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Unter dem Damoklesschwert

»One More Time With Feeling«

Es sollte eine Dokumentation der Aufnahmen zum jüngsten Album von Nick und seinen Bad Seeds, »Skeleton Tree«, werden. Doch Andrew Dominiks Film steht voll und ganz im Zeichen der Trauer um einen der Söhne von Cave und Susie Bick. 
Geschrieben am
Vielleicht ist alles ein Missverständnis. Ein Fehler. Ein Unglück, das sich im Moment des Aussprechens und des Zeigens abwenden oder zumindest in etwas Produktives umformen lässt. Irgendwie beschleicht einen dieses Gefühl an vielen Stellen von Andrew Dominiks Dokumentarfilm, der um den Entstehungsprozess des letzten Nick-Cave-And-The-Bad-Seeds-Albums »Skeleton Tree« kreist. Die Irritation beginnt schon beim Titel »One More Time With Feeling«: Handelt es sich um die stolpernde Variante von »Once more, with feeling«, dem alten Motto aller aufführenden Künstler, Musiker, Schauspieler? Oder drückt der Titel doch etwas anderes aus? Geht es darum, sich noch EINMAL in etwas reinzubewegen, sich noch EINMAL zusammenzureißen? Ganz genau werden wir das wohl nicht ergründen können. Genauso wenig, wie wir »One More Time With Feeling« jemals vollkommen ergründen werden. Dafür bleibt zu vieles ungesagt, und über dem Ungesagten schwebt zudem ein Damoklesschwert. Es droht jederzeit Köpfe abzuschneiden, Herzen zu zerreißen, den Film zu beenden.

Ursprünglich geplant war eine Form von Marketing, sozusagen Promo auf ganz hohem Niveau. In 3D. Und ganz anders als »20.000 Days On Earth«. Jene Fake-Doku, eher ein Essay Nick Caves über sich selbst, war von vornherein als Meisterwerk geplant. Dass auch »One More Time With Feeling« ein filmisches Meisterwerk geworden ist, hat einen traurigen Grund: der Tod Arthurs, einer der Zwillingssöhne Caves und seiner Frau Susie Bicks. Nicht weit von seinem Elternhaus in der Nähe von Brighton, wohl als Folge eines Experiments mit LSD, fiel Arthur im Juli 2015 eine Klippe runter. Dass ausgerechnet Nick Cave, dessen Heroin-Missbrauch in den 1980er- und 1990er-Jahren legendär ist, seinen Sohn durch einen Drogentrip verliert, ist eine weitere der Gemeinheiten, die das Schicksal auf Lager hat. Die Grausamkeit, sein Leben weiterführen zu müssen, obwohl man gar nicht unbedingt mag. Wie das aussehen kann, beobachten wir mit Regisseur Andrew Dominik. Ein furchtbar geschlagener, ein zerstörter, ein wankender Nick Cave ist zu sehen. Man spürt die Anstrengung aller Beteiligten, dieses Album und auch diesen Film zu Ende zu bringen. Das Beste aus der Situation zu machen. Manchmal blitzt etwas auf, das fast positiv ist, in einer Zeit, die nichts Schönes bereitzustellen scheint. Zum Beispiel das Verhältnis von Cave zu seinem Langzeitgefährten Warren Ellis. Immer wieder sieht man das fast schon beruhigte Gesicht Caves, der zu wissen scheint, dass Bad-Seeds-Urgestein Ellis ihm so viel abnehmen wird, wie er kann. Auch wenn Ellis selbst zu trauern scheint.

Der Tod eines Menschen kennt eigentlich keine positive Wendung, hat nichts Gutes an sich. Diese Erkenntnis macht »One More Time With Feeling« zum Meisterwerk. Egal, wie man es schafft, nach einem Schicksalsschlag über die Runden zu kommen: Am Ende ist nichts mehr, wie es war. In introspektiven Sätzen erzählt Cave selbst davon. Auch das Album »Skeleton Tree« wäre niemals in dieser Form herausgekommen, wenn er die Kraft gehabt hätte, es zu verhindern. Bei einer normalen Qualitätskontrolle wäre es durchgerutscht. Doch das hier ist nicht normal. Und genau diesen Shift hört man dem Album an – und man sieht ihn festgehalten auf Andrew Dominiks eindringlichem Film.
Wir verlosen »One More Time With Feeling« je zweimal auf DVD oder Blu-ray plus eine kleine Überraschung. Tragt euch dafür in das Gewinnspiel ein und gewinnt mit etwas Glück! 
Teilnahme ab 18 Jahre. Einsendeschluss ist der 07.04.2017. Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Andrew Dominik

Nick Cave & The Bad Seeds - One More Time With Feeling [Blu-ray]

Release: 31.03.2017

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