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Gärtner des Weltalls

Ridley Scott über »Alien: Covenant«

»Alien: Covenant« ist die Fortsetzung des »Alien«-Prequels »Prometheus«. Der alte Regie-Teufel Ridley Scott setzt darin auf rohe Gewalt und gewaltige Mythologie. Warum sein Weltbild ohne Gott nicht ohne evolutionäre Hackordnung auskommt, erklärte er Alexander Dahas im Nebel von Los Angeles.
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An einem diesigen Februarvormittag sitze ich im Kinosaal eines Hotels in Hollywood. Kurz bevor das Licht ausgeht, hockt sich ein Typ neben mich. Aus den Augenwinkeln kann ich gerade noch erkennen, wer es ist: Ridley Scott. Der Regisseur will sich davon überzeugen, ob tontechnisch mit seinem neuen Werk alles in Ordnung ist, wie ich später erfahre. Nach dem Film scheint er sehr zufrieden. Kein Wunder: Die Schmerzensschreie im bislang wohl blutrünstigsten »Alien«-Teil gingen mir so nah, als brüte eins von den Viechern gerade in meiner Brust. Beim Interviewtermin am selben Tag kichert Ridley Scott: »Tja, die Evolution beginnt mit Gewalt.« Kicher. »Das war schon Thema in ›2001: Odyssee im Weltraum‹.« Kicher. »Und so, wie in Kubricks Film der schwarze Obelisk durchs All fliegt und die Affen auf die Sache mit den Waffen bringt, verhält es sich in meinem Film mit den Konstrukteuren, die man als die Gärtner des Weltalls bezeichnen kann. Sie pflanzen Ideen.« Doch bald vergeht in »Alien: Covenant« nicht nur dem letzten Weltall-Gärtner das Gekicher.
In den Weiten des Science-Fiction- und Horror-Films gilt Scott seit »Alien« aus dem Jahr 1979 als genialer Konstrukteur. Die Langlebigkeit des Konstrukts überrascht ihn bis heute. Beinahe hätte er auch gar nichts damit zu tun gehabt. »Damals war ich fünfte Wahl«, erzählt er etwas ernsthafter. »Kandidat Nummer eins war Robert Aldrich. Kannst du ihn dir als ›Alien‹-Regisseur vorstellen?« Der Hollywood-kritische Hollywood-Veteran Aldrich war den Produzenten 1979 mit seinen 60 Jahren aber letztlich wohl zu alt. Außerdem besaß er keinerlei Erfahrung mit Horror oder Science-Fiction, Ridley Scott zwar auch nicht, allerdings hatte der mit seinem Spielfilmdebüt »Die Duellisten« gerade auf sich aufmerksam gemacht. Und der britische Newcomer nutzte seine große Chance: »Alien« war der erste Horrorfilm mit ikonischer Actionheldin. Dafür ist die Darstellerin Sigourney Weaver immer noch bekannt. Und es war ein Science-Fiction-Film mit einem Monster, dessen Bedrohlichkeit dadurch wuchs, dass man wenig über seine Herkunft und Motivation wusste.

Drei Fortsetzungen von James Cameron, David Fincher und Jean-Pierre Jeunet sowie das Prequel »Prometheus« von Scott später kommen wir des Rätsels Lösung näher: »Alien: Covenant« wirft einen intensiven Blick auf die Entstehung dieser Lebensform. Eine irre Genese, die sich in »Prometheus« angedeutet hatte. Wichtig für die Story waren offenbar NASA-Mitarbeiter, die Scott bei »Der Marsianer« beratend zur Seite gestanden hatten. »Sie sagten, dass Lebewesen, die auf einem Planeten wie unserem leben, also in genau diesem Abstand zur Sonne, auch so aussehen müssten wie wir. Als ich sie fragte, ob wir Menschen das einzige intelligente Lebewesen im All sein könnten, verneinten sie das entschieden. Da draußen seien definitiv noch Billionen Lebensformen. Dieser Gedanke hat mir immer sehr gefallen. Ich habe zwar nie an Gott geglaubt, aber schon an eine überlegene Macht. Der Gedanke, dass ausgerechnet wir deren Auserwählte sind, kam mir lächerlich vor.«
Die Version der Schöpfungsgeschichte in »Alien: Covenant« bezeichnet Scott als »mythologische Logik«. Sie enthalte Elemente aus der antiken Sagenwelt, Schnipsel alttestamentarischer Überlieferung und zitiere Jean-Jacques Annauds »Am Anfang war das Feuer«. Scotts Augen leuchten, als er davon erzählt: »Annauds Film kam kurz nach ›Alien‹ in die Kinos. Er handelt von einer Gruppe Neandertaler, denen die Technik des Feuermachens Probleme bereitet, weshalb sie immer eine Schatulle voller Glut mit sich führen. Eines Tages erlischt die Glut, und die Gruppe muss neues Feuer finden. Dabei stoßen sie auf höher entwickelte Wesen.«

In »Alien: Covenant« verkörpert Michael Fassbender so etwas in der Art – einen Androiden-Typus mit Tuchfühlung zu noch höheren Wesen. Überhaupt rückt Scott die Filmreihe näher an komplexe Welten, wie man sie aus Superhelden-Universen kennt. Noch etwas ist anders: Für eine Geschichte, die sich an den Konventionen des Monsterfilms orientiert, offenbarte »Alien« bislang wenig Sympathien für die Hauptfiguren. Das hat sich laut Scott bewusst gewandelt. Ein letztes Rätsel raunt der fleißige Gärtner mir noch ins Mikro, bevor er ganz passend in den Nebel entschwindet, der Los Angeles an diesem Tag verhüllt: »Ist dir das Sprichwort ›Müßige Hände sind des Teufels Werkzeug‹ geläufig? Da ist etwas dran. Wenn man sich langweilt, kommt man auf teuflische Ideen. Davon handelt ›Alien: Covenant‹.«
— »Alien: Covenant« (USA 2017; R: Ridley Scott; D: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Noomi Rapace; Kinostart: 18.05.17; 20th Century Fox)

Ridley Scott

Prometheus to Alien: Evolution [5 Blu-rays] [Blu-ray]

Release: 07.12.2012

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