Comic- und Superhelden-Fan. Ich bin aufgewachsen mit den X-Men und mit Spiderman. Außerdem weiß ich noch genau, wann und wo ich mein erstes »Black Panther«-Heft in der Hand hielt. Das allein hätte diesen Film für mich schon zur Herzensangelegenheit gemacht. Doch noch wichtiger war Afrika.

Wann bist du das erste Mal nach Afrika gereist?
Als ich 2015 anfing, mit Marvel über »Black Panther« zu sprechen, ging das einher mit einer Phase, in der ich mich privat mit großen Themen auseinandersetzte. Kulturelle Identität, Abstammung, die Folgen der Kolonialisierung – solche Dinge trieben mich um. Und ich entwickelte die fixe Idee, endlich den afrikanischen Kontinent zu betreten. Mein 30. Geburtstag stand bevor. Wie konnte es sein, dass ich als schwarzer Mann noch nie dort gewesen war? Dass genau in dieser Zeit, in der ich mit meiner damaligen Verlobten diese Reise plante, die Marvel-Leute wegen »Black Panther« bei mir anklopften, war beinahe Schicksal. Und nicht zuletzt deswegen habe ich so viel Wert darauf gelegt, den Kontinent im Film auf eine Weise zu zeigen, wie sie im Kino nicht an der Tagesordnung ist.
— »Black Panther« (USA 2018; R: Ryan Coogler; D: Chadwick Boseman, Michael B. Jordan, Lupita Nyong’o; Kinostart: 15.02.18; Disney)

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